Aus dem Grase steigt ein Summen
Emsig zeigt es mir, dem Stummen
Sommerjugend, miteinander
Ganz allein ich, doch ein Band da
Dieses Summen ist ein Glück
Einfach da und nicht entrückt
Aus dem Grase steigt ein Summen
Emsig zeigt es mir, dem Stummen
Sommerjugend, miteinander
Ganz allein ich, doch ein Band da
Dieses Summen ist ein Glück
Einfach da und nicht entrückt
War wichtig das Lager zu sehen. Die beiden riesigen Nazi Verbrecher Lager, Auschwitz und Auschwitz Birkenau.
Der Tourismus tut weh, wenn sich die Leute vor dem Eingang von Birkenau so wie vor den Eifelturm stellen, um sich fotografieren zu lassen und wenn Schilder aufgestellt werden müssen, auf denen immer wieder steht, dass hier überall 1000sende von Menschen umgebracht wurden, man sich deshalb leise verhalten soll.
Die Reise hierhin war wichtig. Hoffentlich kann ich irgendwann einmal schreiben, warum.
Bin gestern schon hier angekommen und jetzt ist schlechte Laune. Habe schlappe 20 Minuten, um etwas abzusetzen, so lange braucht die Wäsche noch zum Trocknen; während sie wusch, konnte ich nämlich meinen Schlauch vorne flicken, wobei ich merkte, dass ich den falschen Ersatzschlauch, einen mit Autoventil, den ich eigentlich gar nicht gebrauchen kann, den mir mal jemand schenkte, mitgenommen habe.
Richtig geflickt ist der Schlauch scheinbar auch nicht, oder ich habe den Fremkörper nicht gefunden…Kopfschmerzen, außerdem regnet es hier hier und es ist über 20 Grad kälter, als zu der Zeit, als ich losgefahren bin…….alles ganz schlimm…..na und gestern war ich in Lidice, was soll dann noch schlimm sein?
Das ist immer so eine Sache mit dem Vergleichen oder etwas für „einzigartig“ zu halten; das machen die Gelehrten oft und streiten sich darüber und eigentlich geht es um etwas anderes; die Frage ist nicht ob man etwas vergleichen kann, sondern, was die Absicht hinter dem Vergleich ist. Die Absicht der Vergleicher im Historikerstreit, war eine Schwammdrübermentalität der Tätererben und das hatte nicht geklappt. Die deutschen „Taten“ sind in Deutschland angeblich besonders gut aufgearbeitet, auch darin sind die Deutschen wohl Weltmeister oder Europameister oder so etwas……Aber bei all dem ist es doch auch noch die Frage, wie es sich anfühlt. Wie fühlt sich das nationale Erbe von so einer Verbrecherbande an?
Das sind Bruchstücke, wer weiß schon, was der Historikerstreit war, ist ja auch schon wieder Historie.
Die Wäsche ist gleich trocken, ich muß was Essen, einen Schlauch kaufen……..ganz normale Sachen, warum bekomme ich die wichtigen nicht geregelt?
Noch Daten und Anschauungsmaterial von der Tour:
Grünberg 20 km östlich von Gießen. ca 150 km bis hierhin. Ganz schön warm war es heute.
Bis Uckerath fast kein Auto gesehen, dann wurden es langsam mehr, auch die Motorräder. Hatte den Kontrast zu den Waldwegen, auf denen ich zwischendurch immer wieder gefahren bin, wo das Fahrrad lustig „tischte“, wie ein Flummi. Ich fahr eben die direkte Route. Grob sind die KFZ auf der Strasse.
Wenn man sich über Autos und Motorräder, die kleiner sind, nur zwei Räder haben und immens mehr viel Krach machen, was mir unnötig scheint, aufregt und ihnen nicht ausweicht…..jup, dann ist man, was? Jemand, der die Erkenntnis hat, das KFZ grob sind.
Es gibt schlimmeres.
Drei Begegnungen hatte ich heute.
Beim Capucino in Altenkirchen, sagte ein Herr zu mir, ohne, dass er mich vorher angesprochen hätte, einfach so: „Alkohol ist nicht gut für die Potenz!“
„Ich trinke doch gar keinen Alkohol!“
„Ich wollte es doch auch nur mitteilen.“
Das war die Unterhaltung.
Dann auf der Strecke Richtung Herborn hatte ich Durst, nicht mehr viel in den Flaschen, komme an einer stark befahrenen Bundesstrasse durch ein Ort, der vollkommen tot ist. Sehe dann ein altes Paar, er arbeitet an den Beeten, sie stützt sich auf ihren Rolator.
„Die lasse ich in Ruhe“, denke ich mir.
Auf fünzig Meter ruft mir die alte Frau im ostpreussichen Sound zu:
„Haste Durst?“ „Jungchen“ hat sie nicht gesagt, hätte aber gepasst.
Ich näher mich, auf der Haustreppe steht eine Flasche Vitel.
„Komm, nimm, is janz frisch aufgemacht.“
„Leitungswasser reicht doch!“
„Nimm, wir sind Menschen!“ sagt sie fast entrüstet.
„Wo willste denn hin.“
„Nach Polen“, sage ich in der Hoffnung, dass sie etwas zu erzählen hat.
„Dann nimm doch die janze Flasche.“
Habe ich nicht gemacht.
Auf dem Campingplatz hier in Grünberg, meint ein alter Mann zu meinem Einmannzelt, er wäre froh gewesen, wenn er so eins in Gefangenschaft gehabt hätte.
„Wo waren Sie denn in Gefangenschaft?“
Bei den Amerikanern. Bei Bad Kreuznach auf dem „Feld des Jammers“, was ein Kriegsgefangenenlager unter freiem HImmel, einfach nur eine Weide, mit Stacheldrahtverhau gewesen ist.
Jahrgang 1928 war er, mit 16 Jahren Soldat. „Schon wieder Kinder“ hätte der Amerikaner gesagt, der sie verhaftet hat.
Auschwitz darf man, darf ich nicht vereinnahmen oder instrumentalisieren. Ich bin kein Opfer, kein Nachfahre von einem Opfer.
Trotzdem will ich dahin fahren, die Tour dahin beschreiben.
Je intensiver ich versucht habe, mich mit Literatur und Filmen zu informieren, um so stärker wurde meine Form aufgelöst. Mental bin ich gar nicht in Form.
Ich, Ich, Ich……das passt nicht zum Ziel, die Reise ist mir trotzdem wichtig, wichtiger als nach Santjago de Compostela zu pilgern:
Wenn nach Adorno „Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, die allererste an Erziehung“ ist, dann ist eine Fahrt dorthin einer der wichtigsten „Bildungsreisen“ die man zu vollbringen hat.
Ich habe mich allerdings mein Leben lang nie getraut, Gedenkstätten gegen das „Deutsche Grauen“ zu besuchen. Nach fünfzig Jahren ist es Zeit. Morgen am Donnerstag den 4.Juni fahre ich mit dem Fahrrad los.
Ein paar Tage später hatte ich die Idee für den ausgekippten Kaffee die volle Verantwortung zu übernehmen.
Ich hatte doch wirklich Angst das Gedicht auf Facebook zu veröffentlichen, weil Facebook doch ein us-amerikanisches Unternehmen ist; die könnte sich beleidigt fühlen, weil ich einen ihrer heiligsten Sprüche verwurste.
Aber an meinem Beispiel sieht man ja, dass es für viele gar nicht darum geht nach „Glück zu streben“ sondern einfach nur das Irrationale, Beängstigende los zu werden: Ausserdem, wenn irgendetwas „Amerika“ beleidigt, dann bekommt es das sowieso mit.
Mir ging es aber gar nicht um Amerika, sondern den unentwegten Druck, der es Menschen oft unmöglich macht Angst zu haben, zu trauern, um daraus Kraft für Ihr Leben zu schöpfen.
„……auf das beherrschte Samos hin/ gestehe, dass ich glücklich bin…“ Glück in Verbindung mit dem Imperativ, klappt nicht.