Wechselzone

oder „The Town I Loved so Well“

Bin in Derry, auch Londonderry genannt, was wohl auch etwas mit der politischen Einstellung zu tun hat. Londonderry habe ich aber bisher keinen sagen gehört.
Das Lied oben, sein Titel ist von Phil Coulter, der kommt hierher und beschreibt darin die Zeit in den 70zigern.

Gestern bin ich mit einer Fähre vom Königreich in die Republik, heute am Foyle entlang nördlich von Derry wieder ins Königreich gekommen.
Man merkt diese Wechsel fast gar nicht. In der Republik gibt’s km und Euro, im Königreich Miles und Pound, sonat war der Strassenbelag anders.
Aber kein Schild, kein Hoheitszeichen, hier in Derry habe ich auch bisher keinen Union Jack gesehen.
Die B&B Lady von gestern arbeitet als Köchin, hier in Derry, lebt aber in Greencastle, in der Republik, wo der Foyle ins Meer mündet.

Die Stadt hat eine Friedensbrücke und macht auf mich innendrin einen ziemlich friedlichen Eindruck.
Was kann man angesichts all dessen Unagressives über den Brexit sagen?

Jpeg

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Colraine

Passing Northern Ireland

Gerade in Colraine. Auf den Inseln gibt’s überall heisse Kartoffeln mit Schale und etwas drüber: Baked beens oder cheese tomato z.B. und Tee, herrlich viel aus Blechkannen.

Gestern hatte ich versucht heraus zufinden, was Orangisten eigentlich sind. In fast jedem Ort hier gibt es eine Orange Hall. Wenn man nachschaut landet man beim niederländischen Königshaus. Es gab vor langer Zeit einmal einen von denen, son Wilhelm, der den katholischen Einfluss auf den englischen Thron militärisch entgültig den Gar ausgemacht hat und gleichzeitig König der Generalstaaten und von England war.
Die orangenen Fussballfans und die Hardliner hier in Nordirland beziehen sich mit ihrem Farbenwahn ganz entfernt doch irgendwo auf dasselbe.
Der kommt aber urpsrünglich aus der Provence, aus Orange, total weit weg von hier. Globaler Wahnsinn, hat doch nichts mir richtiger Tradition zu tun.
Ist wirklich schwer zu verstehen, was hier abgeht. Aber die Leute hier sind ausserordentlich freundlich.

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Tolle Fritte oder der Tanz auf dem Untertassenrand

sehenswürdig!

Bin kurz vor Ballymena, Brougshane heisst der Ort. War beschwerlich hier rüber. Wahnsinnsrampen, wieder schmal und ohne Autos und brutaler Gegenwind. Hab mal gelesen, dass Irland, so wie Tschechien übrigens auch, geomorphologisch einer Untertasse gleiche: Der gebirgige Tassenrand umgibt eine Porzelanebene.
Dann bin ich heute auf einem sehr unebenen Tassenrand herumgefahren.

Ich hätte es beinah nicht überlebt: Meine Landlady hat heute morgen beim Frühstück einfach das Brot weggelassen, soll der Gluti doch sehen, wo er seine Kalorien herkriegt.
Das führte zu zwei Large Portions of Chips (tau loarsch Poaschän uff chäps) mit Bohnen und Würstchen. Die Würstchen seien aus Schwein, kein flower drin.
Die Frittenbudenchefin schloss mich in ihr Herz und schrieb mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf.
Dass so Leute wie sie meine Sehenswürdigkeiten sind, habe ich für mich behalten.

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Bilderstrecke

Annan, Blick aus dem Hotelfenster


Steingarten auf der Fähre Amsterdam Newcastle


New Luce, Schottland


Im Bauch der Fähre


Fenster, Haarlem, Nord-Holland


Strasse, Haarlem, Nord-Holland


Larne, Nordirland, stürmischer Tag

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Gedanken beim ÜberSetzen

Ein natürlicher Hafen, Cairnryan. Die Bucht ist bestimmt 5 km lang, geht aber nicht ins Festland der britischen Insel, sondern wird von ihrer Westseite durch eine Halbinsel eingeschlossen. Ausser dem Fährverkehr nach Larne oder Belfast gibt es hier aber keine weiteren Hafenanlagen, doch vielleicht in Stranrear, am Ende der Bucht, das habe ich auf wunderschönen, kleinen Strassen umfahren, aber Schiffsverkehr ist hier nicht zu sehen.
Habe einen Tee im Pappbecher bekommen, der mit dem Emblem einer berühmten amerikanischen Kaffeekette geschmückt ist, schade, dachte ich würde eine von diesen Blechkannen voller starkem Tees bekommen, aber er schmeckt trotzdem.
Jetzt ist die Zeit da, der Bericht kann kommen, die Reportage, das, was man „Teilen“ bzw. „share“ nennt, was aber wohl leicht etwas anderes bedeutet.
Beim „sharing“ teilt man etwas, hat es aber auch, jeder, der „shart“ hat etwas davon. Teilen beinhaltetet zumindest nicht direkt, das man selber etwas davon hat, wohlmöglich auch weniger.
Das Problem mit „to share“ bei facebook kennt man ja; da haben oft ganz andere etwas von meinem Teilen, als die, mit denen ich etwas teilen möchte. Dann heißt das auch noch „soziales Medium“. Warum habe ich nur das Gefühl, seit dem man gegen „Dienstleistungswüsten“ Sturm läuft und es „Soziale Medien“ gibt, die Welt immer asozialer wird?
Ich frag es mich wirklich, nicht nur rhetorisch; vielleicht bin ich einfach nur ein alter Sack, der nicht mehr mitkommt.

Was hat das denn mit meiner Reise zu tun?

Der Mann neben mir, wir sprechen nicht miteinander; er hat die Hände gefaltet auf dem Bauch abgelegt, schmiegt sich in den Lehnstuhl, schaut auf’s Meer hinaus.
Als ich eben mein Telefon zum Aufladen mit dem neuerworbenen UK Stromadapter, in einer Buchse an der Bordwand anschloss, rumlaborierte, weil es nicht funktionierte, griff er vor mich und legte den Schalter an der Steckdose um.
„Du hast sie ausgeschaltet.“
Dann hat er sich eine Zigarette gedreht, deutete an, dass er Rauchen geht.
„Keep my seat, please!“
Wir haben also doch miteinander geredet.

Aber das schöne an der Situation hier sind die wenigen Worte und die Freundlichkeit des Herren neben mir. Die kann man nicht beschreiben. Er schaut einfach nett, er schaut mich nett an.

Paradox? Sitze hier, schreibe Worte, und schwärme von Situationen, in denen nicht viel Worte gemacht werden.
Paradox ist immer richtig.
Jetzt drängt sich eine andere Situation auf. Grad zwei Stunden her, muß aber Ausholen dafür, wieder viel Worte machen.

Heute, auf der letzten Etappe bei der Überquerung der britischen Insel in Richtung Irland, von Newton Stewart nach Cairnryan, hatte ich einiges Ungemach: Die Route bis zum Fährhafen hatte ich in einem Portal zum Fahrradroutenplanen, Naviki.org, herausgefunden und runtergeladen.
Diesmal ging es mir darum die großen Autostrassen zu meiden, auf den größeren Landstrassen in UK zu fahren ist furchtbar. Naviki hatte das auch schon von allein besorgt und meistens ging es an denRouten des „National Cycle Network“ entlang. Allerdings nimmt man damit oft sehr große Umwege in Kauf, was ich in der Kategorie, verschmutzes Wasser und verpestete Luft unterbringe, wenn die Autos den kürzeren Weg bekommen, aber das ist ein anderes Thema.
Im letzten Drittel der Tour nahmen die von Mountainbikern herausgefundenen Wege Überhand. Auf diese greift das Programm zurück, wenn sich keine hochgeladenen Asphaltrouten anbieten. Im vereinigten Königreich heißt das, auf Privatwegen zu fahren, von denen völlig ungeklärt ist, ob der Eigentümer damit einverstanden ist. Ausserdem sind sie oft fast nicht passierbar.
Bei einer Farm drohte ein eingesperrter Hund die Fensterscheiben zu sprengen und sonst schien keiner da zu sein. Ich hatte kehrt gemacht und irgendwie einen Weg über eine öffentliche Strasse gefunden.
3 km aber kurz vorm Ziel, kam ich auf einem Asphaltweg wieder auf eine Farm zu und mir 5 Rindviecher, herrlich, urtümlich, zottelig entgegen. Ich war, meiner sonstigen Art entgegen, gar nicht aufgeregt, aber einer von den Treiber hinter denen wohl. Ich schmiegte mich an den Wegrand und die tollen Tiere zogen an mir vorbei.
„Das sind Galloways, Bullen!“ erklärt mir einer von den Treibern, als ich nach den „Cows“ frug.
Und dann kam das, auf was ich hinaus wollte. Der letzte Bulle schaute genervt, majestätisch mit einer Drehung seines Halses, die seinen gesamten Körper herumzuwirbeln drohte, nach uns um.
Der Treiber schaute mich entschuldigend an, nahm die Pflicht, an die er erinnert worden war, wieder auf, brüllte:“Go boys, go!“
Der Blick des Stiers hat sich eingebrannt. Ein Veganer mit dem aggressiven Stolz eines, breitschultrigen, tätowierten, dickbäuchigen Briten.

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Cairnryan

Sitze im Fährterminal und warte auf den Sicherheitscheque. Ob ich hier warten wollte?
Wenn ich irgendwo ne Tasse Tee kriegen kann.
Hinterm Securitycheque gibt’s welchen. Jetzt kommt aber keiner zum Chequen. Nicht weit ist ein Gasthaus. Aber jetzt ist die Situation unklar.
Die wissen doch, wie wichtig Tee ist.

Hier auf der Karte das Stück, das ich durch Großbritannien gefahren bin.

Entre deux mers

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Textilrohstoffe in der Natur

Textilrohstoffe

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Burns, Burns, Burns

in Dumfries geht’s nicht um Johnny Cash sondern um den schottischen Nationaldichter Robert Burns.
Das einzige was ich von ihm kenne ist „Auld lang syne“ und das ist ursprünglich auch gar nicht von ihm.
Jetzt sitze ich gerade im Cafe „Pumpernickel“, dessen Inhaber über den Namen auch nicht viel mehr weiß als, dass er den Namen von seinem Vorgänger übernommen hat.

Ausserdem hat der super Internet. Kann jetzt ein paar Bilder hochladen.

noch Northumberland

Just the road

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Annan /Scotland

Die Etappe heute wollte ich eigentlich „Entre le deux Meeres“ nennen, weil ich heute von der Nord- zur Irischen See gefahren bin, aber ich sitze gerade in einem Pub, hier wird Dart gespielt, und jeder brüllt dauernd „fuckin'“
So ist hier auch alles: total abgefuckt. Selbst meine Unterkunft muss ich mir schön saufen. Aber ich tu es gerne u.d heute war ein schöner Tag.
Den Hadrians-Wall-Cycle-Way bin ich gefahren. Highly recomended. Ein gutes Stück auf Eisenbahntrassen, nachher kamen Ups and Downs, aber die Hauptsache: Keine von diesen fuckin cars!
Love that!
Und vergessen darf ich nicht den wunderbaren Latte (Lotti), den mir eine Frau aus einem Fahrrad-Cafe Projekt in Newcastle, direkt am Tyne gemacht.
„Don’t worry, enjoy.“ Ich hatte gefragt, ob ich nen Kaffe mit der Karte bezahlen kann, weil ich, grad runter vom Schiff noch kein Pfund hatte. Sie hat mir den Kaffee einfach geschenkt.

Jpeg

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Hinter’m Bahnhof

Hinter „Amsterdam Centraal“ ist Wasser. Zwischen Bahnhof und dem Wasser aber pulsiert das Leben nicht, sondern es gleitet.
Eine frische Brise und in Ruhe, aber durchaus schnell, dahin gleitendes Leben, Menschen auf Rädern, Segelboot gleich, mitten in der Stadt,
hinterm Bahnhof, das ist schön

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