Nihilismus

Als Einwand gegen das Engagement im Hambacher Forst hörte ich neulich:

Man störe die Tiere im Wald, wenn man da rum läuft.(ähnlich wie bei einem zum Tode verurteilten, den man in seiner Zelle besuchen kommt, denke ich)
Ausserdem würde man mit Oberleitungsstrom dahin fahren (na ja, an diesem Tag fiel ja schon eine Bahn aus; der Andrang zum Hambacher Forst scheint die Deutsche Bahn AG zum Stromsparen zu verleiten)
und bei den Baumbesetzern würden sich Kriminelle tummeln. (Nun die gibt es überall: Uli Hoeneß, Thomas Middelhoff, Graf von Lambssdorf Senior……..)

Es gibt auch schon Wahlplakate von den Unsäglichen in Bayern „Diesel ist super. Automobilindustrie schützen!“

Jipheijei, kommt er bald der klassische Schulterschlusss von Großindustrie und Hassmenschen, von denen, denen zur Problemlösung nichts anderes einfällt als sich Sündenböcke und Hasskonstrukte zu suchen?

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ein verregneter Sonntag

Ich fand es zu trocken in der letzen Zeit, viel zu trocken, und ich habe mich gewundert, wie munter das Teewasser jeden Morgen in den Wasserkocher sprudelte.
Die vertrockeneten Wiesen überall, fies gelb. Wasser ist Leben, Menschen bestehen zum größten Teil aus Wasser, aber, wenn es vom Himmel fällt, ist es unangenehm.

immer weiter Leute, im Regen

Ich habe mich gestern drüber gefreut, auch als es mir unangenehm und kalt in den Schuhen stand, als mein Minirad nicht mehr rollte, weil es schlammverkustet war, von den Wegen im Hambacher Forst und den Feldern davor. Und, obwohl ich Menschenmengen nicht mag, habe ich mich über die Zigtausende gefreut, die den Schlamm gewalkt haben, im Protest, in der Solidarität mit den Baumbesetzern.

nass

Klaus der Geiger stand beschirmt unter einem Baumhüttendorf, ich glaube es war Beachtown, sang und spielte sein Lied vom „Zombie von Rheinbraun“. Immer wieder drücken Menschen auf dem Boden, viele Meter unter den Baumhütten, ihre Solidarität und ihren Dank für die Baumbewohner in ihrer lichten Höhe aus.

Versprengt liefen Polizisten mit ihren Schildern, deutlich in der Minderzahl, wie Legionäre bei Asterix durch den Wald.
Warum schickt man die in eine solche Menge hinein? Seit der Causa Maaßen, hat man ja sowieso jeglichen Glauben an die Verfassungsortientiertheit unserer Sicherheitsorgane verloren. Trotzdem läßt man sich von Idioten nicht provozieren, auch wenn die Uniform tragen. Und, diese handeln ja oft auf Befehl, wo da genau die Idioten sind weiß man nicht; nicht so genau wie bei der Causa Maaßen.

Dass die Braunkohle als Energieträger so stark wurde, so stark blieb, lag das vielleicht auch am Zurückdrängen der Atomenergie in den 70ziger und folgenden Jahren? Ist man da gerade gegen etwas, was man selber angerichtet hat? Man kann froh sein, dass es die Atomwirtschaft, mit ihren unlösbaren Problemen, vergleichsweise nicht wo weit geschafft hat und die Braunkohle ist halt auch abgelöst.

Die Baummenschen -ich erwische mich selber dabei, dass ich sie von unten, während sie oben auf ihren Stegen und Leitern sich bewegen, wie Affen im Zoo beobachte- sind ihrer Zeit voraus. Dass das, was sie tun, juristisch-faktisch Gesetzesbrüche sind, ist himmelschreiend ungerecht. Sie werden viel zu wenig unterstützt, diese Säulenheiligen unserer Tage.

Mit dem Zug und dem Klapprad bin ich hingefahren; trotz Regenzeug und festen Schuhe durchweicht, beschließe ich nicht mit einer überfüllten Bahn, auf die ich vielleicht Stunden lang warten muß, auch da war eine (wegen Krankheit) ausgefallen, mit dem Klapprad mit einem Gang nach Hause zu fahren.
An einer Tankstelle lasse ich das Wasser aus den Schuhe laufen, wringe die Socken aus und stopfe stattdessen Papierhandtücher in die Schuhe. Das geht gut. Durch das ehemalige Braunkohlerevier „Ville“ fahre ich nach Hause. Renaturiert ist es, aber die Ausmaße des Abbaus waren wesentlich weniger, vermute ich.
Ich sehe keinen Baum so hoch wie im Hambacher Forst.
Zuhause bin ich fast trocken gefahren. Stolz und froh die Aktion nicht mit dem Auto, dass ich mir hätte leihen können, nicht durchgezogen zu haben.

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RückZug

Während ich den vorherigen Post schrieb, setzte sich eine ältere Dame an meinen Tisch, frug vorher und schwieg während ich mein Smartphone bearbeitete.
Ich verifizierte noch einmal: „Hier hat doch der olle Wilhelm gelebt!“
Ja…..und da drüben sei sein Haus gewesen, ein Denkmal auch und ich würde gar nicht glauben, wieviel Menschen seit der Maueröffnung da busseweise angepilgert kämen.

Es geht weiter ums niederländische Königshaus, das mindestens zur Hälfte aus deutschem Betteladel besteht und die neue Königin, ne bürgerliche, die den Job bisher super macht, stimmt ja Maxima, Nomen est Omen.

Dann geht’s um die Niederländer, Meister im Organisieren, wie ich schmeichle, aber auch der Freiheit
Ja, das stimmt. Mit Organisieren und mit Wasser kennen wir uns aus, sagt sie.

Mir macht es zur Zeit noch weniger Spass Deutscher zu sein, je mehr andere gerade stolz darauf sein wollen, sage ich

Das ist überall so, sagt sie: Da bin ich schon so schön alt geworden und jetzt kommen, Probleme, die ich nicht lösen kann.

Dieses Gefühl, der Ratlosigkeit. Wie alt ist sie wohl? Und welche Probleme hat sie bisher gelöst? Und schön, einfach so am Cafetisch zu sitzen, ohne, dass man sich kennt.

von hier mit dem Zug nach Hause

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Doorn

…..ist mir immer wieder ein Dorn im Auge, besser ein quersitzender Pfurz im Darm.
Hier hat seine Majestät, der letzte Deutsche, Deutschlands letzter, der „Wilhelm der doofe, der Oberganove“, wie es im Gassenhauer heißt, Kaiser, zu seinem Lebensende hin Brennholz gesägt.

Hätte er besser schon immer gemacht, anstatt sich in Politik und dessen Fortsetzung mit anderen Mitteln zu versuchen.

Habe keine Lust mich genauer damit zu befassen. Alles so bekloppt, dieses Europa, voller Entwicklung, Energie, Pracht…..da hilft nur ein Krieg; danach noch einer. Und jetzt? Was hilft wenn es den Leuten ziemlich gut geht? Vielleicht der Klimawandel? Wer werden die auserwählten Protagonisten des Klimawandels sein?

Haben die jungen deutschen Männer die damals so begeistert in den Krieg zogen, und in den ersten Tagen fielen genauso viel Schuld an all dem Verderben wie seine „Majestät“?

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Utrecht

Gestern abend kam wieder das, was mir widerfährt, wenn ich zum Genussradler werde:
Glücklich durch Amsterdam durch, auf dem richtigen Weg nach Süden, nach Utrecht,fing ich an die Abendstunden zu genießen, was sich jedes Mal bitter rächt. In Utrecht hatte ich erst um 24 Uhr eine Bleibe gefunden: ein Hostel, StayOkay heißt es und ist wirklich doll.

Amsterdam, altbekannt, beeindruckt trotzdem wieder. Während ich auf „Het Centrum“ von Westen her auf einem breiten Radweg zuhalte, schließlich, zu dem großen Wasser hinterm Hauptbahnhof, kommen werde, wo man kostenlos mit einer Fahrradfähre übersetzt, kommen mir wahnwitzig schnelle Radfahrer, hier in der Stadt, zunehmend ohne Motor, entgegen; „Kampfradler“ würde Herr Ramsauer sie nennen, wenn er sich hierhin verirren würde; das Radfahrer ganz normal getriebene, Menschen des 21. Jahrhunderts sind, die sich ähnlich individuell, wie Autofahrer verhalten, macht sie eben nicht schlimmer als diese, nur ungefährlicher und umweltverträglicher…ich schaffe es irgendwie, meinen Touriradelmodus auszuschalten und möglichst wenig im Weg zu sein.
Durch Amsterdam bin ich in ca. 1,5 h. Bermerkenswert, dass es in den Straßen weniger nach Abgasen, als nach Marihuana riecht. Mag sein, dass ich dafür sensibler bin -habe erst 2x in meinem Leben inhalliert- trotzdem ist der Verkehr ziemlich hektisch.
So gemütlich wie bei den drei auf dem Foto ging es erst wieder auf dem Land zu.

a trois

Abendstimmung

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Aufgepasst

Eigentlich nichts besonderes mehr; deshalb fährt man ja hierhin, wegen der Ebenen, dem Meer, den geraden Strassen.
Die Campingchefin war sehr nett und zwei betagte Schwestern aus Recklinghausen machten mir einen Kaffee, weil ich mir Buttermilch in den Tee geschüttet und meine Pötte schon mit Rührei und Reis belegt waren.
Durch die Dünen fahre ich, wie ein Radtourist den Nordseefahrradwanderweg
Von der Nordsee nix Neues.

weisst’e, is wie unser Platt (was quatsch ist)

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Onderdijk

Nicht mehr so weit bis Den Helder.

Zelt trockenet gerade bei einer Tasse Kaffee. Obgleich es nicht regnete, war es bis 10 Uhr heute morgen nicht trocken. Auch das Gras, war total betaut; kennt man gar nicht mehr, nach diesem Sommer.

Begegnungen:

Gestern Abend beim Zelt aufbauen, sprang mir da ein Berner Sennenhund rein. Er wollte nur spielen…er hörte auf nichts, erst auf „fuck off“ aber das gefiel seinem Herrchen, der in der Nähe war, nicht. Ich hätte ein großes Maul, und aus seinem stank es nach Alkohol und er riss es viel weiter auf als ich.
Ob ich ihn stören würde, frug ich ihn; ich wäre nichts für ihn und ich solle mich schlafen legen und selber ficken.
Der Hund hatte mein Handyequipment mit den Zähnen ein paar Meter weiter getragen, richtig süß….Das legt man halt nicht auf den Boden, meinte der Ehrverteidiger seines Hundes.

Die Amerikaner wählen solche Typen als Präsidenten; ach ne, der trinkt keinen Alkohol, ach doch, das muss man erstmal hinkriegen, ohne Alkohol.

Die zweite Begegnung war in Dronte. Ein älterer Mann mit Schirmmütze.
„Können Sie mir sagen, ob hier irgendwo ein Lebensmittelladen geöffnet hat?“
„Die sind alle auf!…..Ach, nee, was für einTag ist heute? Sonntag? Dann machen die erst heute abend auf.“
„Sind sie Renter?“
„Klar“

und dann erzählt er, dass er Ärger mit seiner Bank hat. Er soll sich einen Computer oder ,wie heißen die Dinger, Smartphone anschaffen. Morgen sei er wieder bei der Bank eingeladen, die können meine Busfahrkarte bezahlen, sagt er. Sollen sie mich doch besuchen kommen, dann gibt’s sogar Kaffee und einen Snack. Früher wollten se mein Geld und meine Pension kriegen sie immer noch und jetzt soll ich mir einen Computer anschaffen?
Ich hasse die modernen Zeiten. Ich bin ein 50ziger, 60ziger Jahre Mensch, ein Hippie.

Geht mir ähnlich, sage ich. Reiche ihm meine Hand über den Navi am Lenker hinweg, auf den ich nicht verzichten möchte.

Dass ich selber nicht richtig mitkomme, reflektiere ich später, als ich mich darüber wundere, das Hippies die Konservativen von heute sind.

Später lese ich nach, dass Flevoland, der Boden über den ich von Dronte bis Lelystad rollte, in den 50ziger Jahren noch viel aus Wasser bestand, dass Flevoland erst seit 1986 eine eigene und die jüngste niederländische Provinz ist.

Weitergehts, sonst komm ich irgendwann in die Dunkelheit.

Jpeg

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Gildehaus

Ostmühle Gildehaus

Alles sehr schick Richtung Westen von Rheine aus. Bad Bentheim oben aufm Berg mit ner Burg und Kurzzeittouristen.
In Gildehaus hat Otto Pankok, der Schwarzweißkünstler, der die Welt aber durchaus nicht schwarzweiß gesehen hat, sich aufgehalten und einiges geschaffen; länger übrigens in dieser Zeit in Pesch in der Eifel. Interessanter Typ, Meister des Holzschnitts, Freund der Sinti und Roma, Professor von Günther Grass.

Selber gerade in Oldenzaal.

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Die Arschlochlüge

Das ist ja alles nicht passiert
Und trotzdem für uns recht und richtig
Obwohl es niemals existiert‘
Nichtsstutzig sind wir ungeheuer wichtig

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Spätsommerfahrt

weniger ist mehr….haben und sein….das nervigste an einer Tour ist das Packen.
Das Packen von Gegenständen, die man braucht.
Keine Lust dazu.
Aber gerade diese Lust nach Schwerelosigkeit, der Schrei des Minimalisten nach der nächsten Mülltonne, um sich wenig erscheinen zu lassen, indem man einfach wegwirft, um wieder zu besorgen, all die großen, platzeinehmenden Hallen, die um ein riesiges Weniger, das mehr sein soll, herum gebaut sind, all das ist Hohn.

Nichts möchte ich haften an meine Ziele. Morgen geht’s durch den Aachterwinkel, glaube ich, mit dem Rad.

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