…and if it’s raining?

„If it’s raining, it’s raining.“, war meine heldenhafte Antwort, auf die Frage , was ich radfahrend bei Regen machen würde, an die beiden jungen Französinen aus Gap, die sich wunderten, dass ich wußte, wo Gap ist.
„Da an der Straße von Grenoble nach Sisteron, „Route Napoleon“…..aber sie konnten nicht richtig ehrfürchtig sein. Höchst wahrscheinlich hatte es damit zu tun, dass ich dieses Altherrenselbstverständnis von wegen „jibt nicht das falsche Wetter, nur die falsche Kleidung“ zu sehr raus hängen ließ. Und eigentlich kann ich froh sein: Einer, der gern Ehrfurcht hätte, sollte sie nicht kriegen.

Hier auf dem Campingplatz stehen die kleinen Zelte vom Nachtregen nass herum. Die meisten Insassen sind auch noch nicht aufgestanden. Aber die junge, wandernde Bretonin hat ihr feuchtes Zelt längst verpackt, ist seit über einer halben Stunde los gewandert.

„Bon Courage!“ kannte ich noch „a toi aussie!“ Klang es noch durch die aufgestoßene Tür der Campingplatz Küche zurück.

Aber der wasserfeste, rüstige 60ziger hält sich an seiner Teetasse fest und hat nicht so richtig Bock auf zu brechen.

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Killarney National Park

Am meisten hat mich heute eine Familie aus dem Schwäbischen begeistert. Die Eltern und zwei heranwachsende Söhne mit Rucksack, Zelten und den Öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Und sie sahen überhaupt nicht zu kurz gekommen aus.
Und dieselbe andere Weltsicht wie bei mir: In den Reiseführern sei immer fest gelegt, dass man mit dem Auto wohin müsse. Geht aber auch mit Öffis. Oder gestern beim Fahrradverleih sollte für eine bestimmte Distanz nur ein eBike zu leihen sein….als um mehr als 5 km ging, die Familienoberhäuptin echauffierte sich regelrecht, wie faul und bekloppt das sei. Herrlich erfrischend.

Der Park ist zu Anfang ein Park im Sinne einer Anlage, wird dann aber in Richtung des „Upper Lake“ immer natürlicher. Dorthin kommt man aber nur auf der Straßeauf Wanderpfaden oder mit dem Boot. Allerdings ist die Verbindung zwischen den beiden Seen, ein schlanker, ich glaube, natürlicher Kanal, zur Zeit mit einem äußerst niedrigen Wasserstand versehen, so dass die Touristen mit roten Schwimmwesten diesen Kanal zu Fuss an Land abschreiten müssen, um dann am unteren See wieder aufgenommen werden zu können.
Ich glaube selbst einmal durch diese Verbindung mit einem kleinen Boot im Jahre 1989 gebracht worden zu sein, ohne Aussteigen.

Zur Zeit aber: Ein Bootsmann, der seinen Außenborder vollkommen hochgeklappt hatte und wie ein Gondoliere sein Boot durch den Kanal staakte, meinte: „We need rain.“ und dann entschuldigend zu seiner Kundschaft „but not today.“

Ich hatte mir das alles nur angeschaut und bin bis zum Anfang des kleineren, oberen Sees mit dem Fahrrad, auf einem Stück „Ring of Kerry“ gefahren….der übliche KFZ Trubel halt.

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Killarney

In Doolin machte mich, als ein junger Mann „behind the bar“ mir die alkoholfreien Biere erklären wollte, einer vor der Bar auf Guinness Zero aufmerksam. Jetzt werden die Zechen noch teurer als früher. Das Zeug ist genauso süffig wie richtiges Guinness, aber es knockt halt nicht aus und abends hole ich das im Trinken wieder nach, was ich auf dem Fahrrad auslasse.

Bin im O Connors, den Pub hatte mir ein Mann an der Campingplatz Rezeption ungefragt empfohlen. Da würde tolle Live
Musik gespielt. Als ich reinkam wurde gerade „Whiskey in the Jar“ gegrölt.

Kilaerny ist auch so eine Partymeile, aber ich scheine hier wirklich einen Pub erwischt zu haben, wo sich fast nur Einheimische treffen, kann mich aber auch vertun.

Habe mich wenig über Auto-Verkehr in der letzten Zeit beschwert. Hatte aber auch super Straßen, mit sehr wenig motorisiertem Verkehr.

Das einzige Problem sind die Steigungen oder das viel problematischere, das Gefälle. Neue Bremsschuhe, die ich gerade erst ausgetauscht hatte, sind höchst wahrscheinlich nach dem Urlaub angezeigt.
Für Rennradfahrer könnten die Straßen ganz interessant sein, gutes Training ggfs. zum Schnellwerden, mit Schwung immer noch die nächste Kuppe bekommen. Allerdings ist es auch so gefährlich, weil wenig übersichtlich, trotzdem die Straßen oft schnurgerade bergab gehen, zu eng und der Asphalt ist oft auch in sehr schlechtem Zustand.

Nach dem ersten Kilometer aus Listowel hinaus, durfte ich zwei heftig bergauf mit öfter 12% Steigung das Gepäck den Berg hochdrücken; ist wie so ein Treffen mit einem Menschen, den man lieber nicht sieht. Augen zu, so dass es keiner sieht, und durch.

Dann wurde Heinrich Böll rehabilitiert. Die Straße gehörte der Kuh, aber nicht so, „wie man die Kinder zur Schule schickt“, sondern eher im Laufstall.

Neulich hatte ich einen Furz gelassen, die Iren könnten ruhig ein wenig aufforsten: Auf den Kerryhügel sah ich ziemlich viel Fichten, alle schön grün. Höchst wahrscheinlich gab es hier keinen Borkenkäfer, vielleicht weil immer noch genug Feuchtigkeit.

Die Straßen, wie beschrieben, imponierten mir; deshalb einige Fotos oben.

Dann begegnete ich noch dem Denkmal eines Heiratvermittlers. Ich schaute das Wort „Matchmaker“ extra noch mal nach.

Im „Kilaerny National Park“ war ich noch nicht. Aber höchstwahrscheinlich verlängere ich morgen.

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Listowel

Ein Präsident des Irischen Pen Clubs hatte hier seinen eigenen Pub.
Wer nix wird, wird Schriftsteller.
War Zufall, die Entdeckung, ich wußte von nix. Und dann haben im Pub „John B. Keane“, Listowel, Co Kerry drei Jugendliche mit Knopfakkordeon, Harfe und Banjo, den ganzen Abend richtig gut Musik gemacht.

Das hatte ich mir so nicht vorgestellt. Klasse!

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German Sehnsucht

Ich sitze ganz nett in Irland am Meer
Im Westen auf ’ner Klippe
Dann kommt nix mehr
Außer Wasser und ich frag mich
Was führt mich hierher?
An die felsige Küste von Clare

Refrain
Die Sehnsucht treibt mich dazu, dass ich’s tu
In Clare wäre es fair, gäb sie endlich Ruh‘
Enttäuschung ist, wenn der Nebel verraucht
Dass das Selbst nicht länger zu täuschen sich braucht.

Ist es wirklich ein Ziel, das mich treibt
Oder Wissen, dass nichts ist, was da bleibt
Oder ist es die Liebe zum Reel und zum Jig
Ich wart‘ auf Erkenntnis, wann macht’s endlich Klick

Refrain

Ein Liebeserklär an Clare jetzt zu geben
Das fiele mir schwer und wäre auch daneben
Den Zauber zu jagen, war immer schon dumm
So häng‘ ohne Klagen ich weiter hier rum

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Doolin

Ist das Urlaub? Habe heute nichts gemacht, als zu essen, mit Leuten zu quatschen, ein bisschen zu lesen und aufs Meer zu schauen.

Ach ja und den Schlauch vom Laufrad vorne mußte ich tauschen. Der alte war Patchwork und unter einem Flicken trat Luft aus; hab ich schon lange nicht mehr erlebt, aber dann wird’s Zeit sich zu trennen. Selbstverständlich hatte ich einen Ersatzschlauch dabei, aber, wenn der verbraucht ist, muß ein neuer her.
Der Fahrradverleih hat auch Ersatzteile und der Inhaber und ich ein längeres Gespräch. Als es an’s Bezahlen ging, meinte er, dass er noch rechnen müsse. Was man denn in Deutschland für so’n Schlauch bezahlt. Er grinste und ich gab ihm den abgezählten Betrag des Listenpreis für einen Schwalbeschlauch daheim. Er grinste noch mehr.

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Von Galway nach Doolin

Unglaublich entspanntes Radeln. Als ich das Ende im Osten vom Galway Bay erreicht hatte, ging’s fast nur auf kleinen Straßen ziemlich und später durch die „Burrens“ fast komplett autofrei, zwar anstrengend an Steigungen aber 100 mal besser als einer ewig pulsierenden Autodruckwelle ausgesetzt zu sein.

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C’est la vie!

Es muß doch hier in Galway Viertel geben, so etwas wie kleine Kieze, ursprüngliche Dörfer, irgendetwas, wo Menschen beieinander sitzen, Tee oder Bier trinken und was anderes tun als Autofahren oder Arbeiten.

Ich bin ein paar Kilometer herum gefahren, aber ich finde nichts. Nur Wohneinheiten, Handels- und Industriegebiete. Das einzig Urbane ist die überquellende Altstadt.

Irgendwann habe ich mich dann ins „Terryland“ begeben. Blechfassade an Blechfassade, mit Infrastruktur wie Schönheitschirurgie, Personaltraining, was ist „Serenity Hub“?….. Gelassenheitszentrum…..Schuhladen, Obst & Gemüse, Möbel u.v.a.

und das Café. Wie überall hat die Siebträgerkaffeemaschine, den Tee ziemlich verdrängt. Es gibt ihn trotzdem, aber nirgendwo mehr, so stark und abgestanden aus der Riesenkanne, dass mensch ihn wirklich nur mit Milch trinken kann.
Die Menschen sitzen, unterhalten sich im Wimmern der Klimaanlage und dem Rauschen des angrenzenden „Car Wash“, urban ist das nicht, c’est la vie.

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Friedhofsruhe

Auf Friedhöfen ist es ja eigentlich still. Die Totenruhe muss gewahrt bleiben. In Galway fahren die Menschen zur Grabpflege mit den Autos bis vor’s Grab. Haben sie vielleicht von ihren amerikanischen Verwandten.

Die Ruhestätten aber sind teilweise optisch und auch vom Informationsgehalt her sehr laut.
In Reimen werden Lebensläufe beschrieben, woodomäßig liegen Gegenstände oder Spielzeug als Grabbeilagen auf den großen Gruften, Konterfeis sind lebensgroß in den Stein geäzt. In meinem Heimatort kenne ich solche Ausstattung nur von berühmten Sintigräbern.

Fotos davon will ich hier nicht zeigen. Ich hoffe auch, dass nicht zuviel Arroganz darüber von mir laut wird.

Was dem Friedhof meiner Meinung nach wirklich fehlt sind Bäume, angesichts der Klima-Krise sind das sowieso zu wenig auf der Insel an sich und dieser Friedhof hatte nichts von der „schattigen Ruh“, die ich von Friedhöfen kenne.

An einem Grab habe ich einen Heiligen kennen gelernt:

Aus Wikipedia
Der hl. Martin von Porres ist Schutzpatron des Pflegepersonals, der sozialen Gerechtigkeit, der Friseure und der Laienbrüder. Er wird bei Ratten- und Mäuseplagen angerufen. In der Ikonografie wird er meist im Habit der Dominikaner mit Kreuz, Rosenkranz und einem Besen dargestellt.

Ein Heiliger mit einem Besen.
Ich glaube das Bild kann hier gezeigt werden.

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Galway Bay

Der Campingplatz liegt direkt am Galway Bay raus Richtung Westen, noch hinter der Vergnügungsmeile „Salt Hill“ mit einem Riesenrad, Zuckerbuden und Karussells.

„And the boys of the NYPD Choir were singing ‚Galway Bay'“. Es gibt übrigens wirklich eine Aufnahme von New Yorker Polizisten, die das auch von Bing Crosby interpretierte Lied, gemäß „fairytale of New York“ singen. (Gibt’s auf YouTube)
Aber dieser Chor wurde durch McGowan inspiriert.

Und ich mache gerade meine ersten Erfahrungen mit Drogen, jetzt, wo ich doch zu Saufen aufgehört habe, und mich kein sonst so „cremiges“ Guinness zurückgewinnen kann. Ich mußte dringend auf’s Klo und habe ohne zu gucken einen „CBD Bud & Hash“ Laden angesteuert, der wie ein Café aussah.
Tee hätten sie nur mit Hanf. Ob da THC drin wäre. Nö, das müssen man dann anders machen. Ich habe den Tee dann ohne das „Andere“ genommen. Soweit meine Drogenerfahrungen.

Irisch ist hier „Language No 1“ trotz der Internationalität der Stadt. Hier Geht’s um Wasser im Bürgersteig, Whiskey leitet sich von dem Wort ab

Die Stadt ist super erfrischend bunt, all die „Vögel“ hier können nur eingeflogen sein. Zwischen Dublin und hier war nichts davon zu sehen. Viele offensichtliche LGBT und auch sonst scheinen Menschen aus aller Welt, nicht nur als Touristen hier zu sein. Die High Street ist eine einzige Vergnügungsmeile.

Die Verkaufsgespräche hier im Shop-Café Hintergrund klingen irgendwie elitär, wie aus einem Fachhandel für feine Weine und ebenso teuer.

Ich habe meinen Frieden mit bzw. Spaß an dieser geschäftigen Stadt, mit den vielen, verschiedenen unlimitierten Straßenmusikern. Gestern hörte ich sogar livemusic in einem Pub, mit einem Mandolinen Spieler, der immer alle vier oder acht Saiten, in Akkorden klingen ließ, dabei Melodien spielte, sang, für mich unglaublich konzertant. Mit seinen beiden anderen Musikant*innen, ging’s quer durch Folk und Pop, Geige, Gitarre noch dazu; angelockt hatte mich der Song „Pair of brown eyes“, von wem…..?

Wegen so etwas bin ich hierhin gekommen. Die spielen dermaßen musikantisch, ohne dieses „entdeckt werden zu wollen“ einfach so, weil es Spaß macht.

Laufe weiter durch die Stadt, gespannt, was der Tag noch bringt.

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