Plympton 16.7. 10:00

Schreibmaschine

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Das Foto zeigt, dass die Texterstellung nicht gerade besonders einfach ist. Ich bitte deshalb, die von uns mühevoll erstellten Schriften dementsprechend zu würdigen:

Auf den Campingplätzen hat man oft Schilder dieser Art. Immer wieder wird in ausführlicher, alles bedenkender Sprache hingewiesen. So sitze ich hier, in diesem sauberen (auf das ich wirkliche stehe), gepflegten Ambiente des Campingplatz „Riverside“ 4 Meilen von der Fähre nach Spanien entfernt und habe noch über 24 Stunden Zeit, um pünktlich am Kai zu sein.
Das war noch eine harte Fahrt gestern. Kann nun mal wirklich behaupten, schon viel mit dem Fahrrad in Europa herumgekommen zu sein, aber eine derartige Häufung von Höhen und Tälern, dermaßen steil, habe ich noch nicht erlebt. Der Weg von Exeter, an der Aussenseite des Dartmoor entlang war noch wesentlich anspruchsvoller, als der zuvor beschriebene. Insgesamt waren es 2500 Höhenmeter auf 120 km. Zwei Beinahe Kollisionen hätte es auch gegeben, obgleich ich aus den neuen Scheibenbremsen wirklich alles rausgeholt hab, was ging und sehr langsam bergab, bzw. versucht habe das Runterfallen zu entschleunigen.
Die Strassen haben meistens nur die Breite von einem PKW und sind von Hecken so eingerahmt, dass man immer nur Nebelsichtweite hat. Plötzlich stand z.B. ein PKW vor mir der bergauf viel zu schnell fuhr und und meine Bereifung schmierte schon ganz schön über den Schotter, als ich so richtig die Bremshebel betätigen mußte. Dann war es dann an dem Autofahrer rückwärts durch den Heckentunnel bergab zu fahren, um nach ca. 300 Metern eine Stelle zu finden, wo das Fahrrad am Auto vorbeikam. Unglaublich.
Oder einmal erschreckte ich zwei Reiter, als ich bergab kam und das eine Pferd ging sogar leicht auf die Hinterbeine. Jeder der mich kennt, weiß, wie moderat ich bergab fahre und den Spruch, dass Geschwindkeit stabilsiert, kann man wirklich bei diesen „Downhills“ vergessen.
Aber was für eine Vegetation! Alles, ausser dem auch nicht so oft vorkommenden Fingerhut ist größer als bei uns, und viele Pflanzen, sehr viele, kennt man gar nicht aus Deutschland. Ehrlich gesagt, muß der „Innere Klugscheisser“ zugeben, dass er sich mit Vegetation nicht wirklich auskennt. Allerdings konnte ich in einer Hecke Kirschlorbeer, Esche, Hasel, eine eichenblättrige Art ausmachen.

Am Rande des Daartmoor

Am Rande des Daartmoor


Am Rand des Dartmoors wurde durch mannigfaltige Schilder darauf hingewiesen, dass man ein bestimmtes Stück Wald nicht betreten solle, dass als „Euro-Forrest“ benannt war. Hm 🙂
Jetzt ist es schon 10:20 und ich habe mir schon den dritten Mug Tee aufgegossen, jeweils mit zwei PG Tips. Es gibt noch ein paar Sachen zu tun: Brauche Spiritus für den Kocher, Seife für die Klamotten und mich (habe sie im letzten B&B vergessen), die Bremsen vom Fahrrad müssen kontrolliert werden……
Ach was für ein furchtbarer Stress….ach, wie mach ich das alles nur. Darling, könntest Du vielleicht…….
Nun, ich kann nur von mir sprechen; aber ich glaube stark……und es ist nicht der Begriff Selbständigkeit, weil der Blödsinn ist; keiner ist auf andere so angewiesen, wie ein ökonomisch sogennanter Selbständiger, was täte er ohne seine Kunden und Auftraggeber? Die Konfrontation mit sich selbst führt zur Wertschätzung……, was auch wieder ein total beknackter Begriff ist, weil Menschen keinen Wert haben. Wert ist vergleichbar und relativ und das sind Menschen in einer humanistischen Sicht nicht. Menschen haben Würde. (Für diesen Begriff in unserem Grundgesetz liebe ich Deutschland, fast nur dafür) Sie sind einzigartig. Es ist bezeichnend, dass „wertschätzend“ diesen Eingang in die Sprache gefunden hat; es impliziert immer wieder das eigentlich Ökonomische, die eigentlich Ungleichheit. Und bezeichnend ist auch, dass dieses Wort sehr stark von vielen „sozial“ eingestellten in den Mund genommen wird.
Das allein sein, das „on your one“, ist wahrer Humanismus. Er soll dahin führen, in dem anderen nie das Instrument zu sich selbst zu suchen. Weil es das verfickte „Selbst“ eigentlich gar nicht gibt.
Mag aber auch sein, dass ich selber (was es eigentlich gar nicht gibt) noch nicht fähig bin zu wahrem Gefährtentum: das Nebeneinander freier Geister in einem Konsens gemeinsamer Interessen, das Wachstum zu läßt……Mr. Speaker…….ich habe immer die Eigenart die Darstellungen meiner Fahrradtouren in eigenartigen Versuchen utopischer Art gipfeln zu lassen. Ich bitte das zu entschuldigen.
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Exeter 15.7. 13:44

„The Plant Cafe“. Jetzt bin ich in einem vegetarischen Cafe gelandet, direkt vor der Kathedrale in Exeter. Gestern Morgen wollte ich schon gestern Abend hier sein. Gestern aber war der der 7. Tag, war er nicht?

Jpeg

Jpeg


Immer wieder eine Mischung zwischen Slapstick und Verzweiflung, eigentlich geil, nur blöd, wenn ich selber der Hauptdarsteller bin, ach doch, toll.

Sehr witzig z.B. war, wie ich mit meinem Fahrrad über einen Golfplatz, nachher auch geschoben, bin. Man hatte die wichtige Grünfläche so installiert, dass ich die Wahl hatte entweder auf einer viespurigen B-Road ohne Standstreifen, oder einen riesigen Umweg oder eben über den Golfplatz zu fahren. Die Herrschaften dort waren alle sehr nett, meinte einfach, wenn einer mich stoppen würde, sollte ich erzählen, ich hätte mich verlaufen, was einem auf einem Golfplatz auch wirklich leicht passieren kann. Und es war auch nicht schwer, das Gelände wieder zu verlassen, kein erregter Platzwart nur ein paar belustigte Yuppies mit der Frage „Are you lost?“
Trotzdem, ein Radweg über den verfickten Golfplatz würde mein klassenkämpferisches Bewusstsein, wieder etwas stärker für dieses Land der Public Libraries und vielen Behindertentoiletten klopfen lassen; glaube aber, dass soweit nie die Liebe gehen könnte, einen Radweg über dieses Grün zu bauen.
Kurzdrauf viel (unglaublich fiel mit v, was für ein Wahnsinn?) der Navi aus. Er hatte keinen Bock mehr. Ihm gefiel die Stromregelung aus dem Busch und Müller Scheinwerfer „Luxos“ nicht, absolut nicht mehr. Beide Geräte sind dermaßen mit Steuerungselektronik vollgestopft, dass ich den Strom vom Dynamo, über den Scheinwerfer erst in einen Akku laden muß, der dann wieder den Akku vom Garmin lädt.
Gegen Abend taute der totgeweihte Navi dann wieder mit ein wenig Netzstrom wieder auf, er hatte sich beruhigt und ich freute mich heimlich einen ähnlich launischen Mitfahrer zu haben wie mich selber. Es ist unmenschlich von der Technik zu verlangen, dass sie funktioniert; im Ernst, zu mindest dann, wenn man davon so wenig Ahnung hat wie ich.
Und all das lenkt mich von der wundervollen Landschaft ab, von der man fast nichts sieht, weil man dauernd durch Heckentunnels fährt.

Eine sehr milde, typische Devon Road, sonst steiler und schmaler

Eine sehr milde, typische Devon Road, sonst steiler und schmaler


Der Herr vom Campingplatz in Oxford, der mir die Skizze mit dem „TARKA Trail“ gezeichnet hatte, hatte mir wohl richtig geraten; es wäre geschmeidiger zu gewesen, zuerst zur Nordküste von Oxford aus zu fahren und dann mehr oder weniger durch’s Dartmoor direkt nach Süden, nach Plymouth zu „stossen“.
Er warnte mich vor den engen Tälern und steilen Strassen hier in Devon und die sind wirklich gewaltig:
Zwar nicht besonders lang, aber so steil, dass jedes bergauf, dem bergab vor zuziehen ist.
Aber im Wiltshire, Sommerset usw. war’s auch sehr schön, besonders der erste Tag nach Oxford; ein Tag voller Radelgenuß, eine autofreie Dusche.
Abends kam ich an einem „White Horse“ vorbei, an dem Mau und ich 1989 mit Hollandrädern, Dreigangschaltung, abgeschnittenen Jeans, Kochtopf, Spiritusflasche un -kocher etc. auf dem Weg nach Westirland vorbeigeradelt sind. Das Horse, ein sogenanntes Scharrbild, ein riesiges in eine Hügelwand gearbeitetes Relief, lag in demselben goldenen Abendlicht in der Kornfeldlandschaft wie vor ziemlich exakt 27 Jahren. „Dass ich das noch erleben darf!“ Das war ja auch der Spruch des Jahres in diesem 1989. In einem Pub fragten mich zwei alte Männer auf dieser Reise ob ich aus West- oder East Germany käme, da war die Berliner Mauer aber noch scheinbar sehr standfest.
Nein, bin nicht sentimental, kann so etwas nur einfach nicht vergessen. Ausserdem ist es immer wieder interessant, wann Leute von einem verlangen hier und jetzt zu sein, und wann sie selber anfangen zu historisieren; aber das ist ein anderes Thema oder…?
Gleichwohl war es wieder schön, mit Menschen zu tun zu haben, als der Navi seinen Geist für den Tag in Yeoville aufgegeben hatte. Zuerst mußte ich mir eine schnöde Strassenkarte kaufen. Die Buchhändlerin führte mich zu einem Regal und ließ mich da stehen. Fand eine Karte die ca. 12 km nach meinem Standort began, keine vernünftige für davor…..es gab zwar excellente topografische Karten, aber war alles nicht sinnvoll. Zum Einkaufen in der zweiten Etage, durfte ich mein Fahrrad unten in der Buchhandlung stehen lassen.
Ich mutmaßte den Weg nach Crewkerne anhand der Sonne, bis ich einen Herrn auf einem Cervelo S2 traf: „Nice bike!“ Ja, er hatte den Aluminiumvorgägner, aber Rahmenbruch und wegen Garantie, hat er jetzt nen Karbonrad.
Weg nach Crewkerne, klar; diesmal ging es weniger visuell zu, er wollte mir den Weg in ganzen Sätzen aufschreiben…..wir erarbeiteten gemeinsam ein Papier, mit dem ich beruhigt in meine neue Karte hineinfahren konnte.

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15.7 20:0020 km vor Plymouth

Jpeg

Jpeg

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14. Juli 12:00 Maiden Bradley ca100 km nordöstlich von Exeter

Hier gibtˋs sogar einen „Village Shop“. Aber keinen Handy Empfang. Wiltshire. Die Route hat mich in die Gegend geführt, die Route von Naviki. Der Weg hat allerdings nichts mehr mit Alltagsradeln zu tun.
Hatte die Route schon gestern einmal für 25 km verlassen und dann in Westbury geschlafen, um hinter Warminster wieder auf den Trail zu kommen.
Herje. Das ging noch. MTB Single Trails, mit 30ssiger Reifen, ungefedert und Gepäck, aber irgendwann wurd es unmöglich.
Eine Kuhherde hatte mich zu einem Stacheldratzaun hin umzingelt, vorher richtig verfolgt, wie eine Hundemeute. Dann übern Zaun und das Rad samt Gepäck im Stad drüber gehoben und alles verflucht.
Mußte aber auch lachen, weil mich die Kühe so schön umstellt hatten. Vielleicht wollten die ja auch nur spielen. Der Bulle, ein mächtiger schwarzer, ich glaube Angus Bulle, zwischen den jungen holsteinischen Dingern, hatte auch gar kein Interesse an mir sondern besprang die wachenden Kühe einfach von hinten. Trotzdem Sense.

Wachkühe

Wachkühe


Ich verlasse den Track.
Aber es ist mir unbegreiflich , wie Naviki sich das als Fahrradweg unter der Rubrik „Alltag“ zusammenrechnen konnte (Naviki ist ein Portal für Radroutenplanung) Vielleicht waren die Infos einfach falsch, die irgendwelche Leute hochgeladen haben. Letztes Jahr in Polen, der Slovakei und Tschechien waren auch ein paar Gags dabei, aber nicht so verheerend wie hier.
Es gibt ja nicht den Anspruch, dass es funktionieren muß….Allerdings habe ich nicht soviel Lust mich selbst in die Routenplanung hinein zu versetzen, man hat dann keine Zeit mehr zum Radfahren.
Mit der Vektorkarte vom Navigator ist es ziemlich schwierig sich durch zu wurschteln. Man sieht nie, wie bei einer analogen Karte alles auf einmal…..

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Oxford 13.7 11:25

Fast noch nix gefahren. Beim YMCA gibt´s endlich ordentliches Internet und vorher, Zelt abbauen, Fahrrad packen etc. das ist schlimmer als Schminken.
Heute werde ich bestimmt wieder nass und vielleicht trage ich wieder recht vorteilhaft, die guten, handgestrickten, aus den Fahrradsandalen quellenden, Wollsocken.

Ein Herr am Campingplatz war so nett mir einen Cyclepath zu empfehlen, der wohl quer durch´s Dartmoor geht und TARKA Trail heißt. TARKA ist ein Buchtitel, geht um einen Otter…..und wie so oft hier die Menschen Wege erklären, hat er mir eine kleine Sizze in mein Notizbuch gezeichnet….(der Zipfel Land ist Cornwall, bzw. Devon und das P steht für Plymouth)

Sketch

Sketch

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Leavin’London

Den Regen abwarten

Den Regen abwarten


Wird schon wieder heller. Bin irgendwo im Nordwesten von London, noch innerhalb des großen Autobahnrings, aber schon 40 km seit Greenwich gefahren.
Die Wettervorhersage gestern im Fernsehen war mit „Another Showerday“ überschrieben und gerade habe ich mir den zweiten Tee bestellt, bzw. an der Bar abgeholt, als es endlich wieder aufklart. Eben hat’s einen Schauer gegeben, der mit englischen Regen gar nichts mehr zu tun hatte. Viel zu nass.
Aber es geht, gibt ja nichts, das eine gute Tasse Tee nicht richten könnte.

Jetzt haut gerade ein alter mit Pudelmütze, Kippe im Mund, Pint in der Hand, dazwischen: Na, fährst Du für Sky Channel? Er sieht nach viel Schalk aus, der Alte, aber ich verstehe fast nix.
Komme schon wieder nicht ins Internet, obgleich es hier als „free wifi“ angezeigt ist. Geht einfach nicht, habe auch schon an der Bar gefragt wie es kommt, geht nicht.
Mann, bin ich abhängig von dem Scheiß. Wie kann ich jetzt genau gucken, wo ich bin? Mit dem Navi natürlich. Aber ich muß doch nach meinen Freunden auf facebook gucken. Quatsch. Ich muß nachschauen, was hier mit der englischen Politik los ist; Cameron scheint seinen Abschied zu nehmen „will offer his resignation to the Queen tomorrow“.
Eben bin ich am Big Ben vorbei und der Weg nach Oxford geht sogar über Buckingham Palace. Die Guards hatten keine Bärenfellmützen auf, die Touristen aber Fotoaparate.

Die Niederländische Botschaft hat die Europafahne gehisst

Die Niederländische Botschaft hat die Europafahne gehisst


Sitzt rum wie Abraham heißt aber Albert

Sitzt rum wie Abraham heißt aber Albert


Reinfahrend wollte ich ein Loblied auf das Engagement für den Fahrradverkehr hier singen. Coole Biker, deren Räder stärkere Statussymbole als die sie umgebenden Autos darstellen mögen, viele mit Rennlenker, setzen den heißen Reifen, den ihre Verkenrsgenossen mit schnöden Autos auf die Strasse bringen , mit Muskelkraft fort.
cool

cool


nicht so cool

nicht so cool


Aber auch für die Schisser gibt es ne Menge Radwege. Beim Rausfahren Richtung Nordwesten hatte ich dann wieder ne Menge Autolärm, hochtourig fahrender Wagen um die Ohren, mußte mit dem Rad durch Ubahnschächte, war wieder nervig…..aber seit den 1990 Jahren, als ich das erste Mal durch London mit dem Rad bin, hat sich ne Menge getan.
Der Regen ist vorbei. Here we go.

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Irgendwie….

klappt das mit dem Frühstück nicht und der Kellner ist ganz verwundert, dass ich keins bekommen hab, verschwand in der Küche, ist wieder da, erklärt aber nichts……
„I want to become breakfast!“ Dann kann ich mich selber aufessen.

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London 12.7

Der Weg vom 11.7

Der Weg vom 11.7

heute nur Bilder

Grad in Dover  10.7

Grad in Dover 10.7

Jpeg

Jpeg

Heckentunnel

Heckentunnel

Teatime

Teatime

Geht grad noch

Geht grad noch

Cycleway No 1

Cycleway No 1

Offiziell oder Graffiti

Offiziell oder Graffiti

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Rochester 11.7 15:30 Greenwich

Zum letzten Kommentar: Sir Michael Caine, heisst der, ist wirklich ein Ritter, der Schauspieler.
Mein Fahrrad ist drüben auf der anderen Seite.

Jpeg

Jpeg

Fieldmarshall Montgomery bewacht es

Jpeg

Jpeg


Ansonsten ist es einfach Scheisse mit dem Netz und dem Handy. Stürzt alles dauernd ab…….vielleicht demnächst mehr, erstmal nach London.

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Over and Dover

Bin gerade auf der Fähre von Calais nach Dover, aber das Unmittelbare ist hier nicht möglich: Kein Internet.
Wo fang ich an? Gestern? Gestern habe ich mich zwar gemeldet, aber da waren keine Erfolgsmeldungen dabei, keine Leistungsanzeigen, nix von all dem.
Schon wieder waren es über 190 km, genau 192, von Leuven bis nach Dünkirchen bzw. von Löwen bis nach Dunkerque, ganz wie man es will, ganz so wie es korrekt erscheinen mag.
Und da ist auch schon jemand, den ich immer wieder auf der Tour antreffe: Meinen inneren Klugscheißer. Der innere Klugscheißer ist hierarchisch über dem inneren Schweinehung anzusiedeln, im Grunde hat er den inneren Schweinehund erfunden.
Egal. Doch, doch nicht egal.
Nach Gent, diese verdammt schönen, fast schon zu schön scheinenden, kullissenhafte Stadt, gings nicht, mehr auf Nationalstrassen flandrisch rauf und runter, sondern flach auf kleinen, ständig meandrierenden Sträßchen, herrlich durch die Flachlandschaft.

Jpeg

Jpeg


Wo der Kugscheißer ist? Im „Meandrieren“. Das Wort wird von einem Fluss hergeleitet, der sich besonders stark durch die Landschaft geschlängelt hat und ist so als Begriff in die Limnologie eingegegangen. Limnologie? Ha, Flusskunde…..Ha Ballaballa. Wie ich drauf komme? Neulich sagte ein Kunde zu mir am Telefon zwecks Terminvereinbarung, er würde noch ein wenig „durch die Gegend“ meandrieren. Er ist Mathematiker und ich wüßte gerne, welche Nuance dieser Begriff bei ihm hat.
Das Wort aber blockierte meine ganze Wahrnehmung, während ich mich herrlich durchs Flachland schlängelte.

In dieser Landschaft mußte ich mir etwas zu Essen besorgen, schob mein Rad in einen Supermarkt und die Kassiererin, wehrte mich zuerst ab, sah aber mein sorgenvolles „oh mein Fahrrad“ und erlaubte mir das Rad vorne an der Kasse abzustellen.
Ob ich allein unterwegs sei, von wo ich komme usw. Und ich? Muffig. Warum? Es war das unausgesprochene „Allein geht gaarnich“, was sie aber höchstwahrscheinlich gar nicht meinte. Ich sage zwar, dass man in Europa überall nette Leute trifft, aber das mit einer Hackfresse und die war noch so superfreunlich gewesen….Irgendwann bekam ich die Kurve. Ich persönlich stehe auf auftauende Muffköpfe, trotzdem tuts mir leid, ihre Freundlichkeit anfänglich so gewechselt zu haben.
Der innere Klugscheißer, könnte jetzt sogar eine schneidende Formulierung für dieses „Versagen“ finden, aber „I am, what I am“, was nicht stimmt: Ich sind immer viele, ist ja ne olle Kamelle.
Das ist das eigentliche Thema für mich. Wenn ich jetzt beschreibe und mir irgendetwas vornehme, als Objekt habe also, also meine objektiv zu sein, wenn ich zum Beispiel „den Engländer“ nehme, oder wenn ich nur ansatzweise die Männer, mit dunkler Hautfarbe beschreibe, die überall in der Nähe vom Hafen in Calais sich aufhalten, immer ist es Quatsch, immer Müll, fern vom Erleben, kalter Kaffee: Das Ich und die anderen.
Wenn ich die Historie von irgendetwas aufbereite, immer hat es ein Färbung, einen Haufen Wertung oder Politik, immer ist das „Storytelling“ nix weiter als Zeitvertreib, der Fingerzeig auf den „anderen“, immer ist das „Immer die andern, wie soll es anders sein“ ein wunderbarer Songtext von der Kleingeldprinzessin Dota…Kehr

Ankunft in Dünkirchen

Ankunft in Dünkirchen

Die Lautsprecherdurchsage kommt: Die Duty Free Shops schließen. Die Kaffefahrt ist vorbei und wann erreichen wir Dover?
Die Männer an der Bar sprechen Cockney, glaube ich, in jedem Satz ist ein „Boing“ oder „oing“. Mir hat mal jemand erzählt, dass Alfred, der Butler von Batman, ganz wunderbar im Originalfilm Cockney, den Dialekt in und um London, spricht. Wie heißt der Schauspieler? Sir…..oder ist er noch nicht Ritter geworden? Erhebung in den Ritterstand. Geil. Gibt’s sogar in Italien. Cavalliere della Republica. Berlusconi ist einer und Colnago, der Rennradhersteller. Endlich wir sind wieder beim Fahrrad angekommen. In England immer noch nicht.
Hoffentlich schaffe ich es bald, wie die Fotos, die durch ein noch so kleines Objektiv, aber eben eins, in mein Handy gekrochen sind, objektiv zu beschreiben, was ich erlebe; das wünscht sich der Konsument zu Hause, dafür schreibt man: Den Menschen vom Begegnen fernhalten und ihm die „anderen“ zu servieren.
Fortsetzung folgt: Auf „I am what I am“ folgt „I always love you“.

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