{"id":1804,"date":"2018-06-22T15:26:36","date_gmt":"2018-06-22T13:26:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wendelwillweiter.de\/?p=1804"},"modified":"2018-06-22T15:26:36","modified_gmt":"2018-06-22T13:26:36","slug":"round-galway-bay-21-6-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wendelwillweiter.de\/?p=1804","title":{"rendered":"Round Galway Bay  21.6.18"},"content":{"rendered":"<p>Doolin. Endlich Urlaub. Ein Campingplatz, mit allen Annehmlichkeiten, die man braucht.<br \/>\nZ.B. sitze ich gerade in einer \u00fcberdachten K\u00fcche, nein, einem richtigen Haus, mit Herden, Wasserkochern, Teapads, Milk zur Selbstbedienung, inclusive&#8230;.ein Ort wo Milch und Tee flie\u00dft sozusagen. Br\u00e4uchte aber eigentlich gar nicht hier zu sitzen, draussen ist wunderbares Wetter, bin aber an die Steckdose geheftet, das Smartphone ist leer.<\/p>\n<p>Gestern habe ich die Galway Bay einmal umhalbrundet&#8230;..habe ja schon lange nichts mehr geschrieben&#8230;&#8230;war, bevor ich auf die gro\u00dfe Bucht von Galway stie\u00df, in Mayo, und Conamara unterwegs, ja, nachdem ich diesen einen halben Tag und eine Nacht in Westport in einem B&#038;B verbracht habe.<\/p>\n<p>Nordwestlich von Galway ist G\u00e4lisch die ausschlie\u00dfliche Verkehrssprache. Hoffentlich habe ich den richtigen Terminus gew\u00e4hlt. Schilder, amtliche Hinweise etc. alles nur in der irischen Sprache.<br \/>\n&#8222;That&#8217;s realy important for us&#8220;, erkl\u00e4rte mir der Campingplatzchef in An Spideal, ein junger, sehr netter Mann.<br \/>\n&#8222;Goodbay means Sl\u00e1n&#8220;, rief er mir beim Weggehen noch hinterher.<br \/>\nUnd es war erst gestern morgen, als ich mit den beiden Belgiern, in An Spideal gefr\u00fchst\u00fcckt habe.<br \/>\n&#8222;Das sind &#8218;Mitches&#8216; die da um Dich rumschwirren und die stechen. Zigaretten helfen dagegen!&#8220;<br \/>\nSchon lange nicht mehr eine Zigarette zum Fr\u00fchst\u00fcck gehabt. Der Belgier kennt sich aus.<br \/>\n&#8222;In Irland ist es hart, z.B. auf dem Land zu leben, seit der keltische Tiger am Boden gelandet ist. Ich habe Freunde hier.&#8220;<\/p>\n<p>Ich komme an diesem &#8222;Gestern Morgen&#8220; nicht in die P\u00f6tte und erst um 12:00 vom Campingplatz weg, um nach einem Kilometer den zweiten Platten auf dieser Tour zu flicken, sch\u00f6n am Wasser in der Sonne.<\/p>\n<p>Es sind knappe 20 km bis Galway und ich pausiere am Westende, an einer Art Flaniermeile am Bay, hei\u00dft Salthill, ist richtig hei\u00df in der Sonne. Auch hier sprechen viele G\u00e4lisch. Finde ich toll.<br \/>\nBemerkenswert: Fahrr\u00e4der sind auf der breiten Promenade verboten und man soll auf der Strasse in einer Autoschlange mitfahren.<br \/>\nInnendrin, in Galway, gibt es eine Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, total \u00fcberf\u00fcllt, Strassenmusiker, die ich aber alle nicht unter Vertrag nehmen w\u00fcrde.<br \/>\nAusserdem brauche ich eine Deutschlandfahne an meinem Fahrrad:<\/p>\n<p>Eine Dame spricht mich an &#8222;Do you know, where the places are, to drink something or so&#8230;&#8220; und ich deute nur auf das Gep\u00e4ck und das Fahrrad, das ich schiebe &#8222;ah, you are traveler, too&#8220;<br \/>\n&#8222;Jo und auch aus Deutschland!&#8220;<br \/>\n&#8222;Det h\u00e4tt&#8217;ste aber mal an Dir dran schreiben k\u00f6nnen, det Du&#8217;n Deutscher bist, wa!&#8220; Schallt es im breitesten brandenburgisch zur\u00fcck und ihre Hand kracht auf meine Schulter, irgendwie sympathisch.<br \/>\nSoweit: Galway ist bestimmt sch\u00f6n und wichtig, aber nichts f\u00fcr ein bepacktes Fahrrad.<br \/>\nIch strebe weiter nach Osten, zum Ende von der riesigen Bucht. Autos, Autos, immer weiter Autos. Mu\u00df mal herausfinden, ob die Verkehrsinfrastruktur nicht ausreicht, ob die hier pro Kopf und Quadratkilometer einfach zuviel haben, oder ob es meine Sentimentalit\u00e4t ist vor knapp 30 Jahren genau dieselbe Strecke vollkommen anders empfunden zu haben. Ich bin tief genervt, fertig, urlaubsreif.<br \/>\nOranmoore, hei\u00dft der Ort, an dem die Bucht zu Ende ist. Ich gehe mir in einem Pub nen Cider holen. Da bemerke ich aber auch schon meinen eigenen Irrsinn: Ich setze mich vor den Pub auf eine Bank, direkt an die Hauptverkehrsstrasse, anstatt hineine. Ist aussen und innen wundersch\u00f6n.  Wei\u00df gek\u00e4lkt, hat ein Reetdach und innen alle Requisiten, die Ronnie Drew br\u00e4uchte, um &#8222;Dicey Riley&#8220; mit seiner Holzkhole zerkleinernden Stimme unter einer T\u00fcr durchzuziehen.<br \/>\nDann geht es auf einer gro\u00dfen Strasse, aber mit meist breitem Seitenstreifen sehr flott, Richtung S\u00fcden (komischer Weise war beim schlechten Wetter S\u00fcdwest und jetzt beim sonnigen klaren Nordwind vorherrschend).<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich ein Fahrradfahrer neben mir. Er f\u00e4hrt jeden Tag vom Co. Claire nach Galway, bestimmt 30 km.<br \/>\nDann bist Du ja ein richtiger Bike-Commuter. So etwas gibt es hier doch eigentlich gar nicht!?<br \/>\nEr zuckt mit den Schultern. Eigentlich komme er aus den Niederlanden.<\/p>\n<p>Er gibt mir noch den Tip, nicht so weit links zu fahren ( in Irland herrscht wie in GB Linksverkehr). Damit verf\u00fchrt man die Autofahrer nur, einen viel zu knapp zu \u00fcberholen.<br \/>\n&#8222;Keep left!&#8220; hei\u00dft es immer wieder; aber eigentlich hat der Commuter recht. Wenn man sich ganz links h\u00e4lt gibt es auch nichts mehr zum Ausweichen. <\/p>\n<p>Ich komme gut voran und mach viel vom verdr\u00e4melten Tag wieder wett.<\/p>\n<p>Irgendwann bin ich auf der &#8222;Road to Lisdoonvarna&#8220;. Es gibt einen tune, einen reel, der so hei\u00dft, den ich ge\u00fcbt habe und ich versuche mich an ihn zu erinnen, w\u00e4hrend ich die Strasse fahre.<br \/>\nDas finde ich bei den Musikern hier faszinierend. Dieses Reportoire an Melodien, gemeinsam in so vielen K\u00f6pfen.<br \/>\nAber ich bin noch auf der Strasse, habe die Melodie im Kopf und finde nicht heraus, was sie mit der Strasse zu tun hat.<br \/>\nMit 12% Steigung wird sie alpin, nat\u00fcrlich l\u00e4ngst nicht so lang wie ein Pass, aber in Serpentinen und das ist hier sehr selten. Die bauen hier lieber Rampen als Serpentinen. <\/p>\n<p>Vor den letzten 6 km bist nach Doolin kaufe ich mir in Lisdoonvarna, einen Kaffe, eine Schokolade&#8230;..bin ein wenig ausgebrannt.<\/p>\n<p>Auf dem Campingplatz versuche ich meine Luftmatraze zu flicken, der Kleber ist aber eingetrocknet, der Mann von der Rezeption leiht mir eine Matte&#8230;&#8230;und ich wollte doch in die Pubs, zur Lifemusik.<br \/>\nBin entt\u00e4uscht. Volle Suppe schwappt mir das touristisch-kommerzielle entgegen, die Musiker sehen wie Schwerarbeiter, wenig lustvoll aus, der Alkohol scheint \u00fcberall notwendig zu sein, um das Urlaubsleben einigerma\u00dfen ertragbar zu gestalten.<br \/>\nSo war es bei Fitzpatrick, so war es bei O&#8217;Connors. Ich lauf weiter Richtung Hafen am G O L Fplatz entlang.<br \/>\nDa kommen keine Pubs mehr, teilt mir ein Entgegenkommender mit.<br \/>\nIch beschlie\u00dfe mir bei O&#8217;Connors das Urlaubsleben auch ein wenig sch\u00f6n zutrinken, kauf mir ein Pint Cider f\u00fcr knapp 7\u20ac, ein seifigen Toilettengeruch, wenn immer mal wieder die entprechende T\u00fcr aufgeht, gibt es kostenlos dazu.<br \/>\nDrei Musiker: Irish Flute, die h\u00f6lzerne irische Querfl\u00f6te, eine Geige und ein ePiano.<br \/>\nDie Pianospielerin fasziniert mich. Pagenschnitt, Kleopatragesicht mit griesgr\u00e4migen Ausdruck und einem Habiutus, der nicht nach Klavierspielen, sondern nach Patiencenlegen aussieht. Aber sie macht den Groove, was dem ganzen eher den Charakter von Saloon Musik verleiht, es sind aber traditionelle Tunes, die sie spielen.<br \/>\nGleichwie, es war ganz anders als in Sligo, wo man das Gef\u00fchl hatte, da kommen Leute zu einer starken, verbindenden Sache zusammen, orgiastisch halt.<br \/>\nAllerdings stand pl\u00f6tzlich ein Alter Mann, der an Kr\u00fccken ging, bei der &#8222;Irish Combo&#8220; und fing mit einer gewaltigen und auch sehr reibeisenden Stimme &#8222;Finegans Wake&#8220; und &#8222;Raglan Road&#8220; zu singen. Das hatte wieder was&#8230;&#8230;Aber den Musiker schien er mit seinen Balladen auf den Kecks zu gehen. Vielleicht beurteile ich das auch falsch.<br \/>\n&#8222;Raglan Road&#8220; geh\u00f6rt ja zu den ganz hervorragenden Balladen von Luke Kelly und ich versuchte das urspr\u00fcnglich Gedicht von Patrick Kavanagh zu verstehen, las den Text auf dem Smartphone im Zelt.<br \/>\nDas war der Tag<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Doolin. Endlich Urlaub. Ein Campingplatz, mit allen Annehmlichkeiten, die man braucht. Z.B. sitze ich gerade in einer \u00fcberdachten K\u00fcche, nein, einem richtigen Haus, mit Herden, Wasserkochern, Teapads, Milk zur Selbstbedienung, inclusive&#8230;.ein Ort wo Milch und Tee flie\u00dft sozusagen. 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