Oft fühle ich mich gezwungen eine Meinung zu haben. Das hat wohl etwas mit Platz nehmen, Selbstbehauptung und Macht zu tun.
„Warum hast Du denn nichts gesagt?!“
Bei diesem Vorwurf, geht’s ja meistens nicht um Meinung, sondern um Willen.
Z.B. bei „Nur Ja, heißt Ja.“ Schweigen bedeutet „Nein“. Also ist es gesagt durch Schweigen.
Bei Meinungsdingen geht es ja oft darum die Willensdinge zu beschreiben. Eigentlich kann ich an anderen Meinungen meinen Horizont erweitern und lernen.
Vor Kurzem, habe ich z.B. die Unschuldsvermutung von Juristinnen, als verfassungsmäßiges Grundrecht beschrieben bekommen, als Schutz des Individuums gegen den Staat. Da wird von Fachkundigen Wichtiges erklärt, dass Angeklagte oder beschuldigte, erst Täter sind, wenn ein Gericht das festgestellt hat. Nicht, dass ich das nicht gewußt hätte, aber genauso gut habe ich es immer noch nicht richtig verstanden.
Eigentlich kann ich noch gar keine Meinung dazu haben, außer, dass dies ein sehr wichtiges Recht ist.
Wenn andere mir das aber immer wieder erklären müssen, bzw. ich als Laie nie auf deren Wissensstand kommen kann, fühle ich mich platzloser, weniger wichtig ….und dann muß ich halt irgendeine Meinung raushauen.
Oder ich mache es mir bequem mit Dummheit. Oder ich bin verhext davon , wie Dreistigkeit und Gier siegt, davon wie der Egoismus unseres Systems mir Platz gibt, in dem ich mir z.B. ein großes, dickes Auto leisten kann.
Oh, jetzt habe ich überhaupt nicht geschwiegen.