Sanft ist die See, heute Nacht war das Schiff ein wenig mehr bewegt. Dünung, glaube ich, heißt das, wenn man das Heben des Bugs und das langsame Nachfallen des Schiffs spüren kann. Wunderbar. Selbst das allgegenwärtige, leichte Wummern des Schiffsmotors fühlt sich schön an, obgleich ich gerne einmal die motorlose Bewegung auf dem Wasser, wie auf einem Segelschiff kennen lernen möchte. Höchstwahrscheinlich ist das das Schwanken stärker, weil Segelschiffe nie so breit wie eine Fähre sind.
Mir direkt gegenüber sitzt Andrè, ein Niederländer, auch mit dem Fahrrad unterwegs, nach eigener Aussage ein Morgenmuffel, der alle Zeit hat, die er will zu Raddfahren; „selfemployed“ in der IT Branche. Das ist schon eine Art Freiheit, die ich nicht so schnell „canceln“ kann.
Gestern hatte ich einen Text geschrieben über das Meer, wie es mich aus dem Liegestuhl aufzwang, eine gerade Haltung ein zunehmen, wie es mir „die Brust öffnete“. Weg der Text. Aber auch egal.
André und seine Freundin Leonie sind von Exeter aus quer durchs Dartmoor gefahren, eine Strasse, von der ich gedacht hab, dass sie stark befahren sei und die als Radweg nicht empfohlen war. Nicht viel Autos und wenn, dann fuhren die moderat, sagt er. Schade, den Weg hatte ich erwogen, vor allem war er wohl nicht ganz so „rauf und runter“ wie meiner.
Vielfältiges Blau
Oberflächlich beruhigend
Fordert die Tiefe Tribut
Meer und Sehnsucht ist ja ein riesen Thema. „Seemanns Braut ist die Seeeee….“ und vielleicht ist meine Sehnsucht nach echter Seekrankheit, auf einem kleineren Boot, das mir eigene Näherkommenwollen.
In diesem ziemlich sicheren Pott zu sitzen und das Meer, so oberflächlich mitzubekommen, ist halt wie Autofahren auf dem Land:
Wenn man gar nicht mehr wirklich weiß, was Steigungen und Gegenwind ist. Deshalb braucht man hier auch jede Menge Ablenkung.
Sehnsucht nach Seekrankheit ist Schwachsinn. Weiß von einer Nordseedurchquerung im Winter vor zwei Jahren, wie schlecht ich etwas essen konnte und das war ein ähnlich großer Pott, auf dem ich gefahren bin.
Es dauert ja auch manchmal ziemlich lange bis man Seekrankheit überwunden hat. Vielleicht würde ich es selbst auf einem Segelboot, das länger und weniger sicher, die Strecke hier bewältigen würde, nicht schaffen grade zu stehen.
Seit Jahren trauen ich mich schon nicht mehr richtig in freiem Wasser zu schwimmen. In Plymouth bot sich das nicht an, vielleicht gleich in Santander. Sidn noch drei Stunden, sagte eben die Lautsprecher Durchsage.