Kurz vor Burgos

Heute war ich schon um 6 Uh 30 auf dem Fahrrad und habe den Sonnenaufgang in den Bergen gesehen:
Jpeg

Weiter oben war es dann auch kühler, hin zum Ebro Stausee wurde es sogar ziemlich kalt, aber das war schnell wieder vorbei. Oben auf den verschiedenen Pässen trieben sich Pferde und Kühe wie wild, ohne Zaun, auch auf der Strasse rum, aber sie waren sehr mild und nett. Richtig ausnutzen konnte ich die Zeit nicht; mußte mir ein Frühstück auftreiben. War ganz gut, dass ich wenigstens ein Brot und Obst vom Vortag noch hatte.
Mehr kann ich gerade nicht schreiben, neue Gäste kommen in den Esssaal, ich muß wohl räumen.

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In den Bergen

Vergessen, wie es heißt, spiele immmer wieder Roulette mit den spanischen Menues

Vergessen, wie es heißt, spiele immmer wieder Roulette mit den spanischen Menues


Schon halb 11 Uhr abends. Klar, ich kann noch etwas zu essen haben. Für Spanien ist das eine ganz normale Zeit, sich die Plautze voll zu hauen. Ich habe es eine Woche lang, genau anders herum erlebt; gebratene Würstchen und ein Haufen anderer angebrannter fettige Sachen zum Frühstück, abends fast nichts mehr.
Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass in die südländische Abendvöllerei einsteigen werde; hier werde ich nur abends, nachts, und morgens ganz früh Fahrradfahren können; unbeschwert geschlafen wird sowieso nicht mehr werden…..vielleicht in der Siesta. Es ist einfach zu heiß.
Die über 50° C waren es zwar nicht im Schatten, aber soviel bin ich auch nicht durch den Schatten gefahren

Die über 50° C waren es zwar nicht im Schatten, aber soviel bin ich auch nicht durch den Schatten gefahren


Aber keine Ahnung, ob diese Theorie aufgeht.

Wie auch immer, bin froh etwas zu essen bekommen zu haben, war heut noch nicht so viel und ich bin froh ein Dach über dem Kopf bekommen zu haben, das Bett allerdings ist eine Katastrophe.
Kam in den kantabrischen Bergen ganz in der Nähe vom Ebro Stausee, ein Drittel Weg von Santander nach Burgos, in einen Ort „San Pedro de Romeral“

Jpeg

Jpeg


und dachte, dass jetzt gut sei. Viele km sind es heute noch nicht gewesen, aber schon ein Pass und eigentlich bin ich schon fast über einen zweiten rüber -man bin ich müde, der Text wird wieder sehr fahrig werden- als ich dem Ort hier nach einer Herberge fragte und man brachte mich zu einer alten Dame, die einen ehemals bewohnten Teil ihres Hauses lieber an Leute vermietet, als einen Hühnerstall draus zu machen. Die Dusche ging irgendwie, aber auf dem Bett werde ich meine Matte ausrollen und hoffen, dass in dem Bett nichts drin ist, was keinen Respekt vor meiner Matte hat.
Die Leute waren so freundlich, ich konnte einfach nicht sagen, das das nichts für mich ist. Aber Duschen unter einem Schlauch beim Bauern und das Zelt aufschlagen, wäre echt ’ne bessere Alternative.
Ich bin in Spanien, Mann, in den kantabrischen Bergen; endlich richtige Strassen, endlich eine offene Landschaft.
Die Hitze ist irre. In Santander, wo wir um ca. 12 Uhr landeten, gab es wieder ein paar Anlaufschwierigkeiten. Wieder führte mich der Trail in komisches Terain; eigentlich ein toller Schleichweg raus aus der Hafenstadt; aber plötzlich stand ich wieder vor einer Art Tiergatter, ein Zaun zum öffnen, o.k. aber ein paar Meter nur gefahren, begrüßte mich ein angeketteter spanischer Herdenschutzhund. Die Viecher sind größer als Bernhardiner und bellen die Gandalf Nummer: Du kommst hier nicht durch!
Gut, der war angekettet, aber vielleicht hätte diesmal ein spanischer Stier nicht seinem angeborenen Interesse an Jungkühen gefrönt, sondern mich für einen Torrero auf dem Fahrrad gehalten; kein Bock. Ausserdem mußte ich mich erstmal wieder an den Linksverkehr gewöhnen, den anspruchsvollen Garmin mit Solarstrom versorgen und heiß war’s. Zum Glück hatte ich eine Strassenkarte dabei und fand einen wunderschönen Weg hierhoch, sehr wenig Autos…
Irgendwo am Strassenrand sprach mich ein Mann an, meinte ich solle den Weg über die große Nationalstrasse nehmen. Ne, zu viele Autos. Es geht. Und, wenn ich ihn richtig verstanden habe, gibt es sogar einen schönen Randstreifen. Die LKWs würden eine Landstrasse weiter westlich benutzen, das wüßte er, er sei LKW fahrer. Nö, ich fahr hier durch die Berge.
Esto(a) duro!
Soy duro, hombre!
Weiß nicht ob das Spanisch ist, aber er fand es cool, gab mir die Hand und einen Klopfer auf die Schulter.
Auf dem Weg zum Pass versuchte ich überall meine Trinkflaschen zu füllen und Wasser zu trinken. Ein Bauer im Unterhemd und Pantoffeln, den ich in seinem Garten aufscheuchte, ließ mich ein wenig warten und kam in Hemd und Schuhen, um mir Wasser zu geben. Stolz wie nen Spanier, dabei gibt es den „Spanier“ gar nicht. Der hier war z.B. ein Kantabrier (oder wie auch immer das geschrieben wird).
Die Landschaft ist grün, nicht verbrannt von der Hitze. Und gerade ist Heuernte. Ein Bauernpaar brachten das Heu mit einem Zossen weg, der eine Art Schlitten ziehen mußte, ein Gefährt ohne Räder. Das Pferd, ein schöne nicht zu großes Kaltblut zog einen großen Heuhaufen durch die Gegend. Die Hänge sind teilweise so steil, dass nur mit Sensen geschnitten werden kann. Einen ärmlichen Eindruck macht das hier aber auch nicht; eher propper, von meiner Unterkunft einmal abgesehen.
Die Frau, die mir hier das Essen bringt, ist auch etwas besonderes; für meinen kurzen Einblick sind die Leute hier nicht unbedingt freundlich, sondern eher kontaktstark.

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Irgendwo auf dem Atlantik 18.7 8:00 (Britische Zeit)

Sanft ist die See, heute Nacht war das Schiff ein wenig mehr bewegt. Dünung, glaube ich, heißt das, wenn man das Heben des Bugs und das langsame Nachfallen des Schiffs spüren kann. Wunderbar. Selbst das allgegenwärtige, leichte Wummern des Schiffsmotors fühlt sich schön an, obgleich ich gerne einmal die motorlose Bewegung auf dem Wasser, wie auf einem Segelschiff kennen lernen möchte. Höchstwahrscheinlich ist das das Schwanken stärker, weil Segelschiffe nie so breit wie eine Fähre sind.
Mir direkt gegenüber sitzt Andrè, ein Niederländer, auch mit dem Fahrrad unterwegs, nach eigener Aussage ein Morgenmuffel, der alle Zeit hat, die er will zu Raddfahren; „selfemployed“ in der IT Branche. Das ist schon eine Art Freiheit, die ich nicht so schnell „canceln“ kann.
Gestern hatte ich einen Text geschrieben über das Meer, wie es mich aus dem Liegestuhl aufzwang, eine gerade Haltung ein zunehmen, wie es mir „die Brust öffnete“. Weg der Text. Aber auch egal.
André und seine Freundin Leonie sind von Exeter aus quer durchs Dartmoor gefahren, eine Strasse, von der ich gedacht hab, dass sie stark befahren sei und die als Radweg nicht empfohlen war. Nicht viel Autos und wenn, dann fuhren die moderat, sagt er. Schade, den Weg hatte ich erwogen, vor allem war er wohl nicht ganz so „rauf und runter“ wie meiner.

Vielfältiges Blau
Oberflächlich beruhigend
Fordert die Tiefe Tribut

Meer und Sehnsucht ist ja ein riesen Thema. „Seemanns Braut ist die Seeeee….“ und vielleicht ist meine Sehnsucht nach echter Seekrankheit, auf einem kleineren Boot, das mir eigene Näherkommenwollen.
In diesem ziemlich sicheren Pott zu sitzen und das Meer, so oberflächlich mitzubekommen, ist halt wie Autofahren auf dem Land:
Wenn man gar nicht mehr wirklich weiß, was Steigungen und Gegenwind ist. Deshalb braucht man hier auch jede Menge Ablenkung.
Sehnsucht nach Seekrankheit ist Schwachsinn. Weiß von einer Nordseedurchquerung im Winter vor zwei Jahren, wie schlecht ich etwas essen konnte und das war ein ähnlich großer Pott, auf dem ich gefahren bin.
Es dauert ja auch manchmal ziemlich lange bis man Seekrankheit überwunden hat. Vielleicht würde ich es selbst auf einem Segelboot, das länger und weniger sicher, die Strecke hier bewältigen würde, nicht schaffen grade zu stehen.
Seit Jahren trauen ich mich schon nicht mehr richtig in freiem Wasser zu schwimmen. In Plymouth bot sich das nicht an, vielleicht gleich in Santander. Sidn noch drei Stunden, sagte eben die Lautsprecher Durchsage.

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To many People

Ein, nach Spanien ausgewanderter, Engländer erklärt mir gerade, dass in England zu viele Menschen leben. Er fährt Motorrad. Ja klar. BrumBrum Freiheit. Und er meint ich würde England nicht mögen, weil da jeder sein eigenes Haus und sein eigenes Auto haben muss. Aus dieser Idiotie kommt das. Was?
Volk ohne Raum. Weil die Schimäre des Ichs nicht aufgeht, braucht man Platz, viel Platz, mit dem man auch nichts anderes tun kann als ihn mit Verbrennungsmaschinen zu überwinden.
Nun reif bin ich nicht, weil mich das aufregt.
Der Motorradfahrer hatte es sich schon auf meinem Pullmannsessel bequem gemacht. Das Schiff hat noch nicht abgelegt.
Schön scheint die Landschaft durchs Fenster.

Jpeg

Jpeg

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Brexit Plymouth 13:20 17.7

In zwei ein viertel Stunden ist es soweit: Das vereinigte Königreich verläßt mich. So muß man es als guter Europäer sehen. Relativ ist ohnehin alles, ob ich jetzt von der Insel gehe oder die Insel unter meinen Reifen oder Füßen verschwindet, ist alles nur eine Frage der Perspektive.
Wenn aus diesem Land so etwas exklusives werden wird, wie sich die Brexiter versprechen, eine Art Schweiz also, werden dann exklusive Deutsche nicht mehr richtig einschätzbar sein, wenn sie sagen: „Ich habe ein Haus auf der Insel!“ Es könnte ja auf Sylt oder in Großbritannien sein.
Für mich gibt es keine Hymne auf dieses Land zu singen, obgleich ich immer wieder Lust haben werde, hier rüber zu fahren. Nicht nur der Linksverkehr ist anders und anders tut immer wieder gut, „Anders“ ist wichtig für meine Ferien und nicht „Sommer, Sonne, Kaktus“.
Allerdings freue ich mich über das sonnige Wetter gerade hier in Plymouth; das mitgenommene Solarzellendingen (weiß nicht wie man Panell schreibt) schafft es gerade so, mich mit ausreichend Strom für’s Handy zu versorgen.
Ach Mann, was soll ich noch schreiben? Habe Angst vor den Tipp- und Flüchtigkeitsfehlern, die mir so lange peinlich nachhängen. Ich lade noch ein paar Bilder hoch.

Wer hat Angst vorm weißen Schwan?

Wer hat Angst vorm weißen Schwan?

Ein Uboot ohne die Fahne der Royal Navy

Ein Uboot ohne die Fahne der Royal Navy

Und eine Dame hinter mir sang doch glatt das Lied von Ringo Stars gelben Uboot.
Ich geh jetzt auf das Boot nach Spanien. Bis bald.

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Verzweiflung

sehe grrade, dass ich in eienem Artikel viel anstatt fiel geschrieben habe. Wie kommt das? Was macht mein Hirn?

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Plympton 16.7. 10:00

Schreibmaschine

Schreibmaschine

Das Foto zeigt, dass die Texterstellung nicht gerade besonders einfach ist. Ich bitte deshalb, die von uns mühevoll erstellten Schriften dementsprechend zu würdigen:

Auf den Campingplätzen hat man oft Schilder dieser Art. Immer wieder wird in ausführlicher, alles bedenkender Sprache hingewiesen. So sitze ich hier, in diesem sauberen (auf das ich wirkliche stehe), gepflegten Ambiente des Campingplatz „Riverside“ 4 Meilen von der Fähre nach Spanien entfernt und habe noch über 24 Stunden Zeit, um pünktlich am Kai zu sein.
Das war noch eine harte Fahrt gestern. Kann nun mal wirklich behaupten, schon viel mit dem Fahrrad in Europa herumgekommen zu sein, aber eine derartige Häufung von Höhen und Tälern, dermaßen steil, habe ich noch nicht erlebt. Der Weg von Exeter, an der Aussenseite des Dartmoor entlang war noch wesentlich anspruchsvoller, als der zuvor beschriebene. Insgesamt waren es 2500 Höhenmeter auf 120 km. Zwei Beinahe Kollisionen hätte es auch gegeben, obgleich ich aus den neuen Scheibenbremsen wirklich alles rausgeholt hab, was ging und sehr langsam bergab, bzw. versucht habe das Runterfallen zu entschleunigen.
Die Strassen haben meistens nur die Breite von einem PKW und sind von Hecken so eingerahmt, dass man immer nur Nebelsichtweite hat. Plötzlich stand z.B. ein PKW vor mir der bergauf viel zu schnell fuhr und und meine Bereifung schmierte schon ganz schön über den Schotter, als ich so richtig die Bremshebel betätigen mußte. Dann war es dann an dem Autofahrer rückwärts durch den Heckentunnel bergab zu fahren, um nach ca. 300 Metern eine Stelle zu finden, wo das Fahrrad am Auto vorbeikam. Unglaublich.
Oder einmal erschreckte ich zwei Reiter, als ich bergab kam und das eine Pferd ging sogar leicht auf die Hinterbeine. Jeder der mich kennt, weiß, wie moderat ich bergab fahre und den Spruch, dass Geschwindkeit stabilsiert, kann man wirklich bei diesen „Downhills“ vergessen.
Aber was für eine Vegetation! Alles, ausser dem auch nicht so oft vorkommenden Fingerhut ist größer als bei uns, und viele Pflanzen, sehr viele, kennt man gar nicht aus Deutschland. Ehrlich gesagt, muß der „Innere Klugscheisser“ zugeben, dass er sich mit Vegetation nicht wirklich auskennt. Allerdings konnte ich in einer Hecke Kirschlorbeer, Esche, Hasel, eine eichenblättrige Art ausmachen.

Am Rande des Daartmoor

Am Rande des Daartmoor


Am Rand des Dartmoors wurde durch mannigfaltige Schilder darauf hingewiesen, dass man ein bestimmtes Stück Wald nicht betreten solle, dass als „Euro-Forrest“ benannt war. Hm 🙂
Jetzt ist es schon 10:20 und ich habe mir schon den dritten Mug Tee aufgegossen, jeweils mit zwei PG Tips. Es gibt noch ein paar Sachen zu tun: Brauche Spiritus für den Kocher, Seife für die Klamotten und mich (habe sie im letzten B&B vergessen), die Bremsen vom Fahrrad müssen kontrolliert werden……
Ach was für ein furchtbarer Stress….ach, wie mach ich das alles nur. Darling, könntest Du vielleicht…….
Nun, ich kann nur von mir sprechen; aber ich glaube stark……und es ist nicht der Begriff Selbständigkeit, weil der Blödsinn ist; keiner ist auf andere so angewiesen, wie ein ökonomisch sogennanter Selbständiger, was täte er ohne seine Kunden und Auftraggeber? Die Konfrontation mit sich selbst führt zur Wertschätzung……, was auch wieder ein total beknackter Begriff ist, weil Menschen keinen Wert haben. Wert ist vergleichbar und relativ und das sind Menschen in einer humanistischen Sicht nicht. Menschen haben Würde. (Für diesen Begriff in unserem Grundgesetz liebe ich Deutschland, fast nur dafür) Sie sind einzigartig. Es ist bezeichnend, dass „wertschätzend“ diesen Eingang in die Sprache gefunden hat; es impliziert immer wieder das eigentlich Ökonomische, die eigentlich Ungleichheit. Und bezeichnend ist auch, dass dieses Wort sehr stark von vielen „sozial“ eingestellten in den Mund genommen wird.
Das allein sein, das „on your one“, ist wahrer Humanismus. Er soll dahin führen, in dem anderen nie das Instrument zu sich selbst zu suchen. Weil es das verfickte „Selbst“ eigentlich gar nicht gibt.
Mag aber auch sein, dass ich selber (was es eigentlich gar nicht gibt) noch nicht fähig bin zu wahrem Gefährtentum: das Nebeneinander freier Geister in einem Konsens gemeinsamer Interessen, das Wachstum zu läßt……Mr. Speaker…….ich habe immer die Eigenart die Darstellungen meiner Fahrradtouren in eigenartigen Versuchen utopischer Art gipfeln zu lassen. Ich bitte das zu entschuldigen.
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Exeter 15.7. 13:44

„The Plant Cafe“. Jetzt bin ich in einem vegetarischen Cafe gelandet, direkt vor der Kathedrale in Exeter. Gestern Morgen wollte ich schon gestern Abend hier sein. Gestern aber war der der 7. Tag, war er nicht?

Jpeg

Jpeg


Immer wieder eine Mischung zwischen Slapstick und Verzweiflung, eigentlich geil, nur blöd, wenn ich selber der Hauptdarsteller bin, ach doch, toll.

Sehr witzig z.B. war, wie ich mit meinem Fahrrad über einen Golfplatz, nachher auch geschoben, bin. Man hatte die wichtige Grünfläche so installiert, dass ich die Wahl hatte entweder auf einer viespurigen B-Road ohne Standstreifen, oder einen riesigen Umweg oder eben über den Golfplatz zu fahren. Die Herrschaften dort waren alle sehr nett, meinte einfach, wenn einer mich stoppen würde, sollte ich erzählen, ich hätte mich verlaufen, was einem auf einem Golfplatz auch wirklich leicht passieren kann. Und es war auch nicht schwer, das Gelände wieder zu verlassen, kein erregter Platzwart nur ein paar belustigte Yuppies mit der Frage „Are you lost?“
Trotzdem, ein Radweg über den verfickten Golfplatz würde mein klassenkämpferisches Bewusstsein, wieder etwas stärker für dieses Land der Public Libraries und vielen Behindertentoiletten klopfen lassen; glaube aber, dass soweit nie die Liebe gehen könnte, einen Radweg über dieses Grün zu bauen.
Kurzdrauf viel (unglaublich fiel mit v, was für ein Wahnsinn?) der Navi aus. Er hatte keinen Bock mehr. Ihm gefiel die Stromregelung aus dem Busch und Müller Scheinwerfer „Luxos“ nicht, absolut nicht mehr. Beide Geräte sind dermaßen mit Steuerungselektronik vollgestopft, dass ich den Strom vom Dynamo, über den Scheinwerfer erst in einen Akku laden muß, der dann wieder den Akku vom Garmin lädt.
Gegen Abend taute der totgeweihte Navi dann wieder mit ein wenig Netzstrom wieder auf, er hatte sich beruhigt und ich freute mich heimlich einen ähnlich launischen Mitfahrer zu haben wie mich selber. Es ist unmenschlich von der Technik zu verlangen, dass sie funktioniert; im Ernst, zu mindest dann, wenn man davon so wenig Ahnung hat wie ich.
Und all das lenkt mich von der wundervollen Landschaft ab, von der man fast nichts sieht, weil man dauernd durch Heckentunnels fährt.

Eine sehr milde, typische Devon Road, sonst steiler und schmaler

Eine sehr milde, typische Devon Road, sonst steiler und schmaler


Der Herr vom Campingplatz in Oxford, der mir die Skizze mit dem „TARKA Trail“ gezeichnet hatte, hatte mir wohl richtig geraten; es wäre geschmeidiger zu gewesen, zuerst zur Nordküste von Oxford aus zu fahren und dann mehr oder weniger durch’s Dartmoor direkt nach Süden, nach Plymouth zu „stossen“.
Er warnte mich vor den engen Tälern und steilen Strassen hier in Devon und die sind wirklich gewaltig:
Zwar nicht besonders lang, aber so steil, dass jedes bergauf, dem bergab vor zuziehen ist.
Aber im Wiltshire, Sommerset usw. war’s auch sehr schön, besonders der erste Tag nach Oxford; ein Tag voller Radelgenuß, eine autofreie Dusche.
Abends kam ich an einem „White Horse“ vorbei, an dem Mau und ich 1989 mit Hollandrädern, Dreigangschaltung, abgeschnittenen Jeans, Kochtopf, Spiritusflasche un -kocher etc. auf dem Weg nach Westirland vorbeigeradelt sind. Das Horse, ein sogenanntes Scharrbild, ein riesiges in eine Hügelwand gearbeitetes Relief, lag in demselben goldenen Abendlicht in der Kornfeldlandschaft wie vor ziemlich exakt 27 Jahren. „Dass ich das noch erleben darf!“ Das war ja auch der Spruch des Jahres in diesem 1989. In einem Pub fragten mich zwei alte Männer auf dieser Reise ob ich aus West- oder East Germany käme, da war die Berliner Mauer aber noch scheinbar sehr standfest.
Nein, bin nicht sentimental, kann so etwas nur einfach nicht vergessen. Ausserdem ist es immer wieder interessant, wann Leute von einem verlangen hier und jetzt zu sein, und wann sie selber anfangen zu historisieren; aber das ist ein anderes Thema oder…?
Gleichwohl war es wieder schön, mit Menschen zu tun zu haben, als der Navi seinen Geist für den Tag in Yeoville aufgegeben hatte. Zuerst mußte ich mir eine schnöde Strassenkarte kaufen. Die Buchhändlerin führte mich zu einem Regal und ließ mich da stehen. Fand eine Karte die ca. 12 km nach meinem Standort began, keine vernünftige für davor…..es gab zwar excellente topografische Karten, aber war alles nicht sinnvoll. Zum Einkaufen in der zweiten Etage, durfte ich mein Fahrrad unten in der Buchhandlung stehen lassen.
Ich mutmaßte den Weg nach Crewkerne anhand der Sonne, bis ich einen Herrn auf einem Cervelo S2 traf: „Nice bike!“ Ja, er hatte den Aluminiumvorgägner, aber Rahmenbruch und wegen Garantie, hat er jetzt nen Karbonrad.
Weg nach Crewkerne, klar; diesmal ging es weniger visuell zu, er wollte mir den Weg in ganzen Sätzen aufschreiben…..wir erarbeiteten gemeinsam ein Papier, mit dem ich beruhigt in meine neue Karte hineinfahren konnte.

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15.7 20:0020 km vor Plymouth

Jpeg

Jpeg

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14. Juli 12:00 Maiden Bradley ca100 km nordöstlich von Exeter

Hier gibtˋs sogar einen „Village Shop“. Aber keinen Handy Empfang. Wiltshire. Die Route hat mich in die Gegend geführt, die Route von Naviki. Der Weg hat allerdings nichts mehr mit Alltagsradeln zu tun.
Hatte die Route schon gestern einmal für 25 km verlassen und dann in Westbury geschlafen, um hinter Warminster wieder auf den Trail zu kommen.
Herje. Das ging noch. MTB Single Trails, mit 30ssiger Reifen, ungefedert und Gepäck, aber irgendwann wurd es unmöglich.
Eine Kuhherde hatte mich zu einem Stacheldratzaun hin umzingelt, vorher richtig verfolgt, wie eine Hundemeute. Dann übern Zaun und das Rad samt Gepäck im Stad drüber gehoben und alles verflucht.
Mußte aber auch lachen, weil mich die Kühe so schön umstellt hatten. Vielleicht wollten die ja auch nur spielen. Der Bulle, ein mächtiger schwarzer, ich glaube Angus Bulle, zwischen den jungen holsteinischen Dingern, hatte auch gar kein Interesse an mir sondern besprang die wachenden Kühe einfach von hinten. Trotzdem Sense.

Wachkühe

Wachkühe


Ich verlasse den Track.
Aber es ist mir unbegreiflich , wie Naviki sich das als Fahrradweg unter der Rubrik „Alltag“ zusammenrechnen konnte (Naviki ist ein Portal für Radroutenplanung) Vielleicht waren die Infos einfach falsch, die irgendwelche Leute hochgeladen haben. Letztes Jahr in Polen, der Slovakei und Tschechien waren auch ein paar Gags dabei, aber nicht so verheerend wie hier.
Es gibt ja nicht den Anspruch, dass es funktionieren muß….Allerdings habe ich nicht soviel Lust mich selbst in die Routenplanung hinein zu versetzen, man hat dann keine Zeit mehr zum Radfahren.
Mit der Vektorkarte vom Navigator ist es ziemlich schwierig sich durch zu wurschteln. Man sieht nie, wie bei einer analogen Karte alles auf einmal…..

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