Carcassonne 11:00

Place de la Lebensfreude

Place de la Lebensfreude

Bistrot Florian! Unrasierte Herren, bester Laune in Unterhemden, die ein wenig bedienen, über all ein Hallo, da gerade eine Ehefrau, die ihren Mann hier erwischt hat, im Hintergrund pinkelt ein Poseidon in sein Marmor-Springbrunnen-Pissoir.
Beim Frühstück heute morgen in einem typisch französischen „Outlethotel“ saß draussen ein Mann, mit einer Tasse schwarzen Kaffee und einer selbstgedrehten aus Maispapier. Ja, wo ist dieses Frankreich? fragte ich mich in diesem Industriegebiet. Hier isset.
Le code du WIFI? flöriänüläven, sagte die starkbusige Madmoiselle hinter der Theke, die wie eine Dompteuse im Raubtierkäfig anmutet, aber die Löwen, mon Dieu…alle handzahm und sie genießt es und ist fix.
Da war sie gerade, ich habe noch einen Kaffee bestellt, die Farbe ihrer Haare hat den selben RAL Ton wie mein Fahrrad. Je suis tres hereux…..Ce pour vous, Madmoiselle! Sie schlägt die 50zig Centime, wie ein hartes Ei zum Schälen auf den Tisch, Merci Monsieur.
Fahre gleich auf dem Radweg des Canal du Midi. Wendel wird ein Fahrradtourist. Mein Kunstlehrer, der Günther Scholl meinte einmal zu mir: Irgendwann einmal habe ich „normal“ als Bildungsideal begriffen. Ich werde ein normaler Fahrradtourist, d’accord!

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Überblick

Ausser der Linie übers Meer, alles mi dem Fahrrad gefahren. Schön dieses Europa

Ausser der Linie übers Meer, alles mi dem Fahrrad gefahren. Schön dieses Europa!

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Wenn schon, denn schon, Carcassonne

I am a fucking hero. Heute bzw gestern von Tarbes nach Carcassonne 230 km 2300 Hm in einem Stück.

Durch solch eine Landschaft ging's

Durch solch eine Landschaft ging’s

Und der Luxos von BuM ist ein super Scheinwerfer. Mit der Lichthupe schafft man fast jedes entgegen kommende Auto zu dimmen.
So, müde muss schlafen 2:10

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Anders

Was für ein Unterschied zwischen den beiden Pyrenäenseiten! Die französische Seite vom Portalet hat eine viel ältere, schönere, aber auch schlechter asphaltierte Straße. Aber das war’s nicht. Geschockt hatte mich das Grün. Die Vegetation auf dieser Seite war vielfältiger, grüner, eigentlich schöner. Aber ich war wie überfahren. Beim Weiterfahren über einige „Schüppen Sand“, die Vorpyrenäen bis nach Tarbes sind nicht besonders flach, fing das Absurde an sich zu formulieren: Für die Seele (meine) ist die verbrannte Landschaft besser als die saftige grüne.

Die Ortschaften sahen eher aus wie ostfranzösische, geprägt allein vom Zentralismus. Neu, relativ neu müssen die Orte sein, alt genug aber, um der Kriegstoten zu gedenken.

Bei den Kriegerdenkmälern muss ich immer an den Wahnsinn von Nationalismen denken: Was für ein Aufwand an Toten hin zur französisch-deutschen Freundschaft.

Held

Held

Mal sehen welcher „Aufwand“ jetzt getrieben werden wird, um eine Zeit von Frieden zwischen Kriegen, Völkerwanderungen, Aggression usw. zu haben. Ich selber sitze fett drin,im Frieden, fahr mit dem Rad rum; hoffentlich komme ich nie auf den Gedanken, dass das selbstverständlich sei.

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Wie kalt ist das denn?

Bin in Laruns in Frankreich. 20℃ hier. Will gar nicht aus den Regensachen raus, die ich oben am Pass anziehen musste.
Jpeg

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Kalt!

Jpeg

Jpeg

Das kommt gerade runter! Ein heftiges Gewitter, sitze aber in einer Bar und in den warmen Raum zieht die abgekühlte Luft von draussen durch das Fenster. Mir ist kalt. Rums. Das war schon wieder Donner und Blitz ganz nah beieinander. Kommt es, kommt es nicht? war eben noch die Frage. Von Jaca aus hierüber, habe ich versucht das Gewitter auszuzählen, funktionierte aber nicht.
Gerade habe ich es geschafft, am Eingang zum Portaletpass, jetzt wieder eine Pause, dabei lief es gestern so gut.

Das Aragontal, das ich seit dem Stausee erst heute morgen in Jaca verlassen habe, hat schon von Natur aus die Gestalt von einer Abraumhaldenlandschaft und man unterstreicht auch noch durch zeitweilig drei parallel verlaufenden Autostrassen, auf den nicht viel los war, als ich daher fuhr. Hätte gerne einen Geologen dabei. Wenn man näher an den Felsen hier ran geht, sieht er aus wie Schieferschotter, Brösel. drauf stehen ganzen Orte, alte Burgen….Aragon, das klingt ja schon uralt, wenn nicht fantastisch. Keine Ahnung von der Historie hier…..

Keine Ahnung von Geschichte und Geologie

Keine Ahnung von Geschichte und Geologie

Sieht so aus, als wenn ich jetzt weiterfahren könnte.

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Alles Jakob oder was?

Bin am Fuß der Pyrenäen, am Stausee von Yesa. Werde wohl über den Portalet oder über den Somport fahren….mal gucken. Hier ist auch alles Santiago-mässig ausgewiesen, habe aber bisher noch keine Pilger gesehen, nicht mal viele Auos, war bisher ein sehr beschaulicher Weg von 100 km und 1100 Höhenmetern und wirklich unwirklich, wie das Foto:

ohne Titel Stroh auf Foto, digital

ohne Titel Stroh auf Foto, digital

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Tüddeln in Andosilla

Grad ist „Vertüddeln“ das Thema.
Ich bin mehr oder weniger im Ebrotal, ca. 100 km vor Saragossa, Andosilla heißt der Ort und komme nicht richtig von der Stelle. Von Santo Domingo aus lief es ganz gut, die ersten 40 km mit nem 23ziger Schnitt und dann fing wieder alles zu kleben an; wie schon angedeutet wurde die Nationalstr. ca. 10 km vor Logrono von einer Autobahn geschluckt, Fahrrad Nein, und dann konnte man wieder Cross auf dem Pilger-Wanderweg fahren.
In Logrono mußte ich die Speichen hinten nachziehen; war schon alles so wackelig, das die Bremsscheibe dauernd klingelte, war überrfällig.
Beim Rausfahren gegen einen Südostwind, entwickelte sich am, ohnehin schon diesigen, Himmel ein Gewitter, das sich nicht reinigend auflöste, sondern immer wieder ausbrach und vollkommen unberechenbar wurde. Wäre gerne noch weiter gefahren, aber hier schien es mir nach erst 100 km wichtig zu pausieren. Auf total ungewisses Nachtlager habe ich keine Lust, vor allem wenn ein Gewitter im Spiel ist.
Ausserdem möchte ich partout nicht mehr über Pamplona in die Pyrenäen fahren, vor allem nicht über den Ibaneta Pass, über den ich schon zig mal bin. Ich will dem Magnetismus des Jakobwegs wiederstehen, aber das ist verdammt schwer. Alle Wege von hier aus oder weiter Richtung Südosten, sind kompliziert und wegen der vorgelagerten Gebirge sehr zickzackmäßig….ich habe das schon zu Hause bei der Planung gesehen, die fixen Gedanken ließen sich aber nicht in Zaum halten….war wie bei einem Mädchen: Ich will alles! Ich werde sogar den fixen Gedanken nicht los ins Herault fahren zu wollen…..aber das wird sich legen. Soll bloß keine Flucht dann nach Nordosten werden, wenn ich über das Gebirge bin und ich will nicht durchs Limousin, lieber zentraler, lieber südlicher, aber da ist es auch bergiger…..
Die Gegend hier ist bizarr, die Landschaft am Ebro so, als wenn ein Kind mit der Gieskanne in einem Sandkasten willkürlich Bodenskulpturen geformt hat. Weiss nicht ob es Sandstein oder einfach nur Sand ist, der rot-gelb in die Landschaft ragt.
Bei einem Rundgang durch den Ort, was ich fast nie mache, weil ich auf dem Rad tagsüber genug gesehen hab, fiel es mir schwer Kategorien zu finden. Kein Bauernort, obgleich es hier zeitweilig tierisch nach Schweinescheiße roch (in Spanien kommt das oft vor, aber kein Wunder, irgendwo muß der Seranoschinken ja herkommen), ein paar Gitanos, verschleierte arabische Frauen, viele normale, schick gekleidete für mich typische spanische Teenager…..Zur Architektur einfach ein paar Fotos.

Auf dem Weg durch Carcar

Auf dem Weg durch Carcar

Andosilla

Andosilla

Andosilla

Andosilla

Andosilla

Andosilla

Was das „Tüddeln“ anbelangt, gab es für mich aber noch ein ganz anderes „Tüddeln“. Ich las noch einmal in meinen Ausführungen über den „wahren Humanismus“, das, was ich in Plymouth zum Besten gegeben habe.
Ja, mir liegt viel an dem, aber es ist wohl sehr unverständlich. Wohl deshalb, weil ich es selber nicht verstehe. Vielleicht ist es eine Rechtfertigungsangelegenheit: Ich fahre alleine weg, schaffe es aber nicht wirklich alleine zu sein. Ich schreib ja ständig, ich kommuniziere ja, ich will ja gehört werden. Aber stolz schreibe ich, das der wahre Humanismus eigentlich sein soll, an anderer erst heran zugehen, wenn man im Nirwana angelangt ist.
Mich erinnert das an einen Typen, den ich in Italien -ich war damals aber nicht allein- getroffen habe, der selber aber allein fuhr und mir stundenlang erzählen konnte, wie wichtig das sei, alleine zu fahren, der es aber gar nicht merkte, das mich das gar nicht und er auch mich gar nicht interessierte. Es ist natürlich leichter den Text hier nicht weiter zu lesen, als einen Typen, der mit einem quatschen will, los zu werden. Die Intention ist aber dieselbe.
Tüdelig ist das!
Aber, was aber?
Ich hoffe, ich hoffe, das es doch Sinn macht. Das die Schreiberei Üben ist. Dass durch das Ausdrücken, etwas markiert wird, von dem aus ich weitergehen kann. Dass ich durch die Er-fahrung mit dem Fahr-rad, besser sehen kann, was vor mir liegt. Da auch wieder ein ABER: Ich will diesen Weg, will nicht über den Ibaneta, ich habe es mir nur falsch vorgestellt.

Sooft gehen Planungen ganz woanders hin; man muß nur irgendwelche Bauprojekte betrachten.

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Wrong Camino

Auch wenn er anstrengend ist, die Pilger hatten schon früher den „Weg des geringsten Widerstands“ gewählt. Der Camino zieht einen hier in der Gegend magnetisch an und, um von Burgos aus in die Stadt Logrono hinein zu kommen, kommt man nicht einmal um den Wanderweg der Pilgerer herum; die Einfallsstrassen sind autotechnisch verplant, das hat mich schon einmal furchtbar aufgeregt.

Falsche Richtung: Wrong Camino

Falsche Richtung: Wrong Camino


Wie es sich gehört wünsche ich den entgegen kommenden Pilgernden einen „Buon Camino“. Ein junger Deutscher ging den Weg in die falsche Richtung, er hatte seine Sandale irgendwo vergessen, ich versprach sie ihm entgegen zu bringen, falls ich sie sehen würde, wurde aber nix draus, keine gesehen; jetzt fällt mir ein: Vielleicht war das die Sandale des Brian! Scheiß Zynismus, der Junge war ein wenig „desperate“, kenne ich von mir selber, hoffentlich hat er seine Sandale gefunden.
Gestern war ich auch „desperate“, verzweifelt, aber nur kurz.
Der zweite Platte hinten; in Canterburry, in England war es ein „Snakebite“, ein Felgendurchstoss auf den Schlauch gewesen und jetzt hatte sich das Felgenband so gelöst, dass der Luftdruck an einem Speichenloch den Schlauch perforiert hat. „Merda“ das Hochdruckfelgenband war total labrig, nicht mehr zu gebrauchen, irgend ein Klebeband hab ich nicht dabei, mal ehrlich, wer nimmt Felgenband mit auf eine Radour?
Die Verzweiflung währte nicht lange.
Anfang der neunziger Jahre hatte mein Vater sich einmal ein Stück Dickdarm entfernen lassen, und lebte damit nochmal zehn Jahre sehr gut. Als ich ihn kurz nach der OP im Krankenhaus besuchte, mußte er den harten Mann markieren und frug mich, ob ich mich erinnern könne, wie er erzählt hat, wie er in der Nachkriegszeit aus zwei Fahrradschläuchen einen gemacht hat.
„Das hat der Doktor jetzt bei mir gemacht, nur ohne Gummilösung!“ Das war der typische Ruhrgebietszynismus, mit dem ich groß geworden bin, aber hat’s geschadet?
Man kann Schlauch mit Schlauch flicken! Aus dem geplatzten Schlauch schnitt ich mir nach Versuchen mit dem Taschenmesser, dann mit dem Rasiermesser und schließlich glückend mit der Nagelschere ein Felgenband, das am zukünftigen Ventilloch beitseitig vulkanisierte und so verklebte. Das Ventilloch ließ sich mit der Ahle des Schweizermessers herstellen, den Gummi konnte ich großräumig mit dem Spiritus für den Kocher entfetten.
Mittlerweile hat der Hinterreifen wieder 100km mit 6 bar gehalten; peu a peu habe ich aber ein neues Felgenband und nen neuen Schlauch zusammengekauft. Hier hat nicht jeder Fahrradhändler alles.
War aber nicht so einfach wie es scheint. z.B. das Talkum vom Schlauch geht einem tierisch auf den Keks, es war immer noch so affenheiß, Mücken tanzten mir auf der Nase herum, Schatten hatte ich am Strassengraben unter einem Verkehrsschild, man muß aufpassen das aus dem Felgenband kein Möbiusband wird……
Der Vater, ein Ahne. Die alten Römer haben zu ihren Ahnen gebetet. Sprechen würde ich ganz gerne noch mal mit ihm.
Er wäre jetzt 87 Jahre alt. Wollte auch immer mal hier in die Gegend, sich die alten Kirchen angucken. Ich bin schon das 4. Mal in Logrono. Dafür war mein Vater zweimal in Japan und in USA.
Ich glaube er hätte die Geschichte gut gefunden: Ganz schnell von verzweifelt zu stolz. Das sind die wichtigen Geschichten, nicht die von wie weit, wie groß, wie lang, wie viel, sondern die vom Wie, die Geschichten vom gelösten Problem.

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Santo Domingo de La Calzada

Bin knapp 50 km westlich vor Logrono, das ich ohne Tilde über dem n schreibe.
Hatte in Burgos gemerkt, dass aus dem Ausflug in die “ Sierra de Demanda“ besser nichts wird unnd ich schneller auf zu den Pyrenäen muss. Ging sehr schnell auf dem „Jakobsweg“, einer grossen Nationalstrasse, im Gegensatz zum Weg mittags runter nach Burgos, der sich wegen eines heissen Südwind einfach nicht „drücken“ liess. Die Sonne brannte stark, heiss, verdammt heiss war’s.

Jpeg

Jpeg


Nase schützen

Nase schützen

...und ähnel so imm mehr dem vor ein paar Tagen misslungenen "Captain Europa"

…und ähnel so imm mehr dem vor ein paar Tagen misslungenen „Captain Europa“

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