ÖBB

Ist ein ICE fähiger Zug von der Bundesbahn auf dem ich gerade durch die Gegend gondel. Wunderbar, die fahren hier sogar pünktlich. Nach Frankfurt soll der weiterrollen. Ich steig aber in Salzburg aus. Hätte sonst auch keinen Platz für das Fahrrad.
Hier sind zwei eBike Herren im Zug. Der eine passt auf seins auf und kommentiert eifrig, das Verräumen der übrigen Räder. Der andere will mich interviewen und irgendwie hat er nicht das richtige Einfühlungsvermögen für mich. Sein insistierendes „Woher, Wohin?“ beantworte ich mit „Sind wir nicht alle auf der Reise?“ und gefalteten Händen. Er gibt bald auf.
Ein wenig arschig von mir, aber ich weiß mir gerade nicht anders zu helfen.
Gleichwohl hat sich das Fahrrad in den Alpen weiter entwickelt und angesichts dessen bin ich ein Konservativer, obgleich nicht ganz. Konservative, sind die, die mit den Veränderungen klar kommen, in dem sie mit Macht etwas ändern wollen, was ihnen zur Heilung ihres bitteren Gefühls reicht. Konservative wollen nicht die Gesamtproblematik sehen. Sie sägen sich einen Teil aus dem großen Schachbrett und halten sich dort für geniale Spieler.
Mein bitteres Gefühl: Auf den Talstraßen kannst Du an die Pässe nicht mehr ranfahren. Der Radfahrer hat jetzt Motor und nähert sich auf Seitenwegen, mit doppelt soviel Höhenmetern. Mein konservatives bitteres Gefühl steht dem des konservativen „Blechkistenfahrers“ gegenüber.
Aber ich finde es nicht gut, dieses „bittere Gefühl“. Schachspielen kann ich auch nicht. Vollkommen überfordert die Zusammenhänge zu denken. Und was für ein nasser Furz ist das, ob ich einen Weg mit dem Fahrrad fahre. Und wie schön.

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Mallnitz

Hier ist der Bahnhof vor dem Tunnel von Kärnten in Salzburger Land. Meine „Alpenträume“ enden in einem Tunnel. Das klingt so’n bischen wie die Drohung meiner Mutter „..und zu Weihnachten guckst Du in die Röhre!“ was für andere Kinder hieß, dass sie vom „Weihnachtsmann“ nichts bekommen würden, wenn sie nicht artig seien.
500 hm auf 7 km hat der Fahrradcomputer mir hier hoch von Obervellach angezeigt. Es ging so mit Ach und Krach, der Großglockner mit noch 60 km Anfahrt und einem vielfachen an Höhenmetern wäre ein Fiasko geworden. Hätte heute überhaupt nicht geklappt. Ich hatte die letzte Nacht fast gar nicht geschlafen. Der Hals hinten geht scheinbar beim Schlafatmen immer wieder zu. Immer wieder nach Luft geschnappt.
Vielleicht habe ich einfach auch ein Erkältung, die Stimme klingt so, kam aber so auch ganz abruppt mit dem Wespenstich im Mund.
Zuerst hat ich hier am Fahrkartenautomaten ein Schockmoment, keine Tickets mehr für „mit Fahrrad“. Im Internet, bei der ÖBB gings dann problemlos. In 2 Minuten soll der Zug kommen.

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Obervellach oder was mach ich mit dem Päckchen?

Dieser Spruch:
Jeder hat sein Päckchen zu tragen

Ich überlege ob ich eins mit der Post verschicke, das Rad leichter mache. Es ist ja eigentlich ein sehr leichtes Rad. Das wäre zumindest einfacher als die Übersetzung zu ändern.
Ich könnte auch mit dem Zug durch den Alpenhauptkam fahren. Es gibt einen Tunnel ganz in der Nähe. Dann wäre ich in 2 h in Salzburg. Jetzt noch. Will aber über den Großglockner…schaun wer mal.

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Spital an der Drau

Es geht nicht richtig weiter.
Die Wespenstich im Mund hat sich ca 2 h wie eine Supernarkose vom Zahnarzt angefühlt. Habe in einer Bar einen großen Eiswürfel bekommen, das hat geholfen.
Und meine Strecke war wirklich gesperrt, 20 km bis Feistritz an der Drau. Ich mußte aauf dem „Drauradweg“ 20 km, glaube sogar mehr, mit meandrieren; Meandrieren bedeutet, dass der Fluss sich schlängelt, Meander ist ein Fluß in Kleinasien, der das besonders stark tut.

Aber ich bin wohl einfach noch fertig von gestern. Geht jetzt einfach nach dem Motto weiter „Du kannst nichts erzwingen“ und „mich bergauf“ treiben lassen.

Ach, und ich hatte einen Grund einen fetten Eisbecher zu bestellen. Der Mund muß ja gekühlt werden.

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Immer noch Villach

Hier ist Radrennen, und ich muß etwas essen.
Hoffentlich haben die nicht meine Strecke gesperrt.
Und eine Wespe hatte sich ins Frühstück begeben. Zum Glück schwillt nur der Mundraum. Der Hals scheint frei.

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Villach

Das Wasser der Soča unter einer fehlenden Brückenplanke

Ich hatte mich ja so auf den Wurzenpass fixiert, aber der eigentliche Höhepunkt war heute der von Süden vorgelagerte Vršič-Pass.

1610 ist er hoch und bei Trenta, mit einer Höhe von ca 600 geht’s richtig los. Krajnska Gora der Ort zwischen den beiden Pässen liegt relativ hoch deshalb waren es nur ein wenig mehr als 200 hm auf den Wurzen.

Mit seinen Rampen von 18% würde ich ihn jetzt rauf nicht mehr pedalierend schaffen, zumindet nicht mit der Konstellation, die ich jetzt gerade fahre. Runter nach Kärnten hat mir schon gereicht. Ich hatte die ganze Zeit Angst, die Bremsen würden anfangen zu Kochen, habe auch da mal Pausen gemacht. Aber vor allem der Weg an der Soča entlang war toll, richtig froh, da noch einmal her gefahren zu sein. Dieses Wasser, dieses Fließen, das Tal hat am Oberlauf etwas ganz Besonderes.

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Bovec

Unter 50 km bis zum Wurzenpass. Die Erinnerung und die Einschätzung der Strecke arbeiten, wie schon vorher öfter bemerkt, illusionär zusammen. Ich bin die Strecke nie rauf nach Norden sondern immer nur runter gefahren.
Früher waren die falschen Einschätzungen, welche die Strecken anbelangt viel unrealistischer, aber Kraft und Kondition konnten das ausgleichen.

Desillusioniert ist schlecht, illusorisch ist auch schlecht. Die Illusion scheint so etwas wie die Bigotterie der Bürgerlichkeit zu sein: Ein Ding das jeder hat, keiner einem anderen zuspricht, jeder verdammt. So ähnlich wie das Schimpfwort „Wichser“, das ja eigentlich nur männlicher Mensch heißt.

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Kobarid

Ja, das war schön, als ich in Tolmin, oder auf „Deutsch“ Tolmein, beim Radhändler wieder aufschlug, stand das Rädchen mit einem super Druckpunkt in der Hinterradbremse da. Bye the way…..ich hätte ihm ja erzählt, dass das Fahrrad knacken würde, das wäre ja so ein verschraubten Pressfit Lager und die rechte Seite viel zu locker gewesen…..das habe er angezogen, das Knacken sei weg.
Es war schon toll, wie er mich begrüßt hat, als ich ihn nach seiner Mittagspause zum ersten Mal sah. Er machte nicht den Eindruck von Gehetzheit, obgleich er bestimmt 10 Minuten zu spät in seinen Laden kam. Aber er empfing mich total freundliche und kümmerte sich sehr, erklärte ganz viel. Für mich sah das so aus wie einer, der sich die Zeit nimmt um Zeit zu haben, aber auch ziemlich schnell arbeiten kann. Weit weg von der Arbeitswelt wie ich sie kenne bzw. sie mir selbst gestalten oder gestalten lasse.
Der Laden selbst war weg von Schickmick und Style, überall stand etwas herum, scheinbar ungeordnet; Kisten, reparierte Räder, Räder, die wohl verkauft werden sollen, eine Phalanx Trikots hinderte einen daran erst einmal tiefer in den Laden zu kommen.

Irgendwie war ein kleiner Funke übergesprungen. Er frug mich auch, ob ich die Zeit habe auf die Reparatur zu warten (1h oder ein bischen mehr).
„Natürlich habe ich Zeit, ich bin im Urlaub. Aber mein Kopf versteht das nicht so ganz.“
Er hatte auch dafür eine Antwort parat, die ich vergessen habe, aber von der Reaktion her, so etwas wie ein wohlwollendes „Hastes kapiert!?“ hatte.

Was für eine tolle Begegnung. Neulich hatte ich noch einmal daran gedacht, an alle die freundlichen Menschen, die ich auf meinen Fahrten, früher auch oft per Anhalter getroffen habe, die das heulende, “ innere Kind “ auf eine gewisse Weise zu führen und zu trösten wußten. Warum kommen die nicht wieder durch? Ich glaube es gibt zu wenig davon. Nein nicht. Sie sind nur zur Zeit gar nicht vorne. Und oft denke ich viel zu wenig davon zu haben, bzw. an den falschen Stellen aus zu üben.

So konnte ich auch gar nicht viel weiter fahren und, ich wollte es auch nicht. Der Weg hierüber war wunderschön und ich habe mal dran gedacht, ein paar Bilder davon zu machen. Das war exakt das was ich wollte und trotzdem sah es ganz anders aus, als ich es in Erinnerung hatte. Bei der letzten Fahrt runter von Krajnska Gora, bin ich vermutlich tief im Tal die Autostraßen gefahren. Das ist schneller, aber weniger schön und eben auch gefährlicher.

Der Weg von Kanal nach Tolmin heute am späten Vormittag, war der Hammer: auf 20 km gab es 400 Höhenmeter im Rauf und Runter. Eine Rampe schob ich runter und das Navigationsgerät zeigte mir ein Gefälle von über 21% an und auch bei den folgenden Steigungen gab es an die 20%. Diese Pisten waren dann auch an den Berg betoniert. So etwas hatte ich noch nicht gesehen. Darüber vergaß ich Bilder zu machen, von dem Blick den mensch da oben auf die Spielzeugautos im engen Tal hat.

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Scheiß moderner Kram

War dann beim Fahrradhändler. Kam ein bischen später als zu seiner Öffnungszeit. Während ich wartete, dachte ich, ich versuche noch einen Trick mit der Hinterradbremse. Sie hat keinen richtigen Druckpunkt mehr. Hinterrad ausbauen und die Bremskolben hin und her bewegen, manchmal entweicht die Luft dann in den Ausgleichsbehälter. Aber die Steckachse ließ sich nicht mehr lösen. Muß ich heute morgen zu fest angezogen haben.
Auch der gekommene Fahrradmechaniker schafft es nicht.
„Das sind definitiv nicht 10 Newtonmeter“.
Er erklärt mir, dass er nicht drin steckt, es gäbe konische und flache Aufnahmen und je nachdem.
Scheiße. Wie soll ich einen Platten flicken?
Er hat die Achse nicht. Es ist ein Hin- und Herüberlegen. Kein Bock auf irgendeinem Pass oder in einem Tal mit einem Platten zu stehen.
„We can use brute force!“
O.k. auf meine Verantwortung. Der Mechaniker kommt mit verlängerten Schlüsseln. Aber er muß gar nicht brutale Kraft anwenden. Ich hatte vorher die Schalen von meinem Multitool zerbrochen, er hatte es selber mit einem längere Inbusschlüssel probiert. Jetzt geht die Achse fast von selber auf.
„Kommt davon wenn man drüber redet.“ Oder etwas ähnliches sagt der Mechaniker.
Trick klappt nicht. Die Bremse wird jetzt regelrecht entlüftet. In einer Stunde soll ich wieder kommen. Echt nett.

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Fremdkörper

Als ich das Fahrrad heute morgen das erste mal anfasste, merkte ich, dass ich einen Fremdkörper übersehen haben mußte. Reifen ganz ab, umgedreht und irgendwann hatte ich dieses fiese, versteckte Stück Draht, was auch noch angespitzt schien; so widerlich, dass in mir das paranoide Gefühl entsteht, dass das nicht unabsichtlich in den Reifen kam. Genauso irrational ist die Entsorgung: Wo kann ich das hintun, ohne, dass das wieder Unheil anrichten kann, als wenn es etwas bakteriell kontaminiertes sei.

Danach drehte ich mich ziemlich im Kreis. Mir ist der tubeless Kram mit der Brühe im Reifen so fremd, dass ich nicht an seine Prinzipien denken mag.
Und was ist mit einem solchen Fremdkörper wie hier, der von außen überhaupt micht zu sehen war, da fehlt dann ständig Luft, weil der Stachel im Fleisch, die Wunde immer wieder aufreißt.
Ich hatte aber die ganze Zeit versucht den Reifen, der für tubeless gedacht ist, zu wuchten, anstatt den Schlauch so stark auf zupumpen bis der Reifen ins Felgenbett springt. Ja doof.

Jetzt hoppelt das Fahrrad nicht mehr. Trotzdem gehe ich zum Fahrradhändler hier in Tolmin. Brauche noch einen Ersatzschlauch.

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