{"id":1701,"date":"2018-06-13T21:56:59","date_gmt":"2018-06-13T19:56:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wendelwillweiter.de\/?p=1701"},"modified":"2018-06-13T21:56:59","modified_gmt":"2018-06-13T19:56:59","slug":"gedanken-beim-uebersetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wendelwillweiter.de\/?p=1701","title":{"rendered":"Gedanken beim \u00dcberSetzen"},"content":{"rendered":"<p>Ein nat\u00fcrlicher Hafen, Cairnryan. Die Bucht ist bestimmt 5 km lang,  geht aber nicht ins Festland der britischen Insel, sondern wird von ihrer Westseite durch eine Halbinsel eingeschlossen. Ausser dem F\u00e4hrverkehr nach Larne oder Belfast gibt es hier aber keine weiteren Hafenanlagen, doch vielleicht in Stranrear, am Ende der Bucht, das habe ich auf wundersch\u00f6nen, kleinen Strassen umfahren, aber Schiffsverkehr ist hier nicht zu sehen.<br \/>\nHabe einen Tee im Pappbecher bekommen, der mit dem Emblem einer ber\u00fchmten amerikanischen Kaffeekette geschm\u00fcckt ist, schade, dachte ich w\u00fcrde eine von diesen Blechkannen voller starkem Tees bekommen, aber er schmeckt trotzdem.<br \/>\nJetzt ist die Zeit da, der Bericht kann kommen, die Reportage, das, was man &#8222;Teilen&#8220; bzw. &#8222;share&#8220; nennt, was aber wohl leicht etwas anderes bedeutet.<br \/>\nBeim &#8222;sharing&#8220; teilt man etwas, hat es aber auch, jeder, der &#8222;shart&#8220; hat etwas davon. Teilen beinhaltetet zumindest nicht direkt, das man selber etwas davon hat, wohlm\u00f6glich auch weniger.<br \/>\nDas Problem mit &#8222;to share&#8220; bei facebook kennt man ja; da haben oft ganz andere etwas von meinem Teilen, als die, mit denen ich etwas teilen m\u00f6chte. Dann hei\u00dft das auch noch &#8222;soziales Medium&#8220;. Warum habe ich nur das Gef\u00fchl, seit dem man gegen &#8222;Dienstleistungsw\u00fcsten&#8220; Sturm l\u00e4uft und es &#8222;Soziale Medien&#8220; gibt, die Welt immer asozialer wird?<br \/>\nIch frag es mich wirklich, nicht nur rhetorisch; vielleicht bin ich einfach nur ein alter Sack, der nicht mehr mitkommt.<\/p>\n<p>Was hat das denn mit meiner Reise zu tun?<\/p>\n<p>Der Mann neben mir, wir sprechen nicht miteinander; er hat die H\u00e4nde gefaltet auf dem Bauch abgelegt, schmiegt sich in den Lehnstuhl, schaut auf&#8217;s Meer hinaus.<br \/>\nAls ich eben mein Telefon zum Aufladen mit dem neuerworbenen UK Stromadapter, in einer Buchse an der Bordwand anschloss, rumlaborierte, weil es nicht funktionierte, griff er vor mich und legte den Schalter an der Steckdose um.<br \/>\n&#8222;Du hast sie ausgeschaltet.&#8220;<br \/>\nDann hat er sich eine Zigarette gedreht, deutete an, dass er Rauchen geht.<br \/>\n&#8222;Keep my seat, please!&#8220;<br \/>\nWir haben also doch miteinander geredet.<\/p>\n<p>Aber das sch\u00f6ne an der Situation hier sind die wenigen Worte und die Freundlichkeit des Herren neben mir. Die kann man nicht beschreiben. Er schaut einfach nett, er schaut mich nett an. <\/p>\n<p>Paradox? Sitze hier, schreibe Worte, und schw\u00e4rme von Situationen, in denen nicht viel Worte gemacht werden.<br \/>\nParadox ist immer richtig.<br \/>\nJetzt dr\u00e4ngt sich eine andere Situation auf. Grad zwei Stunden her, mu\u00df aber Ausholen daf\u00fcr, wieder viel Worte machen.<\/p>\n<p>Heute, auf der letzten Etappe bei der \u00dcberquerung der britischen Insel  in Richtung Irland, von Newton Stewart nach Cairnryan, hatte ich einiges Ungemach: Die Route bis zum F\u00e4hrhafen hatte ich in einem Portal zum Fahrradroutenplanen, Naviki.org,  herausgefunden und runtergeladen.<br \/>\nDiesmal ging es mir darum die gro\u00dfen Autostrassen  zu meiden, auf den gr\u00f6\u00dferen Landstrassen in UK zu fahren ist furchtbar. Naviki hatte das auch schon von allein besorgt und meistens ging es an denRouten des &#8222;National Cycle Network&#8220; entlang. Allerdings nimmt man damit oft sehr gro\u00dfe Umwege in Kauf, was ich in der Kategorie, verschmutzes Wasser und verpestete Luft unterbringe, wenn die Autos den k\u00fcrzeren Weg bekommen,  aber das ist  ein anderes Thema.<br \/>\nIm letzten Drittel der Tour nahmen die von Mountainbikern herausgefundenen Wege  \u00dcberhand. Auf diese greift das Programm zur\u00fcck, wenn sich keine hochgeladenen Asphaltrouten anbieten. Im vereinigten K\u00f6nigreich hei\u00dft das, auf Privatwegen zu fahren, von denen v\u00f6llig ungekl\u00e4rt ist, ob der Eigent\u00fcmer damit einverstanden ist. Ausserdem sind sie oft fast nicht passierbar.<br \/>\nBei einer Farm drohte ein eingesperrter Hund die Fensterscheiben zu sprengen und sonst schien keiner da zu sein. Ich hatte kehrt gemacht und irgendwie einen Weg \u00fcber eine \u00f6ffentliche Strasse gefunden.<br \/>\n3 km aber kurz vorm Ziel, kam ich auf einem Asphaltweg wieder auf eine Farm zu und mir 5 Rindviecher, herrlich, urt\u00fcmlich, zottelig entgegen. Ich war, meiner sonstigen Art entgegen, gar nicht aufgeregt, aber einer von den Treiber hinter denen wohl. Ich schmiegte mich an den Wegrand und die tollen Tiere zogen an mir vorbei.<br \/>\n&#8222;Das sind Galloways, Bullen!&#8220;  erkl\u00e4rt mir einer von den Treibern, als ich nach den &#8222;Cows&#8220; frug.<br \/>\nUnd dann kam das, auf was ich hinaus wollte. Der letzte Bulle schaute genervt, majest\u00e4tisch mit einer Drehung seines Halses, die seinen gesamten K\u00f6rper herumzuwirbeln drohte, nach uns um.<br \/>\nDer Treiber schaute mich entschuldigend an, nahm die Pflicht, an die er erinnert worden war, wieder auf, br\u00fcllte:&#8220;Go boys, go!&#8220;<br \/>\nDer Blick des Stiers hat sich eingebrannt. Ein Veganer mit dem aggressiven Stolz eines, breitschultrigen, t\u00e4towierten, dickb\u00e4uchigen Briten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein nat\u00fcrlicher Hafen, Cairnryan. Die Bucht ist bestimmt 5 km lang, geht aber nicht ins Festland der britischen Insel, sondern wird von ihrer Westseite durch eine Halbinsel eingeschlossen. 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