Der Wilhelm der Doofe, der Oberganove….

Bin gerade in Doorn, ein Stück östlich von Utrecht, von einem Westwind getrieben auf der Rückfahrt mit dem Fahrrad.

Weil ja jetzt der ganze Schnickschnack mit dem ersten Weltkrieg läuft:

Hier hat seine kaiserliche Hoheit im Exil gelebt, nachdem er abgedankt hatte; wie? In der englischen Wikipedia steht unter anderem:

„Much of his time was spent chopping wood and thousands of trees were chopped down during his stay at Doorn.“

Zu viel Bäume haben die hier wirklich nicht, aber es gibt schlimmeres, was der gemacht hat.

Mal sehen wie es weiter geht, möchte hier nicht ins Exil

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Hier und Jetzt und Dort Heute Morgen

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Ist nur noch eine Stunde bis zum Anlegen. Gerade eine Karte von der kompletten Tour skizziert. Das Nachvollziehen über den Karten schließt wieder den Kreis: Das Träumen von der Reise, das Entlanggleiten mit dem Finger auf der Landkarte, das Erfahren selbst und dann das Nachbereiten.

Habe mal gedichtet:

Das Vor- und Nachher ist ein Traum

Eine Reise gibt es kaum

 

Beim Nachvollziehen, komme ich mir nicht viel anders vor, als beim Planen.

Man ist so global heutzutage. Man, wenn ich das schreibe, man….wie geht es besser? Global? Neben mir schwappt das kalte Meer; wenn ich da jetzt reinfallen würde, wäre es aus mit meiner Globalität.

 

Zum Planen und Nacherleben. Martin Buber schreibt in „Ich und Du“:

„In bloßer Gegenwart läßt sich nicht leben, sie würde einen aufzehren, wenn da nicht vorgesorgt wäre, daß sie rasch und gründlich überwunden wird. Aber in bloßer Vergangenheit läßt sich leben, ja nur in ihr läßt sich ein Leben einrichten. Man braucht nur jeden Augenblick mit Erfahren und Gebrauchen zu füllen, und er brennt nicht mehr.“

 

All das „Hier und Jetzt“ zu dem sich die Mystiker oder ich, der Versuchsmystiker, hingezogen fühlen…..der Satz zeigt schon, wie es darum steht: Wie soll man sich irgendwo hingezogen fühlen, wenn es ständig da ist? Es ist die Angst vorm Brennen des Augenblicks und nach Buber scheint sie berechtigt, die mich davon abhält z.B. meine vermeintliche Globalität, der mit dem Finger auf der Landkarte oder ich flieg dahin, wo es geht, für eine Zeit zu unterbrechen: Alleine das hieße eine Zeitlang in das eiskalte Meer da unten zu springen, das Globale eben nicht zu begreifen, zum Objekt zu erklären, sondern in der Welt zu sein.

Aber ich glaube, dass es das gibt. Ist meine Religion.

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Baltic Kitchen

Newcastle

Hier ist alles „baltic“. Bin gerade im Fuß eines sechstöckigen Backsteingebäudes direkt am Tyne, an den Quais, wie das hier heißt. Früher lagen die Schiffe wohl bis hier rauf in die Stadt. Zum Meer runter sind es ca 10 km, das gab mein Tacho her.  L1010990

„Baltic Flour Mills“, Baltic Mehlmühle, steht auf dem Gebäude, ist aber zu einem Ausstellungsgebäude umgebaut. Ich sitze in der Baltic Kitchen in Paterre, warte auf einen Sandwich. Weil die Kellnerin so nett gefragt, ob sie etwas für mich tun könnte, habe ich noch einen Sandwich geordert, worauf sie wiederum ganz erstaunt war.

Ich hab schon wieder Stress. Spätestens bis 3 Uhr soll ich unten um Hafen sein; vor ein paar ein paar Stunden sah es noch ganz anders aus……

 

Schon wieder Kulissenwechsel. Das oben ist vor ca. 3 Stunden geschrieben worden. Ich bin jetzt auf dem Schiff nach Amsterdam bzw. Ijmuiden. Es soll in einer Viertelstunde ablegen. Gestern kam ich um die Uhrzeit gerade mit dem Fahrrad vom Küstenradweg, die Mündung vom Tyne hoch und hörte ein Schiff tuten. Ich hatte mich vertan. Das Schiff fährt nicht eine Stunde später, sondern eine Stunde früher nach britscher Zeit. Die Flut macht sich nichts aus den verschiedenen Uhrzeiten, ich schätze, dass sich an ihr der Abfahrtszeitpunkt orientiert, oder an der Fahrzeit. Meine Uhr jedenfalls habe ich schon wieder umgestellt.

Als ich im Frühling nach Portugal geradelt bin mußte ich wesentlich weiter und wirklich nach Westen fahren, um die Uhr eine Stunde zurück drehen zu müssen.

Ja, eigentlich wollte ich gestern abend schon wieder auf dem Schiff sein. Ja, es gondelte majestätisch, so wie nur Schiffe …..yea „anchor is away“ nein so heißt das „anchors aweigh“, wie der tune wohl heißt, wird gespielt, das Schiff rappelt, als wenn jemand die „Kupplung nicht richtig kommen lassen würde“, was wohl durch die Seitenschrauben kommt, die das Schiff vom Kai verdrücken, wir stechen in See, erst mal in den Fluss, es geht los……..gestern gondelte das Schiff majestätisch, so wie nur Schiffe als technische Errungenschaft und wie behäbige, gutmütige Viecher mit aller Zeit der Welt aus einem Hafen laufen können.

Hatte schon gedacht, dass es nicht klappt, hatte mich „vorbereitet“, dann „schaust Du Dir halt Newcastle noch mal richtig an!“; aber, ja aber.

Enttäuschung wird immer wieder als Gefühl bezeichnet. Es ist aber ein Gedanke! Was gab es hier zu fühlen? Klar, alles war irrational. Ich hatte nicht richtig „geplant“. Ich hätte mehr Asphalt an der Küste fahren müssen. Ich hätte mir die genaue Abfahrtszeit heraussuchen sollen. Ich hätte ohne Frühstück um 6 Uhr in Lindisfarne losfahren müssen…….

L1010994Genau das wollte ich aber nicht. Ich wollte die schönen Wege durch den Schlamm, fahren, die Berge rauf und runter, nicht auf der A-Road….Ich wollte alles, auch immer wieder absteigen und Fotos machen. L1010993Was ist daran Gefühl, wenn man alles will und nur einen Teil kriegt; warum ist der Entäuschte immer noch jemand, der unser Mitgefühl erregt, in dem Sinne, als wenn ihm ein Leid widerfahren wäre?

Ich fuhr denselben Weg am Tyne entlang, wie ich ihn schon am Dienstag früh vor einer Woche nach Newcastle gefahren war. Äh, das schon wieder, da schon wieder hoch, die Radwegumleitung…! Was war das für eine Miesepeterei, nur weil Wendel gerade mal nicht weiter gekommen war, zumindestens so nicht, wie er sich das vorgestellt hatte.

Grundgefühle sind: Angst, Agression, Trauer, Freude, Ekel und noch etwas, was ich vergessen habe. Gefühle sind ursprünglich Handlungsanweisungen, wenn man keine Zeit hat zum Nachdenken hat. Aber der Ekel vor dem Radweg z.B. war nicht durch ihn selbst begründet, sondern durch meine Situation, mein Gefühl war ein Gespinst und keine Reaktion auf meine Umwelt….

So wie ich da auf dem Radweg, ein ent-täuschter, ein von der Täuschung erlöster, keine Erlösung fühlte, sondern einen Ekel vor „nicht gewolltem“, so sind die Menschen, glaube ich, häufig. Immer ist es das andere, was nicht in den Film passt, dessen Drehbuch aber einfach schlecht geschrieben ist. Oder das Problem ist, das man überhaupt ein Drehbuch hat.

Gibt auch die, die eine tolle Roadmap im Kopf haben, die lange, viel zu lange klappt und nachher, behauptet ein ganzes Volk, es sei getäuscht worden und der Typ mit der Roadmap meint, das Volk sei doch nicht seiner wert gewesen, kurz bevor er sich die Kugel in den Kopf jagt. Ja, ja ist wieder ein Scheißvergleich, aber so läuft der Haase doch.

Was ich eigentlich nur sagen will ist: Gefühle sind nicht dummer als Gedanken. Das meißte was wir Gefühle nennen, ist nur das Unvermögen die Enttäuschung über die eigene Unvernunft zu ertragen und das ist ein Gedankenmanöver, das sich auf Gefühle projeziert. Vernunft kann sogar ein Gefühl sein. Es kann vernünftig sein, Angst gehabt zu haben. Gefühle werden oft die in sich produzierten Gespinste genannt, aber das, was sich dann anfühlt, ist ein Komplex, ein Gespinst, etwas total unklares.

Der Bursche, der mein Fahrrad also in der Dunkelheit nach Newcastle hineinfuhr, war sich all dessen bewußt und suchte in dem Kerl nach Ruhe.

„That the cheapest hotel you will find around here.“ Ein Gassigehender, der Angst um seinen kurzbeinigen Hund hatte, als ich mit dem Rad um die Ecke kam, frühzeitig aber bremste, zeigte mir den Weg zu einem ziemlich mitten in Newcastle liegenden Hotel.

An der Rezeption fragte ich dann, ob sie nicht einen günstigeren Raum hätten. Ich glaube dabei hatte ich eine ziemliche Fresse; die junge Frau an der Rezeption aber blieb freundlich, nicht einmal wehrhaft aufgesetzt, spürbar wohlmeinend freundlich, behauptete sie nur solche Zimmer zu haben.

Oh diese Freundlichkeit! Lebenserleichternde Maßnahme. Morgens, bei Lindisfarne hatte mich die Hotelchefin auch mit einem „very warm goodbye“ ein „pass auf Dich auf“ und „merry christmas“ auf die Piste gelassen.

Bei Amble einem village und keinem town, wie mich ein alter Mann aufklärte, klopfte mich dieser auf die Schulter, zog freundlich weiter. Genau so ein grauhaariger in einem Overall in Haddington, bevor es in die Lammermuirs ging; er brachte mich zum Fahrradhändler, weil ich einfach nicht kapieren wollte, wie er mir den Weg erklärte.

Eben noch, als ich anfing zu tippen, in den „Baltic Flour Mills“, die wohl lang schon kein Mehl mehr mahlen, fragte mich die Kellnerin nach einem Sandwich und einem Tee, ob sie noch etwas für mich tun könnte.

„Ja, noch’n Sandwich!“

Da war sie erstaunt.

„Zum mitnehmen?“

„Hier essen, bitte!“

Da stellte ich die Freundlichkeit in Frage. Was brachte sie aus dem Konzept? L1010989

 

Ja und die Kunst da? Besser selber angucken. Die Ausstellungen wechseln wohl auch ständig. Ach ja, die waren auch an der Information unglaublich nett. Mein Fahrrad, für das ich nur ein einfaches Schloss dabei hatte, durfte ich in eine Abstellkammer schieben; einmal durch die Vorhalle von einer Kunsthalle, hinten rum, wo eigentlich nur der „stuff“ hin darf. Besser veröffentlicht man so etwas nicht, aber soll ja nur zeigen, wie engagiert freundlich die sind. Einfach toll!

Dabei hätte ich das Rad sogar im Hotel lassen können, dort übrigens im „back office“, nachdem es die Nacht über mit im Zimmer war. Hatten die mir so vorgeschlagen: Nen echter Cowboy schläft halt auch bei seinem Pferd, bloß nicht im Stall, sondern eher im Saloon, was es bei Luky Luke bestimmt so gibt.

 

Nachdem ich so um 10 morgens in der „Laing Gallery“, die mehr die alten Schinken beherbergt, aber auch eine berauschende Installation einer ausgestopften, durch, an Fäden hängenden Löwenzahnsamen fliegenden Möwe  http://www.twmuseums.org.uk/laing-art-gallery/whats-on/exhibitions/gone-with-the-wind.html in der ersten Etage zeigt, gewesen war, ging ich in die öffentliche Bibliothek, viel größer und großzügiger, als ich es z.B aus Bonn kenne. Ein Saal war voll gut besetzter Internetplätze. Eine Dame kam auf mich zu, bereit mir zu helfen; während ich ihr erklärte, dass ich nicht „von hier sei“, was sie bestimmt schon gemerkt hatte, lockte sie einen Computer ein: Bitte setzen, kostet nix. Die Museen übrigens auch nicht. Mit Schrecken stellte ich fest, dass auf der Webseite, die Überfahrt mit der Fähre nicht mehr buchbar war. Verdammt.

Ich versuchte mit dem Handy bei der Fährgesellschaft anzurufen; die Nummer existiert nicht…… Kann an dem komischen Vertrag liegen…..ich muß das jetzt klären….ich fahre zum Hafen runter. Das war so um 11 Uhr. Also zum Hotel, wo mein Fahrrad und mein Gepäck liegt. Keine Telefonzelle auf dem viertelstündigen Weg dahin. Die Empfangsdame ist dieselbe wie heute Morgen. Ob denn alles in Ordnung sei. Ich schilder ihr mein Problem, sie stellt mir ein Telefon auf die Theke. Jetzt funktioniert die Nummer. Bestimmt viermal irgendwelche Nummern drücken. Dann habe ich eine Dame dran. „How can I help you!“ Doch, ich muß nur um 15 Uhr spätestens am Hafen sein. Puh. Aber das Fahrrad ist schon aus dem Backoffice geholt und zurück ist mir wieder zu peinlich……..

Vor ein paar Wochen ist mir ein älterer Mann in Bonn mit einem bepackten Fahrrad begegnet; er fragte mich nach einem Hotel, war sichtlich geschafft. Ich hatte Zeit und wollte ihm den Weg zeigen, er wollte das nicht.

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Lindisfarne

Im Inn

Tippe gerade im „Lindesfarne Inn“. Super, dass ich genau hier halt machen mußte. Soll ne schicke Klosterruine sein, ein Stückchen draussen auf einer Halbinsel in der Nordsee. Sehen kann ich hier nichts. Ist schon seit ca. 16 Uhr dunkel vielleicht sogar etwas früher, sind schon skandinavische Breiten hier.

Bin sau froh, meine kleine Taschenlampe dabei zu haben: Mit Einbruch der Dunkel heit, kurz vor Berwick-upon-Tweed, wo ich dann auch wieder den Tweed überschreiten Richtung nach Hause sollte…….Gerade kommt hier die Melodie des deutschen Schlagers „Es ist nie zu spät…“, scheint hier ein Weihnachtslied zu sein, schön kitschig, mit Sprechgesang und so….kurz vor Berwick hatte ich einen Platten, fand aber mit der Taschenlampe zwischen den Zähnen ….jetzt kommt Boney M. mit Merrys Boychild, geilomat……fand mit der Taschenlampe zwischen den Zähnen den Fremdkörper im Reifen. Ist schon der zweite Platte, komisch, der Reifen hat noch richtig Gummi, muß daran denken den ausgetauschten Schlauch noch zu flicken.

Außer dem, konnte ich die Taschenlampe gebrauchen, um die Schafsgatter am Nordsee-Radweg ordnungsgemäß auf- und wieder zu verschließen, hatte wieder ne richtige Adventstour, Türchen auf….Jetzt kommt „Winter Wonderland“ warum spielen die nicht mir zu Ehren „Kleine Taschenlampe brennt….“?

Aber am Meer war klarer Nachthimmel, unglaubliches Sternengeprange und ein sehr modifiziertes Schwappen der Nordseewellen fast bis an meine Fahrradreifen. Mir war warm und ich kam mir schon ein wenig vor wie Eichendorff in seinem Weihnachtsgedicht, wenn er „Hehres Glänzen, heiliges Schauern“ beim Wandern „aus den Mauern“ empfindet; aber ich frag mich was das mit Weihnachten zu tun haben soll? Ist doch ein soziales Fest und nicht ne Art von autonomer Gotteserfahrung auf der „grünen Wiese“, auch, wenn sie verschneit ist. Au weia, wohin einen die angelsächssischen Weihnachtslieder so treiben…..was auch wieder quatsch ist: „Dreamin‘ of a white Christmas“ hat eine Jude, Irving Berlin, geschrieben….ausserdem ist Boney M. von Frank Farian formiert worden, also ja was? Hab hier diesen komischen UKIP Nigel im Fernsehen gesehen…..Hölzchen, Stöckchen.

 

Wirklich noch erwähnenswert: Nicht nur die sternenbesetzte Dunkelheit war schön, sondern der komplete Tag. Suche gerade mal das schönste Bild aus den Lammermuirs, ja, da wo Walter Scotts oder Donizettis, Bride bzw. Lucia herkommt, hört das eigentlich nie auf mit den Assoziationen, die Weihnachtsmusik ist schon aus.

Gut Nacht.

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Vierte Tag in Edinburgh

Beim Reisen wird die Zeit gedehnt. Die Eindrücke prasseln auf mich ein und nach ein paar Stunden Radfahren denke ich, schon Jahre unterwegs zu sein. Jetzt ist schon der vierte Tag, an dem ich nicht Rad fahren war. Tee trinken, Sandwiches essen, etwas zu essen einkaufen.

und Eindrücke zusammen stellen…..

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Leith

Hört Mann eigentlich nicht auf ein alter Sack zu sein? Sitze gerade in einem von diesen Sandwich, Teekaffeebuden unten am Hafen……haha, ich merke, wie ich schreibend, eins von diesen Klischees aufbaue, sage ja, dass ist der Scheiß beim Berichten, das mit den Bildern, den Versatzstücken, der Idiomatie der Sprache. Also ich bin nicht in einem Puff, aber hier wirken vier Elfen, auch das ist Quatsch, denn so wunderschön sind die drei jungen Frauen auch nicht und sie werkeln hinter ihrer Theke eher wie emsige Zwerge, denn wie Elfen, aber es hat was. Sie freuen sich einfach über das, was gerade im Radio läuft, haben Spass bei der Arbeit, sind total freundlich zu den Leuten, haben sich auf die unterschiedlichsten Arten schick gemacht.

Der Genießer genießt und schreibt? Genieße ich,? sabernder Sack, hormongesteuertes Männlein, sehe mich gerade in einem Spiegel, gegenüber an der Wand, über die Lesebrille schauend, mit dem grauen Bart und der Nase, die langsam zu schrumpeln anfängt.

Da, so wirkt die Beschreibung, nichts von all dem ist Sein, alles nur Bilder machen. Aber daran erfreuen sich die Menschen am meisten: An den Stories, am Vergangenen, am Klatsch, an Sex and Crime, an der Literatur, dem Film, dem Computerspiel.

Wie läßt sich die Schönheit hier in diesem Cafe berichten? Nicht, gar nicht. Macht mal ein Foto! Es ist nie so, wie Ihr es eigentlich machen wolltet und nur ein Profi, weiß um Realitätsfernheit seiner Bilder und die Käuflichkeit eines gelungenen Bildes.

 

I want to become a roadmovie

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Jenseits des Tweeds und schon in Edinburgh

Bin gerade gebeten worden, ob ich mit den Hunden gehe, Stress morgens, heute früher zur Arbeit. Ich trau mir nicht zu mit einem Plastikbeutel die Scheiße vom edingburgher Pflaster zu kratzen. Gestern war es teilweise gefroren; ein junger Mann ist im Dunklen vor uns hin geknallt, als wir an der Tanke waren, um Kaminholz zu holen. Er stand wieder auf, alles gut, meinte er.
Eben noch eine Diskussion zum frühen Morgen: Der Historikerstreit in Deutschland in der Kohl-Ära, als es darum ging, ob die deutschen Verbrechen einzigartig seien oder nicht. Für mich damals ein Grund nicht weiter Geschichte zu studieren, besser ein Anlass, aber der ist wohl auch nur nachträglich von mir erfunden worden; zur Uni zu gehen war nichts für mich. Trotzdem: Mein Kumpel geht mit Jeans zur Arbeit, obgleich Jeans in den Büros dort verboten sind, weil er keine Lust hat sich seine „Arbeitsklamotten“ im Schneematsch zu versauen, „Casual Friday“ its die Ausrede: „Da reden wieder heute Abend weiter drüber!“

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Bin jetzt schon über einen Tag in Edinburgh. Gestern um 1 Uhr morgens mit dem Fahrrad hier angekommen. Aus den geschätzten 120 km in Bellingham sind hier in Edinburgh schließlich über 190 geworden, mit über 3000 Höhenmeter. Es wären auch noch mehr geworden, wenn ich nicht bei Middelton, wo es noch ca 12 Meilen bis E. warren, nicht auf die A-Route gewechselt wäre, die zum Glück fast gar nicht mehr befahren war. Fahrradfahren geht hier wohl nicht von A nach B sondern nur von A nach Z, kreuz und quer mit den anderen Buchstaben die dazwischen sind. Die direkten Wege bleiben den motorisierten Fahrzeugen vorbehalten. Oder du fährst zusammen mit denen. Man darf hier auch auf vielen Strassen, vierspurigen mit Fahrbahnteilern auf dem Seitenstreifen fahren. Die A-Road, die ich hätte nehmen können, ist aber zweispurig, total befahren und hat noch nicht einmal einen Seitenstreifen.

In Norththumberland war recht schön Radeln und das britische Frühstücksfett schien alles schön zu schmieren.

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In den „Borders“ war es dann auch nicht großartig anders. Gefühlt so, als wenn man von der hessischen in die bayrische Rön fährt.

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Ab Jedburgh ging es wieder durchs Dunkle. Schneematsch lag auf den Strassen, von Süd bis West peitschte ein Sturm übers Land, der ziemlich verheerend an der Westküste gewütet haben mußte. Oft ging´ s halt, bei der „Kreuzerei“ auf den kleinen Landstraßen gegen diesen Wind. Aber das Gefühl blieb gut. Auch ein Grund diese Reisen zu machen. „Verzweiflung an zu testen“.
Einmal führte mich der Navigator in eine Sackgasse für Autos und dann stand ich vor einer Furt. Muß wohl ein alter Weg gewesen sein. Für die großrädrigen Holzkarren war es kein Problem da durch zukommen. Für die Radfahrer und Fussgänger war jetzt aber ein Steg da. Auf den drauf zu kommen war aber nicht einfach, das Fahrrad bis zu den Naben schon im Wasser, mein Füsse an einer Böschung immer nur Zentimeter oder Inches vom Wasser entfernt, mit der rechten Hand auf den Lenker gestützt die linke an einem Zaun festhaltend. Dann auf dem Steg war es sehr glitschig. Zwar waren Leisten quer auf die Dielen genagelt, meine Schuhabsätze also fest auf den Steg gepresst, aber das schwere Fahrrad habe ich rechts gehalten und mit der linken Hand am Steggeländer die kleine Brücke hinauf gezogen. Runter war es schlimmer. Ich war der Strick zum Abseilen des Fahrrads. Unten, am Stegende, sanken die Packtaschen ein gutes Stück mit ins Wasser ein; Scheiße, das sind keine Ortliebtaschen, kein wasserdichter Kunsstoff, nur dichtgewebte Baumwolle. In Edingburgh waren die Sachen zwar kühl, aber trocken….

Den Tweed überquerte ich übrigens zwischen Melrose und Galashields, was nicht unkompliziert war, da die spezielle Fussänger- und Radfahrerbrücke gerade gesperrt war.
Öfter mal wäre mir, während den über 13 Stunden Fahrzeit, ein heißer Tee recht gewesen. Gerade mal in Jedburgh bot sich etwas an.
Ich bleibe entusiastisch bei dem Quatsch. Ich komme mir irgendwie gereinigt vor. Das ist übrigens bemerkenswert an den Briten; sie enthalten sich jeder Bewertung, bei dem was ich da tue und wünschten mir nur eine „safe journey“.

Den Tag gestern habe ich im schottischen Nationalmuseum verbracht: Ein tolles Sammelsurium. Die in der lichten Halle aufgebauten „Setzkästen“ mit Exponaten demonstrieren die Vielfalt der Sammlung. Man zahlt nichts um rein zukommen, viele Schüler laufen herum, informieren sich, manches Exponate sind zum anfassen, von anderen soll man freundlich darauf hingewiesen seine Finger lassen, ist für die Leute, macht Spass.

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Immer noch dieseits des Tweeds, aber längst schon über den Tyne

Bin bei Bellingham, was schon wieder ein Stabreim ist, aber nicht stimmt; ich bin in Bellingham. Der Ort ist klein, südlich vor dem „Kielder Forrest Park“ gelegen, hinter dem dann so nach ca 20 km die schottische Grenze kommt.

Sind also noch so 110 oder 120 km bis nach Edingburgh, aber morgen soll es stürmen!

Wo ist den der nächste Bahnhof, habe ich die junge Frau gefragt, die die Rezeption hier in der Unterkunft macht. „Edingburgh“, sagte sie, weil sie schon wußte, dass ich dahin will. Aber ich komm schon weg………

„Adventstour“ wollte ich die Fahrt heute nennen, weil ich dauernd Törchen aufmachen mußte, bestimmt mehr als 24; viele Wege, auch asphaltierte gehen hier durch privates Weideland und die, die Schafe und Rindviecher zurückhaltendenden Tore, sollen immer wieder geschlossen werden. Ich hatte für die Route von Newcastle nach Edingburgh „Leisure“ eingegeben und kam nachdem ich aus Newcastle raus war, die schönen kleinen Wege lang, in denen Autos zu zweit keinen Platz haben und bin auch wenig Autos begenet. Gleichzeitig hatte ich Regen, Wasser nachher in den Schuhen stehen, was nicht so schlimm war, weil es hier gerade viel wärmer als die letzte Zeit auf dem Kontinent ist, über 10°. Und es ist verdammt früh dunkel hier. Trotzdem finde ich die Tour geil, weil………

Jemand hatte mir prophezeit, dass ich krank werden würde, aber es passierte nicht beim Radfahren, ich war seekrank. Die Nacht, während der Überfahrt, wachte ich aus Alpträumen auf, bei denen ich in einem wild gelenkten Reisebuss Passagier war. Wach hörte ich oft, während ich darüber nachdachte, wie hoch der Jumper war, den meine Koje gerade gemacht hatte, wie etwas schrecklich gegen das Schiff rumste. Ein Eisberg? Norwegian Wood? Ein Waal? Vielleicht ist Fliegen ja doch besser als mit dem Schiff zu fahren, also aus politisch korrekter Sicht.

So war mir morgens so schlecht, dass ich das im Voraus bezahlte Frühstück nicht in dem Maße zu mir nehmen konnte, wie ich mir das vorgestellt hatte. Und die Leute drumherum: Schön konnten die reinhauen, während ich am liebsten nach Zwieback und Fencheltee gefragt hätte.

Der Emmigration Officer ließ mich schnell rein, auf die Insel. Den Tyne fuhr ich fast solange entlang bis es dunkel wurde, erst dann lenkte mich der Navi nach Norden, Leisure halt.

In Newcastle nahmen mich zwei deutsche Männer, die ich angesprochen hatte, ins Schlepptau, erklärten mir den Wechselkurs und brachten mich in Gegend wo die Banken sind, zum Geld ziehen. Sie stellten sich als Chaffeure von Chris Rea heraus. Ich gestand Chris Rea nur als Berümtheit, sonst aber nichts von ihm zu kennen, und sie versprachen mir, dass sich das ändern würde, sobald ich die ersten drei Töne bewusst gehört hätte.

 

Hoffentlich werde ich bald ein Roadmovie.

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Näher am Tweed, aber noch auf See

2 Tag

War schnell vorbei der zweite Tag. Entgegen dem ersten, an dem ich um 1 Uhr morgens schon auf der Strasse war, fuhr in Bunnik erst um 9 Uhr 30 los, obgleich ich schon um 6 Uhr 30 anfing zu frühstücken.

Ich hatte wenig zu Abend gegessen, so schlafe ich besser und die Frühstückbufets von den Hotels geben ja eine Menge her: Eine Frau, im weissen Kochdress fragte nach meiner Zimmernummer und dann, ob ich Roereitjes haben wolle. Ja. Met Spek. Ja….Es gab sogar Salat und Olivenöl, Berge von Obst usw.

Dann mußte ich ja auch noch schreiben: Ich brauche dafür ziemlich lange…

Was zum erzählen haben! Ist es das? Ist das der Grund für die Aufzeichnungen? Es gibt einen klaren Auftrag von meinem Kunstlehrer und spätere Freund Günther Scholl, der immer wieder mich dazu anhielt etwas von meinen Reisen zu schreiben. Er zitierte öfter mal gerne und ein Zitat war aus einem Buch, das ich ihm empfohlen hatte: Alfred Andersch; Winterspelt. „Du hast die Wüste gesehen, beschreib sie!“ Ich habe das Buch vor einiger Zeit quer gelesen und das Zitat nicht gefunden, ich hoffe ich erzähle hier keinen Quatsch.

Diesen Auftrag, die Wüste zu beschreiben, beim Sehen, also zum Schildern verpflichtet zu sein, ich weiß nicht, ob ich den erfüllen möchte.

Viele sagen mir, dass sie auf meinem Gepäckträger mitfahren möchten, aber der ist gerade auf Deck 5, an dem Fahrrad, das in einer Fähre nach Newcastle festgebunden ist. Es ist 19:10 nach CET, meine Uhr aber ist schon eine Stunde zurück gedreht. Um 10 Uhr britischer Zeit legt die Fähre an. Ich könnte mir den neuen Turner Film unten auf Deck 1 um 22 Uhr angucken.

Rechts neben mir schäumen seitwärts Wellen weg, ich habe einen Fensterplatz…die Kabine allerdings kein Fenster. Woher kommt die Dame vom Guest Service Center links neben mir, vielleicht irgendwo aus den Niederlanden, aber irgendwelche Vorfahren von ihr kommen aus Asien. Ist das wichtig? Die Seeleute unter Deck, der Matrose, der mir geholfen hat mein Fahrrad zu vertäuen, hatte einen slawischen Akzent, was totaler Blödsinn ist, weil Polen ganz anders Englisch sprechen als Russen…

Bei der Beschreiberei schleicht sich schnell Bewertung ein, schräger Kram, Vorurteile, Allgemeinplätze.

Bei meinen Reisen möchte ich eigentlich so etwas wie „Werdung“ beschreiben!

Wendel, will wirklich weiter. Ich möchte ein Roadmovie sein.

Anekdoten? Die von Naviki.org herunter geladene „kürzeste Route“ führt mich mittels des GPS Navigators mitten durch Utrecht. Alle anderen großen Städte hatte das Program von Naviki nicht getroffen; Köln z.B. großartig im Grüngürtel auf Radwegen umfahren. Irgendwann, nach dem ständigen Halten an den Ampeln Utrechts meldete der Edge 800 von Garmin, dass der „Virtual Partner“ jetzt aufhören würde. „Super, dich habe ich sowieso nicht gebraucht!“ Ich hatte zwar gewußt, daß es diesen künstlichen Mitfahrenden in den Tiefen dieses Geräts geben würde, aber durch Nichtbeachtung meldete er sich dann auch noch ab. Ist das ne Anekdote?

Sonst ist halt nichts passiert. Aber das andere ist wichtiger. Was? Die „Werdung“.

Werdung bedeutet mir aufzulösen, dass ich beim Berichten Objekte vor mir habe.

Max Frisch, zitiert in seinen Tagebüchern, das zweite Gebot, so ca 1946, also ziemlich früh, dass wir uns ständig Bilder machen von den Menschen, ausser von denen, die wir lieben: Sie passen nicht ins Bild.

Die Welt lieben hieße also sie zu beschreiben, ohne „sich ein Bild“ zu machen. Das nenne ich Werdung, vielleicht weil „werden“ was mit „sein“ zu tun hat, ist sozusagen eine Option von sein; was man noch nicht ist, kann man werden.

 

Aber vielleicht reicht ja auch das Bild von der Gans.

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Erste Etappe

Relevanz

Bunnik 6km östlich von Utrecht

 

Ich hatte mich auf die Sinnfrage eingelassen. Wenn man Leute ernst nimmt und diese fragen: „Warum machst Du den Quatsch überhaupt?“ oder besser noch, ohne selber involviert zu sein: „Lass den Quatsch!“ befehlen, ist man eben bei der Sinnfrage und bei der Rechtfertigung, der Relevanz.

Leider hört man dies viel zu selten heut zu Tage. Individualität, Autentizität sind sogar bei der massenweise hergestellten Jeans das wichtigste und da fällt es schnell auf einen zurück, wenn man irgendetwas für sinnfrei oder anormal hält. Zwar gibt es genau bei all diesen freien Individulisten „Dinge, die die Welt nicht braucht!“ aber das liegt eher an dem schön flüssigen Satz, als daran, dass Normen da für da sind sie zu brechen, um noch mehr Freiheit zu empfinden, da es fast gar nichts mehr zum Brechen gibt, was die Zeitgenossen zu einem großartigen Haufen von freien Menschen macht, was ich sowohl ironisch, als auch ernst meine.

 

Meine erste Etappe, nachts um 1 Uhr im Winter in Bonn gestartet und um ca 16 Uhr in Utrecht beendet, habe ich allein deshalb gemacht, um ein Foto zu schießen.

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Ich habe sie gemacht um aus dem Bett gekrochen, nachts die Besoffenen auf den Strassen zu sehen, aus dieser anderen Perspektive eben, des frisch erwachten.

 

Ich bin die Etappe gefahren, um die Sicherheit zu empfinden, mit der ein Navi einen durch die Nacht auf den tollsten Schleichwegen führen kann, was gleich ein wenig revidiert werden wird.

 

Ich bin die Etappe gefahren, um die großen niederländischen Fenster zu sehen, die einen einladen zu schauen, was hinten im Garten angebaut wird. Wenn das nicht offen ist, weiß ich es nicht. Im Erdkundeunterricht habe ich einmal den Spruch gehhört „Gott schuf die Welt; die Holländer Holland“! , womit die Landgewinnung gemeint ist. Wenn Schaffen, aber mit dem Fremdwort Creativität verwandt ist, quellt es einem überall beim Durchfahren der Landschaft entgegen, wenn es nur bunt angestrichene Zaunpfosten sind oder aber Hausboote, die es in Deutschland, so wohl nicht geben dürfte, wo kämen wir da ja auch hin……

 

Irgendwo an der Maas, ich glaube bei Ravenstein, führte mich die von naviki.org geladene Tour, die ich bis dahin super fand, weil sie mich über Stock, Stein und nachts unbefahrene Autostrassen geleitet hatte, zu einer Fährstelle, die nur sommers diente. Ein Südwester kam gerade jetzt stärker von Westen und es fing an zu regenen.

 

Vielleicht hätte ich es, wenn ich pünktlich um 12 Uhr gestartet wäre, geschafft an einem Tag, mal eben, unter Zuhilfenahme der Fähre von Amsterdam mit dem Fahrrad nach Newcastle zu fahren. Das hätte wahrlich Sinn gemacht.

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