Nach einem Tag Regenpause in Westport, Co. Mayo

Wo bleibt die Dankbarkeit für das behagliche Dach über’m Kopf, den letzten Tag, die Möglichkeit stundenlang zu lesen und auszuruhen?

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Don’t get wet!

Don’t get wet
What should I do
Instead
It makes me mad
You
An‘ your f**** weather
whether
it rains or not
Still the wind’s there
Still anywhere

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Was vom Tage übrig blieb

auf der Fahrt von Sligo nach Castlebar:

Salzige Butter


dies


oder das?

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Sidenod

Bin in Castlebar Co. Mayo, weiter südlich. Heute ist nichts besonderes passiert, in den gut 100 km, die ich gefahren bin. Besser: Ich habe mich nicht drum gekümmert. Es gibt immer etwas besonderes, aber heute drängt sich ein Gefühl der Ereignislosigkeit und der …..Unzufriedenheit nach vorne.
Gar nicht zu akzeptieren.

Aber ich wollte mich schon immer um eins kümmern. Das Phänomen des „Sidenod“, Seitennicken.

Das fiel mir vor knapp 30 Jahren schon auf, als ich hier in Irland war. Die Männer nicken einem nicht wie wir zu, sondern sie drehen den Kopf, was fast wie Kopfschütteln aussieht.

Eben habe ich das Wort nach einiger Zeit Recherge gefunden: Sidenod.So prägnant ist mir eine volksspezifische Geste noch nicht aufgefallen.

Es hat für mich etwas sehr wertschätzendes, kein Abnicken, sondern eher ein distanziertertes Umarmen ist das, einnehmend aber nicht vereinnahmend.

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Sligo

Wo fing der Tag heute an? Und er ist noch längst nicht zu Ende.
Weiß nicht, wie der Pub heißt, in dem ich gerade bin, aber sie haben auf Pop, nein, das ist schon etwas anderes, Independent?….würde zu den Wollmützen auf den Kopf habenden Typ hinter der Theke passen, aufgelegt.
Die Session ist vorbei.
Die Musiker brechen auf, der Raum wird leer, wird zu einer normalen Kneipe.
Die Musiker machen keinen homogenen Eindruck……..Au weia, jetzt läuft „Sweet Home Alabama“ der Guitarist geht, er sieht aus als, wenn er Zahnarzt wäre, er hat die gesamte Zeit über keinen Alkohol getrunken.
Wo ist der Akordeonspieler?

Er hat in den Pausen der Session, immer wieder Zigaretten gedreht ohne weg zu gehen; vielleicht raucht er sie jetzt alle auf.

Der Tag ist noch nicht zu Ende, aber wie soll ich ihn bis jetzt fassen?

Heute Morgen um 10 am Ortsrand von Donegal Town losgefahren. Hatte gestern abend vorm Dunkelwerden, nach fünf Versuchen noch eine B&B Bleibe bekommen und das Frühstück mit einer großen Gruppe von Menschen mit DDR Vergangenheit verbracht.
Eigentlich war ich der Ekelige: Habe mit meinen Fahrradheldentaten angegeben; ich weiß immer noch nicht, wie man einfach normal ist.

Der Akkordeonspieler ist wieder da. Ein Kern von Musikern sitzt an einem Tisch und ist am Quatschen. Selbst der Zahnarzt-Guitarist ist doch noch da.

Dann gefahren, also ich bin jetz wieder bei „Heute Morgen“…der Zahnarzt-Guitarist ist gerade gegangen…gegen den prickelnden Regen, der einem vom Gegenwind entgegen geblasen wird, auf der Strasse, der zweispurigen, die unendlich brutal von viel zu vielen Autos befahren, als Nationalstrasse den Verkehr von Donegal nach Sligo aushalten muß, aber meistens einen Randstreifen hat, auf dem man passabel Fahrradfahren kann, wenn man die vorbeirasenden Autos erträgt.
Die Zeit bis Ballyshannon, was nur knappe 20 km von Donegal Richtung Sligo entfernt ist, dachte ich an diese vorbereitete Zitaten-Collage.

„Ich empfand es als Blasphemie, als jemand in Deutschland zu mir sage: Die Strasse gehört dem Motor. In Irland war ich oft versucht zu sagen: Die Strasse gehört der Kuh. Tatsächlich werden in Irland die Kühe so frei zur Weide, wie die Kinder zur Schule geschickt; herdenweise nehmen sie die Strasse ein….“ aus Böll, Heinrich; Irisches Tagebuch, München 1963
“ Heinrich Böll hätte sein Irland nicht wieder erkannt S. 312….. 1986 gab es nur 750 000 private Autos in der Republik Irland, 1996 gab es mehr als 1 Million und 2007 waren es mehr als 2 Millionen S. 317………“ aus Maurer, Michael; Geschichte Irlands, Stuttgart 2013.

Ja, es ist Blasphemie. Als ich zum letzten Mal hier in Irland war, 1989, war der Autoverkehr, spürbar weniger; ist natürlich Ökoarroganz, wenn man das so ausspricht: Ein Land ist nicht dazu da irgenwelchen Touristen, die sich als Fahrradfahrer besonders vorkommen, zu gefallen.
Mir gefällt vor allem das weitsichtige Empfinden von Heinrich Böll. Die Verrohung der Strasse werfe ich auch keinem Land vor; sie ist ein Zeitphänomen, alltäglicher Irrsinn, wie Waffenhandel, Umweltverschmutzung etc.

In Ballyshannon, wollte ich eine „decent cup of tee“ haben, bekam einen Pappbecher in einem Shop, in dem ich mich aber nicht hinsetzen konnte. In einem mit Tankstelle kombinierten Einkaufsparadies gabs dann alles:
Eine super nette Frau hinter einer Essenstheke, die mir ein Sunday Roast mit Mash Potatoes und Erbsen und Möhrchen für einen erstaunlich günstigen Preis zusammenstellte und unheimlich interssiert an meiner Tour war (sie würde höchstwahrlich alles, was hier steht genau und geduldig nachlesen). Kaffe gabs und irgendwann, nennen wir ihn Reginald.

Ein Engländer, ein Grundschullehrer, ein Fahrradfahrer, der schon überall in der Welt mit dem Rad gewesen ist, nur nicht in Südamerika……dafür aber z.B mit einem Brompton von Mumbai nach New Dehli gefahren war, in Island auch, aber mit einem anderen Fahrrad, aber da ist furchtbar Fahrradfahren…….immerhin machte er mir das Kompliment, als wir uns in Sligo trennten, dass er schon lange nicht mehr, so schnell gefahren sei.

Total lustig: Er war interessiert an meiner kleinen digitalen Leica, erzählte mir von seiner Leica aus den 1930 Jahren und als ich dieses Foto

an der Straße nach Sligo

aufnahm zeigte er mir seine selbstgegbaute Lochkamera, sein kleines Fotolabor, er hatte wirklich Fotochemikalien in seinen Lowridertaschen dabei….
„Du bist wirklich das, was ich mir unter einem spleenigen Engländer vorgestellt hab.“ Er nahm das Kompliment gelassen, wie ein spleeniger Engländer halt.
Es war herrlich mit ihm – bei Regen und Gegenwind- und unsere Gespräche auf dem Fahrad und den zwei Kaffees, die wir miteinander getrunken haben, von Ballyshannon, wo übrigens Rory Gallagher geboren ist, bis nach Sligo, gingen über Sozialsysteme, Sabattjahre, Gesichtsmimik, Immigaration, die Königin, den Nordirland Konflikt……..nichts, über das wir nicht gesprochen hätten.

Jetzt gehe ich pinkeln und dann aus dem Pub in Sligo, dessen Namen ich nicht einmal weiß.

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Bilderstrecke








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Korrektur

Bin in Raphoe auf 1/3 Weg von Derry nach Donegal Town.

Beim Herausfahren aus Derry habe ich dann doch noch Union Jacks gesehen und zwar nicht zu knapp. Es sah zuerst nach einer touristischen Sehenswürdigkeit aus, Willkommensgrüsse am Bürgersteig, und plötzlich war ich in einem eingezäunten Ghetto. Sogar die Bordsteine waren blau, rot, weiß lackiert. An jedem Haus hing die UK Flagge.
Genauso hatte ich vor ein paar Tagen in Nordirland, einen 99% katholischen Ort gesehen, Dunloy. Dort wehte die Trikolore der Republik, Cuchulain war mit einer Art Baseballschläger in der Hand, an eine Wand gepinselt, und die katholische Kirche ein moderner Bau, mit einem Glockenturm aus der Zeit von St. Patrick nachempfunden.

Dunloy St. Joseph

Holy Jesus!

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Wechselzone

oder „The Town I Loved so Well“

Bin in Derry, auch Londonderry genannt, was wohl auch etwas mit der politischen Einstellung zu tun hat. Londonderry habe ich aber bisher keinen sagen gehört.
Das Lied oben, sein Titel ist von Phil Coulter, der kommt hierher und beschreibt darin die Zeit in den 70zigern.

Gestern bin ich mit einer Fähre vom Königreich in die Republik, heute am Foyle entlang nördlich von Derry wieder ins Königreich gekommen.
Man merkt diese Wechsel fast gar nicht. In der Republik gibt’s km und Euro, im Königreich Miles und Pound, sonat war der Strassenbelag anders.
Aber kein Schild, kein Hoheitszeichen, hier in Derry habe ich auch bisher keinen Union Jack gesehen.
Die B&B Lady von gestern arbeitet als Köchin, hier in Derry, lebt aber in Greencastle, in der Republik, wo der Foyle ins Meer mündet.

Die Stadt hat eine Friedensbrücke und macht auf mich innendrin einen ziemlich friedlichen Eindruck.
Was kann man angesichts all dessen Unagressives über den Brexit sagen?

Jpeg

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Colraine

Passing Northern Ireland

Gerade in Colraine. Auf den Inseln gibt’s überall heisse Kartoffeln mit Schale und etwas drüber: Baked beens oder cheese tomato z.B. und Tee, herrlich viel aus Blechkannen.

Gestern hatte ich versucht heraus zufinden, was Orangisten eigentlich sind. In fast jedem Ort hier gibt es eine Orange Hall. Wenn man nachschaut landet man beim niederländischen Königshaus. Es gab vor langer Zeit einmal einen von denen, son Wilhelm, der den katholischen Einfluss auf den englischen Thron militärisch entgültig den Gar ausgemacht hat und gleichzeitig König der Generalstaaten und von England war.
Die orangenen Fussballfans und die Hardliner hier in Nordirland beziehen sich mit ihrem Farbenwahn ganz entfernt doch irgendwo auf dasselbe.
Der kommt aber urpsrünglich aus der Provence, aus Orange, total weit weg von hier. Globaler Wahnsinn, hat doch nichts mir richtiger Tradition zu tun.
Ist wirklich schwer zu verstehen, was hier abgeht. Aber die Leute hier sind ausserordentlich freundlich.

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Tolle Fritte oder der Tanz auf dem Untertassenrand

sehenswürdig!

Bin kurz vor Ballymena, Brougshane heisst der Ort. War beschwerlich hier rüber. Wahnsinnsrampen, wieder schmal und ohne Autos und brutaler Gegenwind. Hab mal gelesen, dass Irland, so wie Tschechien übrigens auch, geomorphologisch einer Untertasse gleiche: Der gebirgige Tassenrand umgibt eine Porzelanebene.
Dann bin ich heute auf einem sehr unebenen Tassenrand herumgefahren.

Ich hätte es beinah nicht überlebt: Meine Landlady hat heute morgen beim Frühstück einfach das Brot weggelassen, soll der Gluti doch sehen, wo er seine Kalorien herkriegt.
Das führte zu zwei Large Portions of Chips (tau loarsch Poaschän uff chäps) mit Bohnen und Würstchen. Die Würstchen seien aus Schwein, kein flower drin.
Die Frittenbudenchefin schloss mich in ihr Herz und schrieb mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf.
Dass so Leute wie sie meine Sehenswürdigkeiten sind, habe ich für mich behalten.

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