Konoba

Heute wollte ich möglichst früh etwas essen. Es war noch keine 12 als ich dem Spießbraten über den Weg fuhr.
Konoba stand auf dem Haus daneben. Gegessen wurde in einem Waldstück von Männern, mit Oberarmen, die ihre SUVs gar nicht brauchten; so wie diese ausgebildet waren, konnten sie bestimmt super schnell Rollstuhl fahren.
Natürlich tranken die motorisierten Herren Bier, einige aber auch Schnaps.
Der Mann der das Fleisch herantrug meinte ich solle mindestens 300 gr Lammfleisch nehmen. Ich handelte ihn auf 200 gr, einen gemischten Salat und Brot, das auch extra geordert werden mußte und ein Glas Wasser herunter.
Das Fleisch war zäh, was ich aber voll o.k. finde. Wenn man nach dem Motto ißt, dass das Gemüseessen von den Schlachttieren besorgt wird, soll man es nicht ganz so leicht haben. Im Haus rumste dauernd ein Fleischbeil. Es schien nicht besonders scharf zu sein, oder es ging durch dicke Knochen, es klang nach Brechen, nicht nach Schneiden.
Mir fehlt viel vom Mitgefühl für beseelte Wesen; richtig wohl hatte ich mich in dem Ambiente dort aber nicht gefühlt. Sich an Fleisch satt zu essen halte ich eh für quatsch, aber erzähl das mal einem Inuit. Und die Rechnungen die da so aufgemacht werden….vielleicht hat der Carbonrahmen von meinem Fahrrad eine schlechtere Bilanz, als der nährende Teller Fleisch den ich da hatte. Vielleicht war das Schaf irgendwo herumgelaufen in der Nähe, bevor es in dem zweckmäßigen Grill gelandet war.

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Schotter


Ich witzel manchmal so dadwitzmäßig, ein Gravelbike sei ein Schotterrad. Udo Lindenberg hat es besser hingekriegt, mit seiner Muttersprache in seinem Ausdrucksspektrum. Aber Birnen sollen auch nicht mit Äpfeln verglichen werden.

Zumindestens waren viele Wege heute mehr als Gravel; so für VDM, Velo de Montagne eher. Pfade als Spurrille in denen die Tretlagerhöhe nicht ausreichte und die Pedale aufsetzten.
Einmal sogar bei langsamer Fahrt einen Umfaller gehabt, nicht schnell genug aus den Bindungspedalen gekommen.
Öfter mal geschoben dann. Aber schön war’s und einsam. Ein paar Mal brauchte ich Wasser. Mit der Fahrradklingel, einem kräftigen „Dober Dan“ und „Voda molim“ bekam ich, was ich wollte von super freundlichen Menschen in der dünn besiedelten Landschaft Ein Mann wollte mir unbedingt ein Glas Wein andrehen, seine Frau schämte sich fremd, erklärte ihn für bekloppt, tat in das eiskalte Wasser, das er aus dem Kühlschrank holte, etwas warmes, ich glaube sie meinte, das sei sonst ungesund.

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Kaštel Lukšic

Bin in Dalmatien zwischen Split und Trogir. „Trau“ steht auf der OSM Landkarte. Frag mich mit welcher Absicht diese Städtenamen dort untergebracht sind, die keiner von den Deutschsprachigen, die ich kenne, benutzt. So z.B. auch „Bastnach“ für Bastogne in Belgien oder „Altturn“ für Stara Tura in der Slovakei habe ich mal dort gelesen.

Der Tag, an dem ich mein Fahrrad durch Ancona geschoben habe, muß anstrengend gewesen sein; habe auf der Fähre bestimmt 8 h geschlafen, auf dem Boden im Poltrone Saal, so heißen die Schlafsessel, Poltrone. Sonst war es lustig da mit einer großen Gruppe ItalienerInnen in meinem Alter, die sich wie eine Jugendgruppe benahmen.

Eine besondere Art von Morgengrauen bildete sich rot am Dalamatinischen Horizont ab. Eine von den Inseln brannte. Ich glaube Brac oder Hvar, wo es auch laut Meldungen gebrannt haben soll. War zu benommen um das genau zu lokalisieren.

Versuche mich entlang der Küste nach noch Norden zu bewegen, mal sehen wie das klappt. Auf der Küstenstraße geht das nicht, zu gefährlich. Ich vertraue den Tracks von Naviki….was heute schon sehr abenteuerlich und lustig war.

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Il Francobollo, die Briefmarke

Früher…….gab’s Briefmarken in Italien an jeder Ecke. Jeder mit „Tabacchi“ gekennzeichnete Kiosk, wie in Frankreich die Tabakläden mit dem roten Kegel oder in Östereich der Trafikant, hatte Briefmarken.

Lohnt sich nicht mehr für die kleinen Läden. „Valori Bollati“ steht da immer noch drauf, ham se aber nicht, zumindestens, die Wertmarken von der Post nicht mehr.

Ich wollte aber eine Postkarte verschicken.

Ein Postamt gefunden. Eine Nummer gezogen. War wohl verständlich, was ich wollte, „Ma, per dove?“ Wohin? Sie tippt eine halbe Minute auf der Tastaur, verschwindet für anderthalb Minuten im Hinterraum, bringt ein selbstklebende Briefmarke mit, legt ein Papier in den Drucker, der eine Quittung über 3,30 € ausdruckt.

Bei dem Aufwand müßte das ja eigentlich viel teurer sein. Aber sende eine Postkarte aus Italien, ein wertiges Geschenk.

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Vorrei andare per Croazia

per che non

Gestern abend habe ich schon mal geschaut…
„Spalato“?, wo fahren die mit der Fähre hin?
Italienisch ist halt nicht weit weg vom Lateinischen und schon der gute Diokletian war ein Yugo aus Spalatum, das antike Split.
Aber Römer und Yugos gibt es ja nicht mehr, dafür Kroaten und Dalmatiner. Aber nicht alle haben Punkte. Ich könnte jetzt einen machen.
Habe aber 10 Stunden Zeit für die italienische Adria. Hatte ich immer gemieden. Vielleicht sehe ich etwas Schönes gleich.
Gestern abend war ich ganz nah am Bahnhof von Ancona untergebracht, bin nach den 8 h Nahverkehrszug noch da herum spaziert.
War schon befremdlich für mich. Es ist ein Ghetto dort. Menschen, sehr orientalisch und Häuser total runter gekommen. Fast keine Frauen unterwegs, nur lungernde Männer
So wird der Hass forciert. Und was wäre die Antwort des Marktes? Gentrifizierung. Sag mir keiner, dass Hass nicht käuflich ist. Ach Quatsch: Hass ist „Conditio Humana“.

Bin schon eingescheckt nach Split. Sitze gerade vor dem Schalter nach Igoumenitsa bzw. Patras in Griechenland. Da wollte ich eigentlich hin. Dafür fehlt aber die Zeit.

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In der Poebene

Der Nahverkehrszug mit einem riesigen Fahrradabteil rattert durch dichten Regen nach Bologna. Auf den, in diesem Sommer vertrockneten, mehr schlecht als recht abgeerntneten, Äckern steht das Wassser. Für die Landwirte muß das zum Heulen sein.

Zuletzt bin ich in den Neunzigern hier durch. Damals klingelten wie verrückt die Telefonini beendet von einem Pronto und einem lauten Gespräch, das von denselben Geräuschen umgeben war. Jetzt klingelt michts mehr; nur scheinen alle

in Selbstgespräche versunken, wie bei uns auch, mensch mit Knöpfen in den Ohren murmelt. Ich bin gespannt wie der Umstieg in Bologna wird.
Wie gesagt, die Fahrradabteile sind riesig, können platzsparend viele Fahrräder aufgehängt unterbringen. Höchstwahrscheinlich kriegen eBike Fahrer Probleme, wenn sie die Dinger da hoch hieven müssen.

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Bolzano / Bozen

„Ich nehme einen Gerstenkaffe und einen Apfelstrudel!“
Teutonischer geht’s nicht.
Interessant, wie hier die deutsche Sprache -schwarz, rot und gold- beflaggt wird. Schwarzrotgold war’s hier noch nie und überhaupt ist es witzig, wie die neuen deutschen Faschisten mit dem „Reichsbanner“ wedeln, wo doch schon mal eine gegen sie gewandte Organisation „Reichsbanner Schwarz, Rot, Gold“ hieß.
Aber die alten sind nicht die neuen Faschisten und die, die das Wort gebündet geboren haben, Mussolini & Co, waren keine deutschen Nationalsozialisten, obgleich sie vielleicht sozialistischer waren, wohl Mussolini, von der Herkunft her.

Verbrecher waren sie allemal. Warum werden sie nicht als Verbrecher kategorisiert? Auch wennn das Volk das Verbrechen wählt. Wird das Verbrechen erst Verbrechen, wenn es ausgeübt wird, ist es erst dann strafbar? Was ist mit der Anstiftung zu Straftaten? Das Verbrechen ist tief in der politischen Kultur verankert, wie z.B. an der politischen Verhinderung der Strafverfolgung von Wirtschafts- und Steuerdelikten gesehen wird. Und irgendwann bekommen dann die Verbrechen gegen die Menschlichkeit noch stärker Konjunktur. Das Verbrechen ist „conditio humana“ der zynischen Vertreter der „conditio humana“.

„Aber a schönesch Rad hascht da!“ sagte der Fahrradmechaniker, den ich um einen Drehmomentschlüssel bat, weil ich gestern an der Kettenblattkurbel, herumgeschraubt hatte und das Drehmoment überprüfen wollte. Er wollte sich um das Knacken kümmern, trotzdem ich um 12:30 auf die Bahn muß, nach Ancona, über Bologna.

„Danke. Aber dies Knacken wegzumachen, macht einen wahnsinnig.“
„Ich weiß.“ sagt der Mechaniker. Aber ich will diese Zugewandtheit nicht ausnutzen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das in seinen Zeitrahmen passt.

Gestern abend hatte ich fast nur Italienisch auf den Straßen gehört, jetzt wieder mehr Deutsch. Ständig will ich irgendwelche Essenzen aus dem germanisch-romanischen Konflikt ziehen, der sich z.B. in Figuren wie Louis Trenker kristalisiert. Wie verrückt ist das, dass Unmenschen wie Hitler und Mussolini sich ganz gegen ihre Ideologien über Südtirol einigen konnten.
Verbrecher sind eben unglaublich pragmatisch.

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Timmelsjoch

Gestern war ich oben. War anstrengend und habe öfter Pausen gemacht. Der Gegenwind von Süden war erst schön als es wieder runter ging, da brauchte ich nicht so viel zu bremsen. Die Pausen ließen mich diese gewaltigen Rampen auf den letzten 500 Hm realisieren. Das Fiese an dem Pass ist, dass es nach der Mautstelle noch mal über 100 Hm bergab geht.

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Sölden

Auf dem Weg nach Sölden war der Radweg gesperrt und ich musste auf der Landstraße fahren. Da war’s zu spüren. Milde konstante Steigung, kein Auf-und Ab, zusätzlich wird mensch auch noch vom Autoverkehr getrieben, der aber schwächer war als gestern im unteren Tal. Auf der Landstraße bist Du also viel schneller, aber auch vielleicht viel toter.
Mal sehen wie es weiter geht. Je steiler es wird, um so brutaler werden die Ausweichstrecken für das Fahrrad. Aber ich glaube, dass beim eigentlichen Pass der Weg für die wie auch immer oder gar nicht Motorisierten gleich ist.
Schattig war’s heute morgen, die Sonne ging erst richtig um 10 Uhr in Sölden auf. Aber das gibt es in den Alpen ja oft, Täler, wo die Sonne nie hinkommt.

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Naturcamping

Ziemlich luxuriös, ca 14 km vor Sölden, Huben heißt der Ort. Bin im oberen Ötztal, ist nicht mehr weit zur Hochalpenstraße Timmelsjoch. Die letzten Male, also in den 90zigern, meine ich auf der großen Straße gefahren zu sein. Das ist heute undenkbar, der Autoverkehr ist sehr intensiv. Jetzt gibt es einen Radweg, mit öfter mal Schotter, viel um die Ecken herum, stärkeren Steigungen als auf der Straße, die die Autos für sich haben. Der Radweg ist 6 km länger. So geht das: Die Schwächeren bekommen die anstrengender Strecke. Blechsozialdarwinismus.
So sind die Wege aber auch schöner, nahe an der reißenden Ötz, durch die Dörfer, und ich bin ja ein Held….. vielleicht morgen nicht mehr, vielleicht gar nicht, mit den 100 km von Garmisch hierüber.
Unten Fotos. Das erste ist zwischen Garmisch und Mittenwald entstanden. Wollte ja eigentlich in Mittenwald starten, aber wegen Gleisrenovierung fährt der Zug z.Zt. nicht.

Leutasch

An der Oetz

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