Friedhofsruhe

Auf Friedhöfen ist es ja eigentlich still. Die Totenruhe muss gewahrt bleiben. In Galway fahren die Menschen zur Grabpflege mit den Autos bis vor’s Grab. Haben sie vielleicht von ihren amerikanischen Verwandten.

Die Ruhestätten aber sind teilweise optisch und auch vom Informationsgehalt her sehr laut.
In Reimen werden Lebensläufe beschrieben, woodomäßig liegen Gegenstände oder Spielzeug als Grabbeilagen auf den großen Gruften, Konterfeis sind lebensgroß in den Stein geäzt. In meinem Heimatort kenne ich solche Ausstattung nur von berühmten Sintigräbern.

Fotos davon will ich hier nicht zeigen. Ich hoffe auch, dass nicht zuviel Arroganz darüber von mir laut wird.

Was dem Friedhof meiner Meinung nach wirklich fehlt sind Bäume, angesichts der Klima-Krise sind das sowieso zu wenig auf der Insel an sich und dieser Friedhof hatte nichts von der „schattigen Ruh“, die ich von Friedhöfen kenne.

An einem Grab habe ich einen Heiligen kennen gelernt:

Aus Wikipedia
Der hl. Martin von Porres ist Schutzpatron des Pflegepersonals, der sozialen Gerechtigkeit, der Friseure und der Laienbrüder. Er wird bei Ratten- und Mäuseplagen angerufen. In der Ikonografie wird er meist im Habit der Dominikaner mit Kreuz, Rosenkranz und einem Besen dargestellt.

Ein Heiliger mit einem Besen.
Ich glaube das Bild kann hier gezeigt werden.

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Galway Bay

Der Campingplatz liegt direkt am Galway Bay raus Richtung Westen, noch hinter der Vergnügungsmeile „Salt Hill“ mit einem Riesenrad, Zuckerbuden und Karussells.

„And the boys of the NYPD Choir were singing ‚Galway Bay'“. Es gibt übrigens wirklich eine Aufnahme von New Yorker Polizisten, die das auch von Bing Crosby interpretierte Lied, gemäß „fairytale of New York“ singen. (Gibt’s auf YouTube)
Aber dieser Chor wurde durch McGowan inspiriert.

Und ich mache gerade meine ersten Erfahrungen mit Drogen, jetzt, wo ich doch zu Saufen aufgehört habe, und mich kein sonst so „cremiges“ Guinness zurückgewinnen kann. Ich mußte dringend auf’s Klo und habe ohne zu gucken einen „CBD Bud & Hash“ Laden angesteuert, der wie ein Café aussah.
Tee hätten sie nur mit Hanf. Ob da THC drin wäre. Nö, das müssen man dann anders machen. Ich habe den Tee dann ohne das „Andere“ genommen. Soweit meine Drogenerfahrungen.

Irisch ist hier „Language No 1“ trotz der Internationalität der Stadt. Hier Geht’s um Wasser im Bürgersteig, Whiskey leitet sich von dem Wort ab

Die Stadt ist super erfrischend bunt, all die „Vögel“ hier können nur eingeflogen sein. Zwischen Dublin und hier war nichts davon zu sehen. Viele offensichtliche LGBT und auch sonst scheinen Menschen aus aller Welt, nicht nur als Touristen hier zu sein. Die High Street ist eine einzige Vergnügungsmeile.

Die Verkaufsgespräche hier im Shop-Café Hintergrund klingen irgendwie elitär, wie aus einem Fachhandel für feine Weine und ebenso teuer.

Ich habe meinen Frieden mit bzw. Spaß an dieser geschäftigen Stadt, mit den vielen, verschiedenen unlimitierten Straßenmusikern. Gestern hörte ich sogar livemusic in einem Pub, mit einem Mandolinen Spieler, der immer alle vier oder acht Saiten, in Akkorden klingen ließ, dabei Melodien spielte, sang, für mich unglaublich konzertant. Mit seinen beiden anderen Musikant*innen, ging’s quer durch Folk und Pop, Geige, Gitarre noch dazu; angelockt hatte mich der Song „Pair of brown eyes“, von wem…..?

Wegen so etwas bin ich hierhin gekommen. Die spielen dermaßen musikantisch, ohne dieses „entdeckt werden zu wollen“ einfach so, weil es Spaß macht.

Laufe weiter durch die Stadt, gespannt, was der Tag noch bringt.

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Loughrea noch 37 km bis Galway

Habe endlich die Seite auf meinem Blog gefunden, wo ich Heinrich Böll u.a. zum Thema Autoverkehr in Irland zitiere

„Ich empfand es als Blasphemie, als jemand in Deutschland zu mir sage: Die Strasse gehört dem Motor. In Irland war ich oft versucht zu sagen: Die Strasse gehört der Kuh. Tatsächlich werden in Irland die Kühe so frei zur Weide, wie die Kinder zur Schule geschickt; herdenweise nehmen sie die Strasse ein….“ aus Böll, Heinrich; Irisches Tagebuch, München 1963

“Heinrich Böll hätte sein Irland nicht wieder erkannt S. 312….. 1986 gab es nur 750 000 private Autos in der Republik Irland, 1996 gab es mehr als 1 Million und 2007 waren es mehr als 2 Millionen S. 317………“ aus Maurer, Michael; Geschichte Irlands, Stuttgart 2013.

Sligo

Aber eben bin ich ein fast autofreies Stück Landstraße gefahren, eine Wohltat. Verlassene Höfe am Wegesrand. Gedanken wie es den Bauern hier geht, ob da auch nur riesig oder gar nicht geht?
Mich hat der Hof auf dem Bild an den erinnert, auf dem Shane McGowan sein Interview in dem großartigen Film
„The Great Hunger“ gibt.

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Birr

Bin in County Offaly, the „faithfull“ wie es hier überall umworben wird, in einem Hotel. Eigentlich hatte ich einen Campingplatz angesteuert, aber da ließ sich gestern keiner telefonisch erreichen und ich wollte kein Risiko eingehen. Und mal wieder mich selber und ein paar Sachen waschen, mußte einfach drin sein.

So ein Hotelzimmer hat natürlich ein paar Annehmlichkeiten: Ich kann z.B. den Text hier an einem kleinen Tisch schreiben, die Wäsche lässt sich in einem sauberen Becken waschen, kein Morgentau in den Klamotten, Zelt und Schlafsack werden mal wieder richtig trocken; in dem jetzigen ist aber nur ein kleines Fenster zum Öffnen, ich möchte gar nicht wissen, wie es hier von mir duftet. Es ist auch ziemlich warm. Allerdings mach das Zimmer nicht den Eindruck, als wenn es nicht zu lüften wäre, es ist sauber und propper. Und Frühstück gibt es hier erst um 8 Uhr; das ist, glaube ich, typisch für Irland. Ich komme also auch nicht früher los, als wenn ich ein Zelt hätte trocknen lassen müssen.
Mittlerweile habe ich mir Galway als Ziel ausgedacht. Sind noch knappe 100 km dahin.
Die Fahrt gestern hat nicht viel Spaß gemacht, ich habe die Route wohl falsch gewählt. Ich wollte eigentlich nach Nenagh, habe aber kurz vor Portlaoise gemerkt, dass ich mir dort „Lough Derg“ genau in den Weg nach Westen setze und überlegt, dass bei Besichtigung der Kirche, in der bei den Exequien von Shane McGowan getanzt wurde, auch nicht viel heraus springen würde.
2018 hatte ich mich stark über den Autoverkehr auf den Straßen aufgeregt. Das will ich jetzt nicht mehr.

Darf man nicht zeigen, ne, ist eklig

Wie ich ihm aber einigermaßen ausweichen kann, habe ich auch noch nicht raus. Ein großer Fehler war gestern wohl parallel zu einem Motorway zu fahren, aber selbst weiter weg davon, auf den kleinsten Straßen war intensivster Autoverkehr.

Ein Gedicht und eine Gedenkstätte für einen Motorradfahrer, der starb, weil ein Autofahrer auf sein Handy gucken mußte

Ruhiger und schöner wurde es erst gegen 18 Uhr, auf den Strassen hier im County, wo auch Fahrradstrecken auf Schildern angezeigt wurden.

Alan starb nicht beim Fahrradfahren oder durch einen Verkehrsunfall. Er war einfach nur ein begeisterter Radfahrer. Wieso er ein Denkmal an einem Pub in Birr hat, habe ich nicht genau verstanden

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Dublin und Schüss

War nicht einfach, gestern aus dem Hafen heraus zu kommen. Obgleich Radwege installiert, landet mensch irgendwann zwischen der, aufgrund ihrer Wesensart zur Verstopfung neigenden, genervten, motorisierten Menschheit.

Dublin ist schön. Aber ich war noch nicht auf Städte eingestellt. Beim bloßen Hindurchfahren oder Schieben nach Westen stand ich unerwartet vor dem berühmten Pub, in dem z.B. die „Dubliner“ u.v.a. sich die Kante gegeben haben.


Dann raus nach Glencree, eher Südwesten, aber ich wollte diesen deutschen Soldatenfriedhof mal sehen. Nicht aus Heldenverehrung und Nationalgefühl, sondern wegen des Irrsinns der Historie. Ein Soldatenfriedhof, obgleich Irland im zweiten Weltkrieg neutral und deutsches Militär nicht in Irland war?

Ich kam durch Rolf Wenkhaus drauf. Er spielte den Emil im Kinofilm „Emil und die Detektive“ von 1931. Wie „Gustav mit der Hupe“ und der „Kleine Dienstag“ fiel er im WW2, er höchst wahrscheinlich in den Atlantik mit einem von den Briten ab geschossenen Bomber, die beiden anderen an der Ostfront. Der Pilot aber von Rolf Wenkhaus Flugzeug wurde in Donegal angeschwemmt und hier beerdigt. Rolf Wenkhaus wurde nie gefunden.

Besonders zynisch hier sind ein großer Teil deutscher hier liegender Kriegstoter, die, von den Briten interniert und per Schiff nach Kanada gebracht werden sollten. Dies wurde dann vor der irischen Küste von einem Deutschen U-Boot torpediert, die Toten angeschwemmt.

Weiter relativ anstrengend und genauso schön durch die Wicklow Mountains.

Campingplätze waren von dort Richtung Westen Mangelware. Durch eine nette alte Dame vermittelt, erlaubte der Platzwart auf dem Rugby Feld von Kilbride in den Wicklow Mountains mir zu campen.

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Anfahrt

Das Mobiltelefon zeigt immer noch die kontinentale Zeit an, obgleich es schon im irischen Netz ist und auf Googlemaps als Standort Arklow auf der Insel ca 70 km südlich von Dublin angibt, was nicht stimmt:
Die W.B.Yeats schwimmt immer noch im Meer, höchst wahrscheinlich schon in der irischen See, aber das weiß ich nicht genau. Sind noch knappe vier Stunden bis zum Anlegen in Dublin. Es ist 7 Uhr Irischer Zeit. Eine Stunde ist mir auf dem Weg nach Westen verloren gegangen, bekomme ich ja wieder zurück, wenn ich zurück komme.
Hier in der „Holzklasse“, in den „Komfortsesseln“ wo die Menschen die preisgünstigste Kategorie der Überfahrt gewählt haben, kriechen sie aus den ulkigsten Schlafpositionen vom Boden, aus den Sesseln und Bänken, finden ihre Anziehsachen, langsam kommt Leben in die Bude, obgleich noch genug Zeit zum Weiterschlafen wäre.


Anders als auf den ähnlich weit fahrenden Fähren von Amsterdam nach Newcastle: Dort ist Kabinenzwang und selbst in der winterlichen Nebensaison ist die Überfahrt für eine einzelne Person doppelt so teuer. Das Personal kommt hier bei „Irish Ferries“ aus Osteuropa, bei DFDS aus Asien. „Personal“ klingt natürlich dumm; so, als wenn ich selbst welches hätte. Es sind die Menschen, die an den Bars arbeiten, oder die auf Deck die Autos einweisen.
Beim Ablegen richtete der Kapitän einige Worte an die Passagiere, von denen für mich aber nur zu verstehen war, dass er der „Captain“ ist. Keine Ahnung was für ein englischer Akzent das war. Ich zweifelte an meinen, ohnehin ziemlich schlechten Sprachkenntnissen, gewann aber, als die üblichen Sicherheitserklärungen, wohl pronociert vom Band abgespielt wurden, diese zurück.
Links neben der Fahrtrichtung, also mutmaßlich westlich, lässt sich an einem milchigen Horizont ein Küstenstreifen ausmachen. Das wird Irland sein.
Und jetzt also, an diesem provisorischen Ziel, die Frage, was ich überhaupt hier will? Ich nehme das nicht ernst, aber das Innerliche ist faszinierend. Aus dem Gefühl etwas erreichen zu wollen, wird mit dem Erreichen und schon kurz davor, Enttäuschung. Ja klar, die Motivation war eine Täuschung, ich muß unbedingt nach Dublin, weil ich es unbedingt einmal gesehen haben muß, aber was soll denn daran so toll sein, dass sich der ganze Aufwand gelohnt haben soll. Da sind doch so wichtige Probleme: Was macht ich mit meinem Gepäck, mit dem Fahrrad, wenn ich in einen Pub mit Musik gehen will? Fahre ich möglichst schnell raus, weil Städte sowieso nicht meins sind? Lasse ich mich einfach treiben, irgendwie nach Westen? Ja, genau das. Wäre dann sogar ziemlich einfach, wenn wie in der Normandie bei der Abfahrt der Wind aus Osten kommen würde..

Was ich in der Anschauung meiner Selbst einfach nur zum Ausdruck bringen möchte: Viele Menschen wären so gerne nicht voreingenommen, aber warum kaufen gerade diese, Gebildeten, Reiseführer? Es werden doch nur die Eindrücke von jemand anderem übernommen, vielleicht abgeglichen, aber wo ist das eigene Erleben, ein Sehen ohne einen gerichteten Focus?

Hier auf dem Schiff flimmert überall CNN auf den Bildschirmen. „Follow the facts!“ Es wäre so viel einfacher gewesen, zu Hause zu bleiben, auf einen Bildschirm zu starren. Hier weichen meine Augen den Bildschirmen aus, suchen das Meer. Nein das hätte ich gern: Ich muß die Augen auf’s Meer zwingen, der Bildschirm zieht sie an.

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Abgefahren (Nachtrag vom 11. August)

Die W.B. Yeats fährt gerade in Cherbourg ein, u.a. um mich dann später mit nach Dublin zu nehmen

Ne, noch nicht. Was sind das für Mechanismen, die dann greifen, wenn Mensch auf ein großes Fährschiff kommt? Erst einmal einen guten Platz ergattern? Erstmal die Decks abschreiben, wo ist gute Aussicht? Ein Getränk besorgen, ala „das ham wir uns verdient“?

Überall flimmern Bildschirme und auch die zwingen, lösen ein zwanghaftes Hinschauen aus.

Was hätte so eine „Seefahrt“ sonst zu bieten? Einfach nur die Meerfläche, sonst nix, vollständige Entspannung, z.B. für die Augen.

Eben war ich wieder verhaftet an den CNN Bildschirm. Ich gehe gleich, glaube ich wieder an die frische Luft. In einer Viertelstunde mußt das Schiff losfahren

Was lasse ich hier am Platz, um den als meinen zu markieren? Wie gehe ich mit der Erkenntnis um, dass ein frisch gezapftes Guinness mich nicht glücklicher machen würde?

Wie könnte ich glücklicher sein, wo ich doch gar nicht unglücklich bin? Reicht das? Wo ist der Urlaub?

Diese Geschäftigkeit, der Zwang etwas zu tun, aber es gibt nichts zu tun.

Oben auf dem Bild segeln sie hart am Wind.

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Fährenfutter

Dieses Jahr schon zwei Seefahrten absolviert und bei beiden revoltierte der Magen. Trotzdem esse ich jetzt etwas. Die Fähre fährt ja erst in 3 Stunden.
Hier, beim „Libanesen“, habe ich das Fahrrad im Blick. Obendrauf Lebensmittel, damit ich, falls Appetit an Bord, nicht verhungere.

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Camping

1988 auf einem Campingplatz am Plattensee in Ungarn

Ein Mensch aus der DDR, aus Magdeburg, erzählt uns, dass er in der Tschechoslowakei einen Stop macht auf seinem Weg hierher. Da sei aber morgens das Zelt vom Tau feucht und das sei nicht gut.

„Was hast Du denn für einen Anspruch!“ dachte ich damals. Heute habe ich ihn selber. Gleich ist 9:30 und das Zelt ist noch nicht trocken. Allerdings hatte ich es feucht eingepackt. Hatte keine Lust so lange auf dem Campingplatz ohne Kaffee zu warten. Die Zeltplane hängt an meinem Fahrrad auf einem großen Platz vor einem großen Gebäude, auf dem „Theatre“ steht. Ich sitze in einiger Entfernung im „Cafe BELLEPLACE“ und überlege, wie ich es hinkriege, die Plane zu wenden, ohne, dass der Garçon denkt, ich wöllte (es heißt „wolle“, mußte ich aber nachgucken, scheiß Deutsch) die Zeche prellen.

Das Foto unten, dort entstanden, bezeichnet den Camping Platz ganz gut.

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Pour la famille

Gerade ist eine 5köpfige Familie mit genau so vielen Fahrrädern und einem Anhänger zu gestiegen. Verstehe nicht viel, aber die Schaffnerin ist immer noch sehr gelassen.

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